AUFATMEN: Das Selbstverständnis ist zurück

Ein rauschender Champions-League-Abend genügt dem FC Basel, um alle negativen Prognosen zu widerlegen. Der 5:0-Sieg über Benfica lässt Mannschaft und Anhänger wieder an das neue Konzept glauben.

Sven Schoch (sda)
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Trainer Raphael Wicky gibt dem Matchwinner Dimitri Oberlin taktische Anweisungen. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Trainer Raphael Wicky gibt dem Matchwinner Dimitri Oberlin taktische Anweisungen. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Sven Schoch (SDA)

Hinter Raphael Wicky liegen intensive Tage. Der Trainerneuling an bester nationaler Adresse fand unter Hochdruck den Ausweg aus einer Situation, die sich ungemütlich anfühlte und sich im nervösen Basler Umfeld wie eine Krise anhörte. Das matte 1:2 in St. Gallen, dann der erlösende 1:0-Erfolg gegen den FC Zürich und nun ein 5:0-Triumph in der Königsklasse gegen Benfica Lissabon. Welch ein Steigerungslauf.

Eine Begründung für die ­Verwandlung hatte Wicky nicht: «Manchmal kann man den Fussball nicht erklären.» Der junge Cheftrainer nahm dann doch ­einen längeren Anlauf, der Basler Sache auf den Grund zu gehen: «Vorher war nicht alles schlecht. Aber es war eben auch nie alles gut, als wir gewonnen hatten. Deshalb ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren – in jeder Situation.» Den Ausrutscher in der Ostschweiz sieht Wicky in der Nachbetrachtung als wichtige Erfahrung. Sie hätten nach dem groben Fehltritt viele gute Gespräche ­geführt. «Wir rückten alle näher zusammen.»

Wicky überlässt Applaus seinen Spielern

«Es gibt Momente, in denen die Mannschaft spürt, was zu tun ist. Heute war so ein perfekter Abend», kommentierte der Walliser eine in der illustren Champions-League-Geschichte Basels beispiellose Vorstellung. Seinen eigenen Verdienst am Erfolg relativierte er: «Die Spieler müssen letztlich die Räume erkennen, die man ihnen aufzeigt.» Und doch könnte das 5:0 für Wicky eine Marke sein, die seine künftige Laufbahn als Coach nicht per se vereinfacht, aber doch erleichtern dürfte. Es sei schon hilfreich, «wenn die Spieler merken, dass es Hand und Fuss hat, was das Trainerteam ihnen erzählt».

Ganz anders sieht es bei Benfica Lissabon und seinem Trainer Rui Vitória aus. Die Ansprüche Benficas sind national wie international hoch. Vitória stand am Ende vor einem sportlichen Trümmerhaufen. Der zweifache Meister-Coach tat sich schwer, die schlimmste Niederlage seit dem 1:5 gegen Olympiakos Pi­räus vor neun Jahren richtig einzuordnen. «Wir haben sehr viele Fehler begangen, die uns eigentlich nicht passieren dürften», erklärte Vitória und schweifte danach etwas vom Thema ab: «Im Leben gibt es immer Hindernisse, die zu überwinden sind.»

Dimitri Oberlin entzückt ganz Basel

Kein grosses Hindernis stellte die portugiesische Abwehr indes für Dimitri Oberlin dar. Seinen 20. Geburtstag zelebrierte Oberlin auf eine Weise, die er wohl nie mehr vergessen wird: mit zwei Toren und zwei Assists. Der frühere Junior des FC Zürich prägte das Basler Schaulaufen in beeindruckender Manier. «Das nehme ich mit für meine Zukunft», sagte der Matchwinner nach seinem grandiosen Auftritt. Er wird hoffen, dass das (vorerst) leihweise Engagement beim Schweizer Branchenprimus für ihn bessere Perspektiven bereithält als die Salzburger Fussball-Filiale des Red-Bull-Imperiums, welche die Transferrechte an Oberlin hält, aber bislang nicht auf ihn setzte. Hinter ihm liegen Zwischenlösungen wie Liefering und Altach.

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten in Basel hat sich Oberlin mit dem 1:0 gegen Zürich und dank überzeugender Trainingsleistungen für eine Hauptrolle aufgedrängt. «Er ist ein Juwel, das allerdings noch geschliffen werden muss», sagt Trainer ­Wicky. Taktisch sei noch einiges zu verbessern. Er habe aber einen unheimlichen Zug aufs Tor.» Wenn Oberlin so weiterspielt, wird er deshalb auch bald schon ein Thema für Vladimir Petkovic.