ATHLETISSIMA: Viele Glanzlichter in Lausanne

In einem Monat findet die Leichtathletik-WM statt. Beim Diamond-League-Meeting in Lausanne zeigten die Schweizer Athleten, dass sie auf dem besten Weg Richtung London sind. Kariem Hussein blieb dabei in dieser Saison erstmals unter 49 Sekunden.

Raya Badraun, Lausanne
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Kariem Hussein gewann gestern in Lausanne dank eines starken Schlussspurts. (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY)

Kariem Hussein gewann gestern in Lausanne dank eines starken Schlussspurts. (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY)

Raya Badraun, Lausanne

An der WM in Peking vor zwei Jahren erreichte nur eine Schweizerin den Final. Noemi Zbären hiess damals die Glückliche. Über 100 m Hürden überraschte sie mit dem sechsten Rang. Andere Aushängeschilder wie Kariem Hussein oder Selina Büchel hingegen scheiterten im Halbfinal knapp. Das Diamond-League-Meeting in Lausanne lässt hoffen, dass es dieses Jahr in London mehr Schweizer Erfolgsmeldungen geben wird – auch wenn noch nicht alles perfekt war. Für den Höhepunkt war einmal mehr Kariem Hussein verantwortlich. Bisher blieb er diese Saison unter seinen Erwartungen. Nie stellte er in den Wochen vor Athletissima eine Zeit unter 49 Sekunden auf. Dies änderte sich gestern – trotz einem Fehlstart. Im 400-m-Hürden-Rennen, das jedoch nicht zur Diamond-League-Wertung zählte, zeigte er nach der kurzen Unterbrechung einen starken, aggressiven Auftritt. Am Ende zeigte die Uhr im Stadion 48,79 Sekunden an. Damit war er deutlich schneller als bisher. «Endlich», sagte er nach dem Rennen mit einem Schmunzeln. Er freue sich sehr, doch noch schöner sei das Wo und gegen wen. Auf den letzten Metern holte er noch den Amerikaner Byron Robinson und den Esten Rasmus Mägi ein. Mit den beiden Amerikanern Bershawn Jackson und Michael Stigler liess er zudem zwei weitere Athleten hinter sich, die diese Saison bereits Zeiten unter 49 Sekunden liefen. «Das Rennen gibt mir viel Selbstvertrauen», sagte der 28-jährige Thurgauer.

Auch Lea Sprunger konnte das Stadion gestern Abend mit einem guten Gefühl verlassen. Die Heimkulisse nutzte die 27-Jährige, die in Lausanne studiert und wohnt, für eine neue Glanzleistung. Erst die dritte Saison setzt sie auf 400 m Hürden. Dennoch nähert sie sich mit Windeseile dem Schweizer Rekord, den Anita Protti 1991 aufgestellt hatte. Auch gestern gelang ihr eine weitere Steigerung. Mit 54,29 Sekunden verbesserte sie ihre persönliche Bestzeit gleich um 34 Hundertstel. Noch fehlen ihr lediglich vier Hundertstel zum Rekord. Doch etwas anderes war ihr nach dem Rennen deutlich wichtiger. Sie konnte in Lausanne gegen die starke Konkurrenz bis zum Schluss mithalten und wurde schliesslich Zweite. «Das ist sehr positiv für mich», sagte sie. Mit ihrem Auftritt ist sie diese Saison wieder die schnellste Hürdenläuferin der Schweiz. Diesen Titel hatte ihr Petra Fontanive beim Meeting in Genf noch abgenommen.

Erfolgreiche Staffel, Pech für Zbären

Zum Abschluss des Meetings stellte die Schweizer Frauenstaffel mit der St. Galler Schlussläuferin Salomé Kora einen Schweizer Rekord auf. Mit 42,53 Sekunden ist die erfolgreiche Equipe, zu der auch wieder Mujinga Kambundji gehört, auf einem guten Weg Richtung WM. Die Leistungen der weiteren Schweizer rückten bei diesen Glanzlichtern fast ein bisschen in den Hintergrund. Dabei lief die Toggenburgerin Selina Büchel über 800 m ein weiteres Mal in dieser Saison unter zwei Minuten. Im schnellen Rennen konnte sie jedoch mit der Konkurrenz nicht ganz mithalten und wurde in 1:59,77 Sekunden Letzte. Das Rennen gewann Francine Niyonsaba aus Burundi in unglaublichen 1:56,82. Die Berner Sprinterin Mujinga Kambundji stellte über 200 m zudem mit 22,82 Sekunden eine Saisonbestleistung auf.

Keine Erfolgsmeldung gab es hingegen bei Noemi Zbären. Im vergangenen Jahr fiel sie wegen einem Kreuzbandriss aus. Diese Saison ist sie nun zurück, kam bisher jedoch nicht auf Touren. Mit ihrer Saisonbestzeit von 13,09 Sekunden über 100 m Hürden fehlen ihr noch elf Hundertstel für die WM-Limite. Auch gestern konnte sie diese nicht unterbieten. Bei der achten Hürde schlug sie sich das linke Knie an und musste das Rennen sofort abbrechen.