AUFARBEITUNG: Auf das falsche Pferd gesetzt

Das gescheiterte Projekt des FC Wil mit den türkischen Investoren steht in enger Verbindung mit Abdullah Cila. Er hatte als Verwaltungsrat und operativer Leiter in der IGP-Arena das Sagen und führte den Club mit harter Hand.

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Waren 19 Monate lang die treibenden Kräfte beim FC Wil: Investor Mehmet Nazif Günal (links) und Verwaltungsrat Abdullah Cila. (Bild: Benjamin Manser)

Waren 19 Monate lang die treibenden Kräfte beim FC Wil: Investor Mehmet Nazif Günal (links) und Verwaltungsrat Abdullah Cila. (Bild: Benjamin Manser)

Während der 19-monatigen Wirkenszeit der türkischen Investoren hatten beim FC Wil zwei Personen das Sagen: Investor Mehmet Nazif Günal und im operativen Bereich dessen Statthalter und MNG-Verwaltungsrat Abdullah Cila. Günal setzte seinen Sohn Murathan Doruk als Präsidenten ein, ohne dass dieser je einen öffentlichen Auftritt gehabt hätte. Cila bekam alle Freiheiten und – wie es schien – finanziell keine Limiten. Darum gelang es ihm, grosse Namen in die Ostschweiz zu lotsen, darunter der ehemalige Nationalspieler Johan Vonlanthen, der Leader der Challenge-League-Torschützenliste Jocelyn Roux oder der verheissungsvolle Tessiner Mattia Bottani.

Trotzdem fällt der Leistungsausweis Cilas vernichtend aus. Trotz riesiger finanzieller Möglichkeiten war der FC Wil nur in einer kurzen Phase vor gut einem Jahr ein ernstzunehmender Aufstiegs- aspirant. Die Hinrunde dieser Saison war gar die zweitschlechteste der letzten fünf Jahre. Zu wenige Spieler schöpften ihr Potenzial aus. Die Verantwortung für die sportliche Mittelklassigkeit hat Cila zu tragen. Er war der starke Mann und fällte vor Ort alle wichtigen Entscheide – ohne Rücksicht auf Verluste.

Zuerst die Altstars, dann die Jugend

Bis zuletzt war allerdings kein Konzept zu erkennen. Wurde vor etwas mehr als einem Jahr auf Altstars wie André Santos oder Selçuk Sahin vertraut, so war im vergangenen Herbst plötzlich die Rede, der Club wolle auf junge Spieler setzen. Ein diametraler Paradigmenwechsel, der mit der Zielsetzung Aufstieg nicht vereinbar war. Diverse weitere Entscheide Cilas hinterliessen grosse Fragezeichen. Zum Beispiel die Sache mit Sportchef Roland Koch. Der Deutsche wurde im vergangenen Sommer eingestellt. Dessen Rolle bleib aber bis zuletzt unklar. Im Winter wurde der Vertrag bereits wieder aufgelöst. Oder die Sache mit der Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich. Urplötzlich sollte nicht mehr der FC St. Gallen Partner sein, sondern Schaffhausen oder Winterthur. Nun bleibt es beim FC St. Gallen. Hartnäckig hielten sich zudem Gerüchte, Cila hätte bei der Mannschaftsaufstellung und den Einwechslungen mitbestimmt. Höhepunkt war aber die Sache mit der fehlenden Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung. Über ein Jahr lang wirkte Cila ohne diese Papiere – und ohne sich um diese zu kümmern. Dafür betonte er wiederholt, die Investoren würden sich an die Schweizer Gesetze halten.

Wo Cila war, war immer auch Unruhe und Ungewissheit, weil jederzeit mit drastischen Massnahmen gerechnet werden musste. Die Basis für Erfolg war nicht gegeben. Wieso Günal so lange auf das offensichtlich falsche Pferd gesetzt hat und an Cila festhielt, weiss nur er.

Simon Dudle