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ATP-WM: Schanghai und Singapur stehen als mögliche Austragungsorte bereit

Noch hat die ATP-WM in London nicht viele attraktive Partien geboten – aber auch hinter den Kulissen herrscht viel Unruhe.
Jörg Allmeroth
Kei Nishikori während des Spiels gegen Südafrikaner Kevin Anderson im ATP-Final in London. (Bild: Andy Rain/EPA (London, 13. November 2018))

Kei Nishikori während des Spiels gegen Südafrikaner Kevin Anderson im ATP-Final in London. (Bild: Andy Rain/EPA (London, 13. November 2018))

Auf den ersten Blick scheint alles wie immer beim grossen Finalturnier, das die Saison im Wanderzirkus der Tennisprofis beendet. Fast 40'000 Fans pilgern täglich in die Londoner O2-Arena, zur ATP-WM, zu den Auftritten von Roger Federer, Novak Djokovic, Alexander Zverev und deren Mitbewerbern um die letzte Tourtrophäe des Jahres. Aber gleichzeitig ist die Tennisszene dieser Tage wild in Bewegung, eher in Aufruhr, in einer Spiel­serie, in der auch der Davis Cup in seiner Traditionsform schlichtweg begraben wurde. Hinter den Kulissen der Branche tobt ein Kampf um Termine und Turniere, alte Koalitionen und Freundschaften sind zerbrochen – oft hat man den Eindruck, dass kaum noch irgendwelche Loyalitäten gelten.

Auch der Einfluss und die Bedeutung bisher zentraler Märkte verschwinden, und davon ist auch der ATP-Final selbst betroffen. Niemals war das Tennisfest im November, der Auftritt der acht Saisonbesten, erfolgreicher als in der englischen Kapitale, und doch wird die ATP den Standort London mit Stichdatum 2021 verlassen. Und wie so viele andere im Sportbusiness dem Lockruf des ganz grossen Geldes in Richtung Asien oder Arabien folgen. Bereits jetzt haben sich Schanghai und Singapur als Nachfolgekandidaten in Stellung gebracht, dem Vernehmen nach sind aber auch Metropolen wie Abu Dhabi interessiert, die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate.

14 Millionen Dollar Preisgeld in Shenzhen

Kaum einer der Spieler begrüsst diese buchstäbliche Richtungsänderung, schon jetzt quälen sich die meisten Berufsspieler eher unwillig im Herbst in die so­genannten Wachstumsmärkte nach Asien. Aber die Schecks, die den Tennisorganisationen winken, sind zu verführerisch, die Frauen­gewerkschaft hatte es schon vorexerziert. Ihr Schlussturnier, die WTA-Finals, wurde gerade für satte zehn Jahre in die chinesische Boomtown Shenzhen transferiert. Den Teilnehmerinnen winkt dort ein märchenhaftes Preisgeld von 14 Millionen Dollar, das war vor einiger Zeit noch die Summe, die bei einem Grand-Slam-Turnier an 128 mitspielende Frauen ausgeschüttet wurde.

Wie zersplittert und unkoordiniert das Welttennis seinen Terminkalender organisiert, wie sehr die Interessengruppen gegeneinander arbeiten, zeigt ­allein schon das kleine Beispiel des letzten Wochenendes. Während in London am Sonntag die ersten Gruppenmatches der ATP-WM stattfanden, kämpften in Prag zeitgleich die Frauen um den Fed-Cup-Gesamtsieg. Neu ist diese Terminkollision nicht, das macht die Angelegenheit nicht besser. Freilich erscheint die zeitliche Überschneidung gerade 2018 wie ein Abbild der Konfrontation, die zwischen dem auch für den Fed Cup verantwortlichen Tennis-Weltverband ITF und der Männergewerkschaft ATP aufgetreten ist. Das Motto ist dabei allerdings ein uraltes, wohl vertrautes: Jeder kämpft für sich – und im Zweifelsfall gegen alle anderen.

Dramatisch hohe körperliche Beanspruchung

Nach jetziger Beschlusslage würde es schon ab Ende nächsten Jahres ziemlich chaotisch werden im Männertennis. Denn nach den ATP-Finals in London würden sich viele Spieler noch einmal zum Davis-Cup-Endturnier nach Madrid aufmachen, nicht unbedingt alle aus der Elite, aber immer noch genügend, um die Premiere einigermassen ansehnlich erscheinen zu lassen. Doch gleich im neuen Jahr 2020 würde der nächste Teamwettbewerb folgen, eine Neuauflage der Mannschafts-WM der ATP, in der Startphase der Saison in Australien. Das Ganze macht natürlich keinen Sinn, schon gar nicht mit Blick auf die inzwischen dramatisch hohe körperliche Beanspruchung der Spieler. Aber nachgeben will auch keine der Parteien, jedenfalls bisher nicht. Und so werden wohl beide Turniere stattfinden, mit welchen Spielern und Stars auch immer. Alexander Zverev, der deutsche Spitzenmann, will dem Davis Cup aber sicher fernbleiben, wenn der im November entschieden wird. «Wir spielen schon jetzt zu oft, zu lange im Jahr. Es muss weniger werden, nicht mehr», sagt der 21-jährige Hamburger.

Keineswegs nebenbei wird diese ganze Terminaffäre auf dem Rücken des Frauentennis ausgetragen. Denn die Installierung eines neuen World Team Cup geht auf Kosten des Hopman Cup – des populären Mixed-Showturniers, das seit rund drei Jahrzehnten im westaustralischen Perth ausgetragen wurde. Alle grossen Namen schlugen dort auf, auch eine wie Steffi Graf trat dort an der Seite von Boris Becker auf. Doch für die Frauen ist in der schönen neuen Tenniswelt zu diesem Zeitpunkt kein Platz mehr, sie sind in den Plänen auch des mitorganisierenden Verbandes Tennis Australia einfach nicht vorgesehen.

Es passt ins Bild. Schliesslich hatte sich der Weltverband vom spanischen Kicker Gerard Piqué und seinen Milliardenplänen zum Davis Cup so sehr umgarnen lassen, dass der weibliche Teamwettbewerb Fed Cup völlig in den Hintergrund verschwand. Erst nach heftiger Kritik, unter anderem auch von Judy Murray, der Mutter von Tennisstar Andy Murray, kündigte der Weltverband eine Erhöhung des Preisgeldes für den Fed Cup an und versprach, wenngleich nur vage, auch Reformen für den Pokalfight.

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