Auf der Skipiste wirken bei Hobbyfahrern ähnliche Kräfte wie bei Wendy Holdener

Die Belastungen auf der Skipiste sind bei Hobbyskifahrern ähnlich wie bei den Profis. Jährlich verletzen sich gemäss Suva knapp 33'000 Arbeitnehmende im In- und Ausland.

Claudio Zanini
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Skifahren ist einfacher geworden. Und zwar bedeutend. Denn der Schneesport hat sich in den vergangenen 20 Jahren grundlegend verändert. Das hängt auch mit der Rocker-Technologie zusammen. Sie wurde nach der Jahrtausendwende zuerst im Freeride-Bereich eingesetzt, später für Pistenski. Die Schaufel und das Ende sind dabei nach oben gebogen, die effektive Kantenlänge ist kürzer.

Grundsätzlich eine wunderbare Sache für Hobbysportler: Schwünge einzuleiten wurde leichter, der Ski verlangt vom Fahrer weniger Kraft, und er verzeiht viel mehr Fehler.

Doch die Kombination von Rocker und immer besser präparierten Pisten hatte zur Folge, dass Skifahrer – ob austrainiert oder untrainiert – noch schneller wurden. «Man überfordert sich physisch eher als früher», sagt Samuli Aegerter, der Kampagnenleiter Schneesport bei der Suva.

Wo sich Menschen körperlich zu viel zumuten, steigt das Unfallrisiko. Jährlich verletzen sich knapp 33'000 Arbeitnehmende auf Pisten im In- und Ausland. Diese Zahl war in den vergangenen Jahren stabil. Für die Versicherer kostet das viel Geld. Die Kosten für Schneesportunfälle belaufen sich auf 291 Millionen Franken pro Jahr.

Höhere Tempi bringen höhere Kräfte mit sich. Das widerspiegle sich in der Art der Verletzungen, sagt Samuli Aegerter. «Es gibt öfters Mehrfachverletzungen und mehr Knochenbrüche.» Am meisten Unfälle passieren um 11 und 15 Uhr. «Das hängt vor allem damit zusammen, dass sich dann am meisten Leute auf der Piste befinden und der Körper zu diesem Zeitpunkt bereits etwas ermüdet», sagt Aegerter.

Wer Ski fährt, rutscht kaum auf einer Treppe aus

In der Schweiz rechnet man mit 2,5 Millionen Skifahrern und Snowboardern. Die Menschen von der Piste zu bringen, ist nicht die Absicht der Suva. «Wer einen Schneesport ausübt, verbessert generell seine Gleichgewichtsfähigkeiten – auch auf schwieriger Unterlage», sagt Aegerter. Zugespitzt formuliert: Wer mit einem Sportgerät auf Schnee fahren kann, rutscht kaum auf einer vereisten Treppe aus.

Auf diesen Winter lancierte die Suva die App namens «Slope Track», mit der Skifahrer ihre Fahrt aufzeichnen lassen können. Nach der Fahrt kann auf dem Smartphone abgelesen werden, wie hoch die Belastungen waren, die auf den Körper einwirkten.

Die eigenen Werte werden schliesslich mit denen von Weltmeisterin Wendy Holdener verglichen. Messungen der Suva haben gezeigt, dass sich die G-Kräfte bei Profi und Amateur in einer ähnlichen Grössenordnung befinden.

Es kann sein, dass einem die virtuelle Wendy Holdener nach dem Vergleich sagt: «Ich trainiere dafür etwa vier Stunden pro Woche die Rumpf- und Beinmuskulatur.» Dem einen oder anderen dürfte der Vergleich zu denken geben. Wer das Missverhältnis zwischen Belastung und Training ausbügeln will, dem zeigt die App, mit welchen Übungen dies getan werden kann. Für weniger Fitnessbegeisterte gibt es Tipps, wie die körperliche Belastung verringert werden kann.