Auch in der Promotion League und in der 1. Liga – die Mehrheit der Fussballclubs will den Saisonabbruch

René Hungerbühler und Roland Gnägi haben unter den Fussballclubs der Ersten Liga eine Umfrage durchgeführt. Die Ergebnisse sind deutlich.

Patricia Loher
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Roland Gnägi (links) und René Hungerbühler.

Roland Gnägi (links) und René Hungerbühler.

PD

Die Fussballclubs der Promotion League und der 1. Liga sind wegen der Coronakrise ebenso in Bedrängnis wie Vereine aus der Super- und Challenge League. Das zeigt eine Umfrage, welche die beiden früheren Clubpräsidenten René Hungerbühler und Roland Gnägi mit ihrer Firma durchgeführt haben.

Deutlich wird dabei vor allem, dass die Vereinsverantwortlichen vom Schweizerischen Fussballverband (SFV) einen raschen Entscheid erwarten, wie es weitergehen soll. Das Komitee der Ersten Liga hat dem Zentralvorstand des SFV unterdessen vorgeschlagen, die Meisterschaften in Promotion League und 1. Liga abzubrechen.

Hungerbühler und Gnägi kennen die Sorgen

Im Winter haben Hungerbühler und Gnägi die RR-Beratungsfirma für Sportvereine gegründet. Sowohl Hungerbühler als auch Gnägi führten mit dem SC Brühl und dem FC Gossau während Jahren Clubs, die zwischen Profi- und Amateurbereich angesiedelt waren. Gnägi, der ehemalige Präsident des Ostschweizer Fussballverbandes, ist als Vizepräsident des FC Winterthur noch heute im Fussball tätig. Beide kennen sie die Sorgen, den täglichen finanziellen Spagat, die hohen Anforderungen, die meist nur halbprofessionellen Strukturen und die Fragen, die sich den ehrenamtlich engagierten Funktionären stellen.

Seit Corona die Welt in Atem hält, hat sich die Lage für die Vereine aus den dritt- und vierthöchsten Schweizer Ligen noch zugespitzt, die Anfragen an Hungerbühler und Gnägi haben sich gehäuft. Die Meisterschaften wurden nach der Winterpause nicht mehr aufgenommen, seit Wochen dürfen auf jeder Stufe keine Trainings mehr durchgeführt werden. Es leiden also nicht bloss die erwachsenen Fussballerinnen und Fussballer, sondern Tausende Mädchen und Knaben in den Nachwuchsabteilungen.

Kurzarbeit, Subventionen, Verträge...

Die Resultate der Umfrage von Hungerbühler und Gnägi sind erst wenige Tage alt, alle 49 Vereine aus der Promotion League und 1. Liga wurden angeschrieben – nicht aber die U21-Teams, die Profiklubs angehören. Die Rücklaufquote betrug 60 Prozent. Dabei ging es um Fragen wie Kurzarbeit, Subventionen vom Bund, Verträge von Spielern und Angestellten, die Rückerstattung an Saisonabonnenten und Sponsoren oder Mieten für die Sportanlagen. So haben 75 Prozent der Clubs Kurzarbeit angemeldet. Weit erstaunlicher ist aber, dass 66 Prozent beim Bund keine rückzahlbaren Subventionsbeiträge beantragt haben. Hungerbühler sagt:

«Die Clubs sind der Ansicht, dass die Hürden des Bundes viel zu hoch sind, es gibt nur Subventionen, wenn die Vereine kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stehen und die Existenz der Vereine bedroht ist.»

Und weiter: «Interessant ist auch, dass Clubs der Meinung sind, dass diejenigen Vereine, welche früher finanziell schlecht gearbeitet haben, nun mit Subventionen bevorteilt werden.» Die Kantone haben den Clubs zusätzliche finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt, aber Hungerbühler erwähnt dabei die Ungleichbehandlung, die dem Föderalismus geschuldet ist. Während die Darlehen im Kanton St.Gallen zurückbezahlt werden müssen, stellt beispielsweise der Kanton Zürich das Geld als A-fonds-perdu-Beiträge zur Verfügung.

67 Prozent der Vereine bezahlen Mieten für die Sportanlagen. Laut Hungerbühler haben diese Clubs beim Vermieter um Erlass oder Reduktion des Mietzinses nachgefragt. «Etwa die Hälfte der Vermieter kommen den Clubs entgegen, dies in Form von Ermässigung, Reduktion für die Zeit wo das Stadion nicht benutzt werden kann, verlängerte Zahlungsfrist oder Erlass während der Nichtbenutzung.»

Gesundheit hat Vorrang

Am deutlichsten wurde die Frage nach der Weiterführung der Saison beantwortet. 92 Prozent der Clubs sind der Meinung, dass die Saison per sofort für beendet erklärt werden soll. «Das hat zwei Gründe: Zum einen würde es zeitlich knapp, denn es gibt viele Spieler, die arbeiten. Zum anderen sind die Vereine der Meinung, dass die Gesundheit Vorrang hat», so Hungerbühler. Aus der Umfrage geht hervor, dass die Clubs nun einen schnellen Entscheid erwarten, wie es weitergeht. Hungerbühler erklärt:

«Dann können die Vereine wieder planen nun sind sie seit Wochen in der Schwebe.»

Am Donnerstag wird vom SFV ein Entscheid erwartet, ob er auf den schon länger bekannten Antrag der 13 Regionalverbände, die Saison ab der 2. Liga interregional abzubrechen, eingeht. Sollte der SFV das tun, dürfte er auch dem Vorschlag der Ersten Liga folgen.

Die Firma von Gnägi und Hungerbühler wird die Auswertung der Umfrage den Clubs und Verbänden zur Verfügung stellen. Vor allem das Ergebnis, dass offenbar Enttäuschung über die Informationspraxis des Verbandes herrscht, müsse besprochen werden. «Die Vereine erwarten hier mehr Unterstützung in konkreten Fachfragen rund um die Finanzen oder den Sportbereich», so Hungerbühler. Und: «Jetzt geht es für die Clubs nur noch um Schadensbegrenzung.»

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