Auf die Beine kommen

Der FC St. Gallen befindet sich vor richtungsweisenden Tagen. Heute ab 17.45 Uhr gastiert er bei Tabellennachbar Thun, am Mittwoch bestreitet er den Cup-Halbfinal gegen Basel. Innenverteidiger Nisso Kapiloto sagt: «Die Kraft ist zurück.»

Patricia Loher
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FUSSBALL. Nisso Kapiloto weiss, was in Thun auf dem Spiel steht. Seit neun Monaten ist der Israeli in der Schweiz. Die Mentalität ist anders, das Wetter schlechter, aber die Mechanismen im Fussball sind überall dieselben. Die Niederlage in Sitten und das enttäuschend diskussionslose 1:3 bei Aufsteiger Vaduz entfachten in St. Gallen vor der Länderspielpause Unruhe. Das Team steht nach bloss einem Sieg in sieben Partien der Rückrunde in der Kritik. Kapiloto aber sagt: «Gewinnen wir heute, ist alles wieder gut.» Mit einem Sieg können die Ostschweizer Thun von Rang vier verdrängen, der Ende Saison zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Allerdings kennen sie in St. Gallen die Statistik nur allzu genau: Die vergangenen vier Partien in Thun gingen alle verloren. Seit dem Umzug der Thuner ins neue Stadion 2011 gewann St. Gallen bloss das erste Spiel am 18. August 2012.

Schwierige Anfangsphase

«Nach dem Unterbruch ist die Kraft wieder zurück. Vor der Länderspielpause absolvierten wir innerhalb von 14 Tagen fünf Partien. Wir waren müde», sagt Kapiloto und fügt an: «Nun befinden wir uns vor wichtigen Tagen.» In Thun geht es um Rang vier, am nächsten Mittwoch gegen Basel um den Einzug in den Cupfinal, heute in einer Woche gastieren die zweitklassierten Young Boys in der AFG Arena. St. Gallen will rechtzeitig wieder auf die Beine kommen.

Kapiloto wird heute erstmals seit dem 1:1 zu Hause gegen die Grasshoppers Anfang März wieder von Beginn weg zum Einsatz kommen. Für den 26jährigen Innenverteidiger, der im Juni von Beitar Jerusalem nach St. Gallen wechselte, wäre es erst das achte Spiel in der Startformation. Im August warf ihn eine Handverletzung zurück. Als er wieder einsatzfähig war, gab es keinen Grund, die Mannschaft zu verändern, weil sie mehrheitlich gut auftrat. Zuletzt, als St. Gallens Defensive schwächelte, wurde Kapiloto krank. Nun aber soll er mithelfen, St. Gallens Abwehr zu stabilisieren. Die Ostschweizer haben unterdessen schon gleich viele Gegentore kassiert wie das letztklassierte Aarau.

Das Profil eines Leaders

Trainer Jeff Saibene sagt, Kapiloto habe grosse Qualitäten im Spielaufbau. Zudem traue er ihm zu, in eine Leaderrolle wachsen zu können. «Er versucht zu dirigieren und viel zu reden. Kapiloto bringt das Profil eines Leaders mit.» Obwohl St. Gallen derzeit einen solchen Leader vermisst, einen Spieler, der die Mannschaft auf dem Feld zusammenhält und führt, will der Trainer seinem Verteidiger diese Rolle im Moment nicht aufbürden. Noch sei er zu wenig lange in St. Gallen und müsse zuerst die Sprache lernen, sagt Saibene. Kapiloto besucht dreimal in der Woche einen Deutschkurs.

Mit seiner Frau und der siebenmonatigen Tochter Laureen wohnt der Verteidiger in Herisau. Nebst der sportlichen Herausforderung – «die Schweizer Liga ist zwei Stufen besser als die israelische» – musste er sich auch an die Ruhe in der Schweiz gewöhnen. Kapiloto ist nur zehn Minuten ausserhalb von Tel Aviv aufgewachsen, wo seine Eltern und sein Bruder noch immer leben. Im Moment sind sie zu Besuch, es ist für Kapilotos Familie der zweite Aufenthalt in der Ostschweiz. «Nun aber werden sie mich erstmals auch spielen sehen», sagt er.

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