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Auf einen Abend mit Otto Frei

«Bis sich Nacht in die Augen senkt», die neu edierte Pentalogie des NZZ-Redaktors und Autors Otto Frei, kommt als Szenenfolge auf die Bühne. Und im Januar auch nach Steckborn, Otto Freis Geburtsort.
Brigitte Elsner-Heller
Säugling mit Vater: Oliver Daume (Otto Frei) und Daniel Ludwig. (Bild: Manfred Utzinger)

Säugling mit Vater: Oliver Daume (Otto Frei) und Daniel Ludwig. (Bild: Manfred Utzinger)

GOTTLIEBEN. «Ich beuge mich über ihn, rüttle ihn, ich rufe <Vater>, er regt sich nicht.» So hat Otto Frei (1924–2000) den Tod seines Vaters in «Jugend am Ufer» beschrieben, dem ersten Band seiner Steckborner Pentalogie. In ihm hat er die sanfte Version seiner Erinnerungen vorgelegt. Frei, langjähriger Redaktor der NZZ, mischte sie mit Fiktion, als er ab 1973 seine Romanfolge schrieb. Zentral waren das eigene Ich und die starke Person des Vaters – eine lebenslange Auseinandersetzung. «Der Tod des Vaters wird in den Bänden immer wieder anders erzählt», sagt Charles Linsmayer, der die Pentalogie unter dem Titel «Bis sich Nacht in die Augen senkt» bei Huber neu herausgegeben hat. Im letzten veröffentlichten Band, «Rebell» (1987), habe Frei den Vater sogar mit einer Schaufel erschlagen.

«Ein Urvieh von Mann»

Linsmayer hat sich intensiv auf Otto Frei eingelassen, der 1924 in Steckborn als Sohn eines Holzhändlers geboren wurde. Und aus der Pentalogie hat er eine exemplarische Szenenfolge entwickelt, die mit den Schauspielern Oliver Daume (Otto Frei) und Daniel Ludwig (Vater) auf die Bühne kommt.

Ein Bursche mit Schleuder und kurzen Hosen hüpft auf die Bühne, streng, aber auch fürsorglich beäugt von einem Stumpen rauchenden Vater. Der kann dem Sohn die Welt noch erklären. Der Wald? Na klar, gehört der dem Vater, «wem denn sonst»?

Daume streift die kurzen Hosen ab, Stühle werden zusammengeschoben, und schon liegt Baby Otto in der Wiege. Seine Schreie bewirken etwas, der Säugling fühlt sich allmächtig. Doch es gibt den anderen Mächtigen: Der Vater tritt an die Wiege, riecht nach Moschus. «Er muss ein Urvieh von Mann sein», formuliert Otto Frei in dieser fiktionalen Episode.

«Hast kein Recht auf ein Grab»

Charles Linsmayer schaltet sich in Zwischentexten ordnend ein, berichtet vom assoziativen Aufbau der Romane. Vater und Sohn leben zusehends in unterschiedlichen Welten. Otto studiert Germanistik und Geschichte, dient dem Vater aber immer noch als Sekretär und Buchhalter. «Meine Holzhandlung finanziert deine Wissenschaft», macht der Vater ihm aber deutlich klar. Daume und Ludwig lassen diese Lehr- und Wanderjahre auf der Bühne aufleben. Das ist spröde und doch kurzweilig. Sie zeigen uns einen Vater, dessen Kräfte schwinden, der aber nicht bereit ist, dem Sohn Anerkennung zu geben. Aber es gibt noch etwas, das schwerer wiegen könnte: Ging der jugendliche Protest des Sohnes auch so weit, dass er der Ideologie Hitlers Sympathien entgegenbrachte? Auf der Bühne entfacht sich ein Kampf, es fällt der Satz «Du hast kein Recht auf ein Grab.» Hier schafft Frei archaische Mythen.

Otto Frei stellt sich seinem Erleben erst in fortgeschrittenem Alter – literarisches Schreiben wird ihm nach dem journalistischen zum Härtetest der Selbstvergewisserung. Die Szenenfolge endet wiederum in sanftem Licht, mit der Nähe zum früh verstorbenen Bruder und seiner Liebe zur Landschaft am Untersee. Ein Abschied ist das: «Durch das Herz zieht ein Schauer von Wonne und Weh, bis sich Nacht in die Augen senkt.»

Sa, 25.1., 20 Uhr, Phönix-Theater, Steckborn. Interview bit.ly/1cFBHxY

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