Auf Hussein folgen neue Talente

LEICHTATHLETIK. Leichtathletik ist eine Thurgauer Domäne. Trainer Werner Dietrich und die Ausbildung an der Nationalen Elitesportschule machen es möglich, dass auch nach Kariem Hussein die Talente Spitzenleistungen erbringen werden.

Kurt Peter
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Er hat es bereits geschafft: Der Tägerwiler Kariem Hussein hat international grossen Erfolg. (Bild: ap/Petr David Josek)

Er hat es bereits geschafft: Der Tägerwiler Kariem Hussein hat international grossen Erfolg. (Bild: ap/Petr David Josek)

Jasmin Giger aus Romanshorn ist 15 Jahre alt und besucht seit drei Jahren die Nationale Elitesportschule in Kreuzlingen. In diesem Jahr hat sie über 600 Meter nicht nur einen neuen Schweizer Rekord aufgestellt und drei nationale Titel geholt, sondern auch das prestigeträchtige «Mille Gruyère» gewonnen. Die 20jährige Speerwerferin Salina Fässler aus Amriswil holte sich Silber an den Schweizer Meisterschaften der Aktiven und an der U23-Meisterschaft. Zweimal Gold gab es für Luca Marticke, 16 Jahre, an der Schweizer Meisterschaft über 110 und 300 Meter Hürden.

Drei Thurgauer Talente, die von Werner Dietrich entdeckt wurden und unter seiner Leitung trainieren. Und drei Thurgauer Talente, die eng mit der Nationalen Elitesportschule (NET) oder dem Sport-KV in Kreuzlingen verbunden sind. Die Ziele der drei jugendlichen Leichtathleten sind hoch gesteckt und führen an die Olympischen Spiele, je nach Alter bereits 2016 oder dann vier Jahre später. Sie schätzen das Umfeld der Schule, die Lernen und Sport optimal unter einen Hut bringt.

Talente und ihr Trainer: Salina Fässler, Jasmin Giger, Werner Dietrich und Luca Marticke. (Bild: Kurt Peter)

Talente und ihr Trainer: Salina Fässler, Jasmin Giger, Werner Dietrich und Luca Marticke. (Bild: Kurt Peter)

Mit Disziplin zum Erfolg

Für Werner Dietrich ist die NET eine «Sportschule, wie sie es sein muss. Mit Rundum-Betreuung und einem ganzheitlichen Angebot». Sein Aufwand ist immens, in 54 Stunden pro Woche trainiert er derzeit 24 Leichtathletik-Talente. Trainiert wird im Sommer auf dem nahegelegenen Sportplatz Burgerfeld, im Winter geht es nach Frauenfeld, St. Gallen und Dornbirn – Städte, welche die Anforderungen erfüllen können. Wohl sind die Erfolge zahlreich, dennoch sieht Dietrich, dass «die Leichtathletik viel an Popularität eingebüsst hat».

Die Wettkämpfe seien zeitaufwendig, mindestens ein ganzer Tag müsse jeweils investiert werden. Für die Zuschauer werde das, in Anbetracht der vielen Vor- und Zwischenläufe, oft langweilig. So dass die Besucherzahlen nicht mehr so hoch seien. Daneben gebe es auch ein riesiges Angebot an anderen Sportarten. Auch deshalb zeigt er Bewunderung für seine Talente: «Sie bringen eine grosse Disziplin auf und arbeiten sehr zielorientiert.»

Jahrgang 2003 ist wieder stark

Dass viele starke Leichtathletik-Talente aus dem Thurgau kommen, macht der Trainer aber nicht an den Vereinen fest. Amriswil Athletics, der LC Frauenfeld und die LAR Tägerwilen sind die wenigen, die im Leichtathletik-Bereich derzeit noch gute Arbeit leisteten. Und der Blick in die nahe Zukunft ist für ihn getrübt. Denn nach den jetzt starken Athletinnen und Athleten sieht er im Moment keinen Nachwuchs. «Es kommt nichts nach, erst ab dem Jahrgang 2003 habe ich wieder Talente ausgemacht.»

Für ihn bleibt der grosse Trost, dass fast alle seine Schützlinge den Sprung in nationale und internationale Meetings schaffen. Sein Erfolgsrezept heisst «Gruppendynamik». Es gibt kein Einzeltraining, die Leistung der anderen Sportler ist die Motivation, noch besser zu werden. Und trotzdem: «Das Lernen steht immer an erster Stelle.» So hofft er, dass der geplante Kreuzlinger Schulcampus, in dem neben Sportschule auch Internationale Schule und Sport-KV unter einem Dach zusammengefasst werden sollen, bald realisiert werden kann. Die NET und die Internationale Schule Kreuzlingen-Konstanz leiden schon seit Jahren unter Raumnot. Mit diesem Schulcampus soll das Problem zusammen mit der Sport-KV gelöst werden. Ende November soll die Kreuzlinger Stadtbildkommission über das vorgelegte Projekt entscheiden. Ziel sei es, das Baugesuch so schnell wie möglich aufzulegen, erklärt Reto Ammann, Verwaltungsratspräsident der NET.

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