Das US Open ist besser organisiert als früher und erhielt neue Stadions

Die Chaosjahre bei den US Open gehören glücklicherweise der Vergangenheit an. Die Spieler schätzen die Verbesserungen der Infrastruktur, Roger Federer und Rafael Nadal loben die Veranstalter in den höchsten Tönen.

Jörg Allmeroth, New York
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Das neue Louis-Armstrong-Stadion, ausgerüstet mit einem ausfahrbaren Dach. Bild: Cynthia Lum/Getty (Flushing Meadow,  New York, 30. August 2018)

Das neue Louis-Armstrong-Stadion, ausgerüstet mit einem ausfahrbaren Dach. Bild: Cynthia Lum/Getty (Flushing Meadow, New York, 30. August 2018)

Als sich gleich zu Beginn der ersten US-Open-Woche tropische Hitze über dem Schauplatz Flushing Meadow breitmachte, draussen vor den Toren des Big Apple, reagierten die Macher des letzten Major-Turniers der Saison schnell mit einem Akt der Vernunft. Auch den männlichen Profis wurde umgehend eine Zehn-Minuten-Pause bei längeren Matches zugestanden, Turnierärzte und die Grand-Slam-Direktion hatten sich eilig zusammengesetzt und den historischen Beschluss ohne langes Zögern umgesetzt. Es war eine logische, eine zwingende Entscheidung, aber es war auch ein Indiz dafür, wie sich der einst als «Grusel Slam» abgekanzelte Wettbewerb und seine Dirigenten in den letzten Jahren verändert haben.

Vielen in der Tenniskarawane sind noch die Chaosjahre aus nicht allzu ferner Vergangenheit in lebhafter Erinnerung, die parteiische Ansetzung der Matches, der wirre Spielplan, das übermächtige Diktat der US-Fernsehnetworks, die kränkliche Infrastruktur. Doch die Zeiten, in denen der amerikanische Grand Slam sogar auf der Kippe stand und Spielervertretungen offen mit Boykott drohten, sind zum Glück vorbei. John McEnroe, einst einer der unbarmherzigsten Kritiker seines eigenen Tennisverbandes Usta, ist nun zum eingeschworenen Fan der neuen US Open geworden: «Sie haben wirklich die Kurve gekriegt hier», sagt der New Yorker, «es war eine Rettung irgendwie in letzter Sekunde.» Seit diesem Jahr verfügen die US-Open-Häuptlinge gleich über drei schmucke Toparenen, zum Arthur-Ashe-Stadion und dem vor zwei Jahren fertig gewordenen Grandstand ist nun der neue Louis-Armstrong-Court hinzugekommen, eine 14 000 Zuschauer fassende Konstruktion mit luftig-leichter Anmutung. Und genau wie der Centre Court mit einem mobilen Schutzschild-Dach ausgerüstet.

Wechsel in der Verbandsspitze

Eigentlich hätte schon der Bau des Arthur-Ashe-Stadions vor gut 20 Jahren den Aufbruch in eine neue Ära einleiten sollen. Doch die grösste Tennisarena der Welt hatte vom ersten Jahr an einen Geburtsfehler – nämlich keinen Schutz vor den keineswegs untypischen Regenfällen im Spätsommer an der US-Ostküste. So wurden Turnierjahre serienweise in Spielplan-Turbulenzen gestürzt, der Herrenfinal musste wegen fataler Wetterkapriolen gleich fünfmal hintereinander auf den Montag verschoben werden. Hinzu kam der eigenwillige Terminablauf, diktiert von den grossen Fernseh-Geldgebern wie CBS – am sogenannten «Super Saturday» etwa mussten die männlichen Profis nur 24 Stunden vor dem Endspiel zu den Halbfinals auf den Court schreiten.

Lange und hartnäckig hatte sich die Usta-Exekutive gegen eine grosse Grand-Slam-Umwälzung ausgesprochen, noch zu Beginn dieses Jahrzehnts rief der damalige Turnierboss Jim Curley die Devise aus, «andere Turniere hätten viel grössere Probleme mit dem Wetter – etwa Wimbledon». Doch dort, im All England Club, war eine Utopie da schon längst Wirklichkeit geworden, ein Regenschirm über dem Centre Court, ein Stück Planungssicherheit gegen alle Wetterunbill. Neue Köpfe in der Verbandsspitze brachten dann auch in New York die kleine Revolution auf den Weg – ein 600-Millionen-Dollar-Projekt zum technischen Stadionumbau und zur kompletten Schönheitskorrektur wurde beschlossen und zeitgerecht umgesetzt. «Wenn man überlegt, wie es hier vor zehn Jahren ausgesehen hat und wie es jetzt aussieht, kommt man aus dem Staunen nicht heraus», sagt Roger Federer, der Schweizer Maestro.

Auch Rafael Nadal, sein kongenialer Rivale, ist voll des Lobes: «Inzwischen macht es wieder richtig Spass, hier zu spielen, ohne Wenn und Aber.» Einst hatte sich Nadal beschwert, das Turnier sei respektlos gegenüber den Profis, ausserdem würden «nur die TV-Sender bestimmen, was hier passiert». Man merke ziemlich deutlich, «dass nun auch ehemalige Spieler in der Usta-Führung mitreden», sagt der deutsche Trainer, Manager und Verbandsfunktionär Dirk Hordorff: «Sie wissen eben, an welchen Schrauben man drehen muss.» So sind denn auch die nicht unwichtigen Details im täglichen Ablauf verbessert worden: ein besser funktionierender Shuttle-Service, aufgewertete Menüs in der moderneren Player Lounge. «Man hat endlich das Gefühl, ein willkommener Gast zu sein», sagt der Coach eines europäischen Topspielers, «das war früher ganz anders.»

Auch der Spielplan folgt nun rationalen Überlegungen – und nicht dem egoistischen Willen von mächtigen Fernseh-Konglomeraten. Jede Turnierrunde wird über zwei Tage ausgespielt, so wie in Wimbledon. Und am Finalwochenende ist der fragwürdige Super Saturday längst verschwunden, das Endspiel der Frauen am Samstag und der Herrenfinal am Sonntag müssen mehr als genügen.