FUSSBALL
St.Galler Nachwuchshoffnung Angelo Campos: Auf Weiterbildung beim kleinen Nachbarn Brühl

Weil er beim FC St.Gallen nur mehr trainieren, aber nicht auflaufen durfte, wählte er im Sommer den Neubeginn beim Stadtrivalen..

Johannes Kaufmann
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Angelo Campos (links) im Testspiel mit dem FC St.Gallen gegen den SC Freiburg am 29. August 2020.

Angelo Campos (links) im Testspiel mit dem FC St.Gallen gegen den SC Freiburg am 29. August 2020.

Bild: Ralph Ribi

Er spielt und trifft auf Leihbasis seit August in der drittklassigen Promotion League. Kein Zweifel, das hatte sich Angelo Campos Oliveira ein wenig anders vorgestellt mit dem professionellen Fussball und seiner Karriere beim FC St.Gallen in der Super League.

Acht Einsätze in der vorletzten Saison

Frisch ausgestattet mit einem Dreijahreskontrakt gab sich der 19-Jährige im vorsaisonalen Trainingslager 2019 in Bad Ragaz zwar zurückhaltend, aber doch voller Tatendrang. Und siehe da, der Neuling zählte unter Trainer Peter Zeidler sogleich zum Spielerstamm.

Acht Einsätze als Einwechselspieler in der vorletzten Spielzeit sind notiert für den agilen Angreifer. Doch die Entwicklung geriet alsbald ins Stocken. Den erst vom Ausbruch der Coronapandemie unsanft gestoppten Höhenflug im Kybun-Park erlebte Campos im günstigsten Fall auf der Ersatzbank, aber zumeist als überzähliger Spieler auf der Tribüne.

Er hoffte lange auf seine Chance

In der Spielzeit 2020/21 wurde alles noch schlimmer für den in Chur aufgewachsenen Portugiesen. Campos blickt auf «eine brutal schwierige Situation» zurück. Ein Wechsel auf Leihbasis stand zur Debatte. Doch Campos zögerte. Er sagt:

«Ich war noch nicht bereit für den Schritt. Ich hoffte auf meine Chance auf Einsätze in St.Gallen.»

Der Trainer habe ihn immer wieder ermuntert, im Training weiterzuarbeiten und sich anzubieten. Bloss: Die Chance zur Bewährung liess vergeblich auf sich warten. Im August wählte Campos definitiv den Notausgang. Er liess sich zum «kleinen» Stadtrivalen SC Brühl ausleihen.

Das Engagement ist vorerst bis zur Winterpause befristet. Der Schritt zurück in die drittklassige Promotion League zahlt sich aus. Campos fand im altehrwürdigen Paul-Grüninger-Stadion sofort seinen Platz in der Mannschaft. Und er tut auch wieder das, wofür er von Brühl transferiert wurde: Tore erzielen.

Vier Volltreffer gelangen ihm in sieben Einsätzen an neuer Wirkungsstätte. Ein solider Wert für den vormaligen Dauergast auf der Tribüne. Campos sagt:

«Ich habe den Spass am Fussball wiedergefunden. Das ist das Wichtigste.»

Probleme gibt es indes auch. Die Mannschaft von Trainer Denis Sonderegger steht nach elf Runden am Tabellenende.

Neubeurteilung im Winter

In der Winterpause wird Campos seine Lage zusammen mit allen involvierten Parteien aufs Neue beurteilen. Einer längeren Verweildauer beim SC Brühl ist er aber definitiv nicht abgeneigt. «Es geht in erster Linie um Spielpraxis. Und mit möglichst viel Einsatzzeit und natürlich Toren wird auch mein Selbstvertrauen wachsen», sagt Campos.

Er ist bereit, für seinen Verbleib im professionellen Fussball viel zu investieren. Neben den zumeist fünf Trainingseinheiten mit der Mannschaft pro Woche absolviert er Zusatzschichten vor allem auch im Kraftraum. Er wisse durch seine Erfahrungen in zwei Jahren im Fanionteam des FC St.Gallen genau, was im Trainingsalltag zu tun sei.

Noch lebt der Traum vom Fussballprofi. Im Sommer läuft der Kontrakt mit St.Gallen aus. Ziel ist ein neues Arbeitspapier bei einem Verein in der Super- oder der Challenge League. Er sagt:

«Ich traue mir den Durchbruch in der höchsten Spielklasse definitiv zu.»

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