Auf der Lieblingsstrecke

An der WM in Limburg startet Michael Albasini in Abwesenheit von Fabian Cancellara im morgigen Strassenrennen als Schweizer Captain. Ob die Teamkollegen für ihn arbeiten müssen, entscheidet der 32-Jährige während des Wettkampfs.

Urs Huwyler
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«Wir Schweizer sind Aussenseiter»: Michael Albasini vor dem WM-Strassenrennen. (Bild: epa/Nicolas Bouvy)

«Wir Schweizer sind Aussenseiter»: Michael Albasini vor dem WM-Strassenrennen. (Bild: epa/Nicolas Bouvy)

RAD. Das Gold Race in der holländischen Provinz Limburg gehört zu den Frühjahrsklassikern. Michael Albasini zählt die 256 Kilometer lange Eintagesprüfung zu seinen Lieblingsrennen. Auf dieser Strecke findet in diesem Jahr die Strassen-WM statt. Der Cauberg in Valkenburg lässt sich in Bezug auf die Bedeutung mit dem Ziel-S am Lauberhorn oder dem Steilhang in Kitzbühel vergleichen. Im Gegensatz zum Gold Race befindet sich das Ziel nicht auf, sondern 1300 Meter nach dem Cauberg. «Von der Topographie her liegt mir die Strecke mit den vielen kurzen Aufstiegen», so der 2012 erfolgreichste Schweizer Radprofi. Zuerst stehen 100 km «Warmfahren» durch die Region, anschliessend zehn Runden à 16,1 km auf dem Programm.

Wie in London?

Zum fünftenmal wird eine WM in Valkenburg/Limburg entschieden. Bei der letzten Austragung gewann Oscar Camenzind 1998 Gold. «Wir Schweizer sind Aussenseiter», sagt Albasini, der in Abwesenheit von Fabian Cancellara und Martin Elmiger als Captain gesetzt wird. Es könnte sich also ein Rennen wie an den Olympischen Spielen in London entwickeln: Steve Morabito, Grégory Rast, Michael Schär, Oliver Zaugg und Mathias Frank fahren für den Ostschweizer, der sich möglichst lange kräftesparend im Windschatten aufhalten soll. «Über die effektive Taktik wird der Rennverlauf entscheiden. Wir müssen in den jeweiligen Fluchtgruppen dabei sein. Der Rest ergibt sich», so Albasini.

Neuer Formaufbau

Ob der Thurgauer eine Hauptrolle spielen kann, hängt von seinem Formstand ab. «Die Saison ist mit rund neunzig Renntagen lang. Nach den Olympischen Spielen geriet ich in ein Loch, brachte in San Sebastian nichts zustande. Zuletzt in Kanada lief es von Tag zu Tag etwas besser, obwohl die Spitzenresultate ausblieben», sagt der 32jährige Gewinner der Tour-de-Suisse-Etappe nach Arosa und der Katalonien-Rundfahrt. «Während der vergangenen Tage habe ich einen weiteren Formaufbau versucht, aber ich spüre eine gewisse Müdigkeit. Ich hoffe, dass die Energie für die WM reicht», sagt Albasini. Dass die Distanz mit 260 km überdurchschnittlich lang ist, kommt dem in Gais wohnhaften Thurgauer aus Lanterswil kaum entgegen. «Sollte ich die Captain-Rolle nicht wahrnehmen können, weil die Kraft fehlt und die Beine nicht mitspielen, werde ich reagieren und die Leaderposition freigeben, damit jeder seine eigene Chance wahrnehmen kann. Dies gebietet mir die sportliche Fairness.» Was nicht bedeute, der Wille für einen weiteren Exploit fehle. Losfahren wird Albasini als Chef des Sextetts, und sich entsprechend verhalten. Der Start erfolgt morgen um 10.45 Uhr in Maastricht.

Hohl am Start

Heute um 14.30 Uhr startet die Schweizer Meisterin Jennifer Hohl aus Marbach an der WM mit der Thurgauerin Patricia Schwager und Doris Schweizer im 129 km langen Frauenrennen. Die 26jährige Rheintalerin Hohl, die seit 2006 als Berufsfahrerin unterwegs ist, war in den vergangenen drei Jahren an jeder WM dabei und leistete stets Helferarbeit. Im Gegensatz zu 2008 in Peking, wo sie das Rennen aufgeben musste, wurde in diesem Sommer keine Schweizer Fahrerin für die Olympischen Spiele in London selektioniert.