Auf London 2012 eingestellt

Nach einem Kurzaufenthalt zu Hause beginnt für Giulia Steingruber heute in Magglingen wieder der Alltag. Am Samstag dürfte mit dem Weltcup in Glasgow der nächste Grossanlass folgen.

Urs Huwyler
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Eine Etappe auf dem Weg nach London: Giulia Steingruber an der EM in Berlin. (Bild: epa/Jan Woitas)

Eine Etappe auf dem Weg nach London: Giulia Steingruber an der EM in Berlin. (Bild: epa/Jan Woitas)

Turnen. Die EM-Dritte Ariella Kaeslin wies in Berlin darauf hin, die EM sei ein weiterer Schritt auf dem Weg an die Olympischen Spiele nach London 2012. «Das gilt auch für mich. Das Fernziel bleibt Olympia. Alles ist darauf ausgerichtet. Auch die WM Mitte Oktober in Tokio», sagte Giulia Steingruber. Seit ihren EM-Resultaten gilt die 17jährige Gossauerin neben Teamleaderin Kaeslin als erste Anwärterin auf die Teilnahme in London. «Aber ich muss den Schwierigkeitsgrad an allen Geräten weiter erhöhen.»

Zu schnell angelaufen

In ihrer derzeitigen Paradedisziplin gilt es beim ersten Sprung nur Details zu verbessern. Oxana Tschussowitina, die Erfinderin des gleichnamigen Sprungs und Zweite von Berlin, sprach davon, Steingruber springe den Sprung besser als sie selbst. Der «Tsukahara» soll erschwert werden, so dass selbst an der WM die Finalteilnahme möglich sein müsste. «Ihr gehört die Zukunft», sagte Trainer Zoltan Jordanov über Steingruber, die bei der Ankunft auf dem Flughafen Kloten nochmals schmerzlich an die verpasste Medaille erinnert wurde, als sie mit Kaeslin posieren durfte. Jordanov wies darauf hin, Steingruber habe in ihrem ersten EM-Final den Preis für ihre Unerfahrenheit bezahlt. «Ich sagte mir: Jetzt voll drauf los. Doch Anlauf und Timing stimmten nicht mehr, weil ich zu schnell anlief», so die EM-Sechste. «Mit der Nervosität hatte ich kein Problem. Ich kann abschalten und die Zuschauer ausblenden», sagte die Turnerin des TZ Fürstenland und TV Gossau.

Noch mehr Potenzial

Kritisch begutachtet wurde intern die Bodenübung. Die Choreographie passe nicht zum Typ Steingruber, wurde bemängelt. «Für mich ist es schwierig, das zu beurteilen. Ich sehe die einzelnen Elemente, aber nicht, wie die Kombinationen wirken», sagte Steingruber. Bisher nicht auf höchstem Niveau turnt die neue Schweizer Hoffnungsträgerin am Balken. Deshalb kam der zehnte Rang im Mehrkampf eher unerwartet. «Ich gehe insgesamt davon aus, dass ich mein Potenzial noch nicht ausgeschöpft habe.»

Während der vergangenen vier Monate legte Steingruber in jeder Beziehung zu. Sie wirkt kräftiger, dynamischer und selbstbewusster. An der Pressekonferenz vor dem Swiss Cup in Zürich Anfang November 2010 wirkte die St. Gallerin neben Kaeslin wie die sympathische Turnerin von nebenan, nun steht eine selbstsichere Klasseturnerin neben der Luzernerin. «Anfangs war das Interesse an meiner Person ungewohnt. Alles ging ziemlich schnell. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt», so Steingruber. Jordanov bereitet die Ostschweizerin in Magglingen ab heute auf die nächsten Aufgaben vor. Voraussichtlich wird sie am Wochenende bereits wieder am Weltcup in Glasgow starten.

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