Auf den Erfolg getrimmt

Morgen trägt die Schweiz um 20.45 Uhr ihr vorentscheidendes EM-Qualifikationsspiel um den zweiten Gruppenrang gegen Slowenien aus. Trainer Vladimir Petkovic setzt auf bewährte Spieler, die das geforderte Selbstverständnis leben.

Christian Brägger
Merken
Drucken
Teilen

FUSSBALL. Pause. Die Schweizer Nationalspieler hören den Ausführungen von Trainer Vladimir Petkovic zu. Ein neues Kommando, wieder herrscht Bewegung. Zum Schluss ein munteres Spielchen, zehn gegen zehn, einfach so zum Spass. Wahrscheinlich ist das aber der falsche Eindruck; in diesen Trainingstagen in Freienbach geht es um die zwei freien Plätze in der Startformation für die Aufgabe gegen Slowenien, die die Schweiz morgen in Basel ab 20.45 Uhr lösen muss, will sie Gruppenzweiter bleiben. Irgendwann erzielt Xherdan Shaqiri den einzigen Treffer. Natürlich er, denkt man. Das Tor wird gefeiert, mittendrin steht Stephan Lichtsteiner, der Routinier.

Der stellvertretende Captain der Nationalmannschaft hat viel gesehen in seinem Fussballerleben, gerade in den 75 Länderspielen. Er gehört hier zum Inventar, seit 2006 und Trainer Köbi Kuhn ist das so. Als Eckpfeiler ist er unbestritten. «Wir haben den Druck, das Heimspiel gegen Slowenien zu gewinnen. Wir müssen aufpassen. Es kann immer etwas passieren», sagt der 31-Jährige. Slowenien werde ein guter Test, und man werde nun sehen, ob die Schweiz wirklich Fortschritte erzielt habe.

«Stehen in der Pflicht»

Lichtsteiner ist mit zwei Niederlagen zum Meisterschaftsauftakt ins Trainingscamp angereist. «Wir haben mit Juventus vier Jahre lang in der Serie A alles dominiert. Jetzt haben wir zweimal verloren und schon ist die Hölle los.» Der Verteidiger wirkt entspannt, wenn er das sagt, er ist Profi. Der Club ist weit weg, der Fokus in diesen Tagen ein anderer, die Schweiz. Andere Spieler sind mit ihren Vereinen ebenfalls nicht gut gestartet: Granit Xhaka mit Gladbach, Shaqiri mit Stoke.

«Das spielt alles keine Rolle. Wir haben etwas gut zu machen nach dem 2:1-Sieg in Litauen. Wir können das besser.» Lichtsteiners Aussagen erscheinen – mit Blick auf das erste Amtsjahr Petkovics – unter dem Stern, der das neue, vom Trainer propagierte Selbstverständnis ausstrahlt. «Wir haben die Verantwortung gegenüber dem Land und gegenüber uns, an die EM-Endrunde zu fahren.»

Die Mannschaft ist heute qualitativ besser besetzt als früher, tendenzielle Ersatzspieler wie Valentin Stocker oder Fabian Lustenberger sind in der Bundesliga etabliert. Seit Lichtsteiners Anfängen ist zudem die Alters-Schere unter der Spielern kleiner geworden. Zwischen dem 18jährigen Breel Embolo, dem Jüngsten, und ihm, dem Ältesten, liegen 13 Jahre. Auch der Umgang untereinander hat sich in all der Zeit verändert. Respekt müsse aber immer vorhanden sein, sagt Lichtsteiner. «Wir probieren mit gutem Beispiel voranzugehen, aber wir unterdrücken die Jungen nie. Früher war das wohl anders.»

Ricardo Rodriguez, der Vorgänger Lichtsteiners als Schweizer Fussballer des Jahres, verkörpert im Spiel besonders mit seiner Ruhe das neue Selbstbewusstsein. Die beiden bilden gemeinsam ein Aussenverteidiger-Duo, um das die Schweiz viele Gegner beneiden. Auch wenn Rodriguez erst 23jährig ist, er ist in der Bundesliga für Wolfsburg unentbehrlich und spürt, dass sein Stellenwert nach 30 Länderspielen ebenfalls für die Schweiz hoch ist. Der Spieler sagt, dass dieses Team viel erreichen könne, auch grosse Siege. «Aber ich kann nicht garantieren, dass das immer klappt. Es sind viele Faktoren, die mitspielen.»

Fixstarter Seferovic

Gegen die Slowenen ist ebenfalls der lauffreudige Haris Seferovic Fixstarter. Der 23-Jährige erarbeitet sich oft Torchancen, das spricht für ihn, dass er diese bisweilen fahrlässig vergibt, weniger. Er sagt, der frühere Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld sei nicht so streng gewesen wie Petkovic, der dafür mehr rede. Ein Jahr ist Petkovic nun da, und morgen wollen sie alle den Sieg.