Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Selina Büchel und Mujinga Kambundji sind auf der Suche nach Neuland

Bringen neue Trainer neue Erfolge? 800-m-Läuferin Selina Büchel und Sprinterin Mujinga Kambundji hoffen es. Doch die Geschichten der beiden Neustarts unterscheiden sich stark.
Ralf Streule
Selina Büchel vor ihrem Start an der Hallen-Schweizer-Meisterschaft im vergangenen Februar. (Bilder: Urs Bucher)

Selina Büchel vor ihrem Start an der Hallen-Schweizer-Meisterschaft im vergangenen Februar. (Bilder: Urs Bucher)

Der Saisonhöhepunkt in der Leichtathletik liegt noch in weiter Ferne. Die WM in Doha wird erst ab Ende September ausgetragen, wenn die Sonne in Katar etwas weniger stark vom Himmel brennt als im August. «Als ich seinerzeit vom späten Termin hörte, meinte ich, es sei ein Witz», sagte Selina Büchel kürzlich an einem Medientreffen. Unterdessen kommt ihr der späte Zeitpunkt aber nicht ungelegen, wie sie sagt. Die Toggenburger 800-m-Läuferin beginnt ihre Sommer-Wettkampfsaison aufgrund der späten WM erst in drei Wochen im belgischen Oordegem – was ihr wertvolle Zeit einbringt. Hinter ihr liegt ein Trainerwechsel. Und ein solcher braucht Zeit, um seine Wirkung zu entfalten.

Ähnlich geht es der Berner Sprinterin Mujinga Kambundji. Auch sie hat einen Trainerwechsel hinter sich. Und auch sie ist froh um die «Extrazeit», sie startet erst im Juni in die Saison. Beide Athletinnen setzen grosse Hoffnungen in ihre neuen Trainer. Und in frische Impulse, die sich möglichst bis zur WM in Resultate auswirken sollen.

Büchel: «Hatte Komfortzone nicht mehr verlassen»

Büchel war im Herbst über die Bücher gegangen. Die Saison hatte ihr zwar einen EM-Final eingebracht. Was die Laufzeiten anging, konnte sie aber nicht zufrieden sein. «Es waren vor allem gesundheitliche Probleme, die mich bremsten.» Das Asthma machte ihr mehr zu schaffen als zuvor. Büchel war sich aber bewusst, dass die Atemprobleme auch mentale Ursachen hatten. «Ich hatte die Saison quasi versaut. Im Herbst habe ich sehr viel nachgedacht. Befasste mich stark mit mentalem Training. Ich spürte, dass ich weiterhin sehr viel Freude an meinem Sport habe und wusste: In vielerlei Hinsicht bin ich die bessere Athletin als noch vor einigen Jahren.» Büchel spürte aber auch: Sie musste etwas verändern. «Ich brauchte neue Reize.» Mit Urs und Marlis Göldi, ihren Jugendtrainern, habe sie die beste Unterstützung gehabt, die sie sich vorstellen könne. Doch sie habe die Komfortzone nicht mehr verlassen. «Ich kannte die Trainings auswendig.» Der Antrieb, etwas zu ändern, sei sogar von Göldi selbst gekommen. «Schweren Herzens trennten wir uns.»

Seit diesem Winter trainiert Selina Büchel mit Louis Heyer, dem Lauf-Cheftrainer von Swiss Athletics. Für die 27-Jährige bedeutet dies, dass sie für die Trainings zwischen Biel, Magglingen und der Ostschweiz hin und her pendelt. In Sachen Kraftaufbau arbeitet Büchel in St. Gallen mit Christian Gutgsell, dem Trainer der Sprinterinnengruppe um Sarah Atcho und Salomé Kora. Für Büchel war es wichtig, in der Schweiz bleiben zu können. Sie wollte sich nicht einem internationalen Trainingsteam anschliessen, wie es andere Spitzenathletinnen tun. «Ich bin zu sehr verwurzelt in der Schweiz.» Und: Sie wollte als Ausgleich wieder als Raumplanungszeichnerin arbeiten, was sie seit diesem Winter in einem Zehnstunden-Pensum tut.

Mujinga Kambundji winkt dem Publikum zu.

Mujinga Kambundji winkt dem Publikum zu.

Kambundji hofft auf Stabilität im Trainerumfeld

Internationaler ist Büchels Umfeld dennoch geworden. In Trainingslagern in St. Moritz oder Tenero kommt sie mit anderen Mittelstreckenläuferinnen wie mit der Zypriotin Natalia Evangelido in Kontakt. Es sind Kontakte, die sie dem Netzwerk ihres neuen Trainers zu verdanken hat. Büchel bewertet ihren Wechsel nicht nur deshalb positiv. Wie erhofft erhalte sie neue Trainingsideen. Zudem habe sie am Laufstil gearbeitet, konzentriere sich stärker als bisher auf das Laufen aus dem Fussgelenk heraus. Die Atemprobleme habe sie derzeit unter Kontrolle. «Ich hoffe, ich komme wieder an meine Bestzeiten von 2015 heran.»

Den Misserfolg an der Hallen-EM von Anfang März in Glasgow, als sie im Halbfinal scheiterte, nimmt sie gelassen. «Ich machte taktische Fehler. Mit meiner Form steht dies nicht im Zusammenhang.»

Während Büchel erstmals in ihrer Karriere Trainer-Neuland suchte, hat Mujinga Kambundji eine wahre Coach-Odyssee hinter sich. Im Herbst 2017 hatte die Sprinterin die langjährige Zusammenarbeit mit dem deutschen Trainer Valerij Bauer beendet. Nach Übergangslösungen schloss sie sich 2018 dem US-Amerikaner Rana Reider an. Reider war aber vertraglich ans holländische Team gebunden – und damit an Kambundjis Konkurrentin Dafne Schippers. Das erschwerte die Zusammenarbeit. Kambundji machte sich wieder auf die Suche. Seit vergangenem Herbst heisst ihr Trainer Steve Fudge. Der ehemalige Sprintcoach des britischen Teams arbeitet unabhängig und betreut Athletinnen wie die Britin Asha Philipp.

Kambundji hofft nun auf Stabilität im Trainingsumfeld. Improvisiert wirkt ihre Situation aber noch immer. Die Bernerin absolviert Trainingsblöcke bei Fudge in London. Dazwischen trainiert sie in Liebefeld und im Wankdorf, oft alleine. Videoaufnahmen ihrer Technikeinheiten sendet sie ihrem Trainer nach London. Das Krafttraining absolviert sie weiter unter dem früheren Nationaltrainer Adrian Rothenbühler in der Schweiz.

Angesichts der Trainer-Odyssee überrascht Kambundjis starke Saison 2018, in der sie Schweizer Rekord über 100 m lief und an der Hallen-WM über 60 m Bronze holte. Umso mehr hofft sie, dass sie unter Fudge nun einen weiteren Schritt machen kann. Die ersten Monate der Zusammenarbeit stimmten sie positiv, sagt die Bernerin. Vor allem in der «fliegenden Phase», jener Phase im zweiten Teil eines Sprints, habe sie von Fudge schon stark profitieren können. Zwar konnte sie dies an der Hallen-EM in Glasgow noch nicht zeigen, der Auftritt misslang. Der Aufbau in Richtung WM stimme aber.

Spätestens zum späten Saisonhöhepunkt in Doha wollen Kambundji und Büchel bereit sein und die neuen Impulse in Resultate ummünzen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.