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Arbeiter im Rampenlicht

Eintracht Frankfurt fordert im Cup-Final (heute, 20 Uhr/ARD) den grossen FC Bayern München heraus. Was die Sache besonders brisant macht: Frankfurts Coach Niko Kovac trainiert nächste Saison die Münchner.
Carsten Meyer
Er sei ein sogenanntes «Arbeitstalent», sagt Niko Kovac. Bild: Bernd Thissen/Keystone (Gelsenkirchen, 12. Mail 2018)

Er sei ein sogenanntes «Arbeitstalent», sagt Niko Kovac. Bild: Bernd Thissen/Keystone (Gelsenkirchen, 12. Mail 2018)

Fleiss. Demut. Arbeit. So lautet das magische Dreieck von Niko Kovac. Und wenn man sich mit Frankfurts Trainer ein bisschen unterhält, kann man zuvor bedenkenlos sein gesamtes Vermögen nehmen, zum Buchmacher des Vertrauens marschieren – und alles darauf wetten, dass diese Begriffe nach spätestens zehn Minuten fallen. Nichts charakterisiert den 46-Jährigen besser als dieses Wort-Trio. Als Trainer, aber auch als Mensch.

Denn in den Schoss gefallen ist Kovac noch nie etwas. Das war schon in seiner Kindheit in Berlin auf dem Bolzplatz so. Andere konnten die cooleren Tricks. ­Waren schneller oder schossen härter. Die herausragende Qualität von Kovac: «Ich bin ein Arbeits-Talent.» Doch viele der Kumpels von früher hörten irgendwann auf oder strandeten in einer Amateurliga. Kovac wurde deutscher Meister, österreichischer Meister, deutscher Cup-Gewinner, Weltpokalsieger und trug 83-mal das Trikot der kroatischen Nationalmannschaft. Nach seiner aktiven Karriere trainierte er den Nachwuchs von RB Salzburg, Kroatiens Nationalteam und seit März 2016 Eintracht Frankfurt in der Bundesliga.

Und auch, wenn das manche längst vergessen haben: Vergnügungssteuerpflichtig war das am Anfang nicht. Die Eintracht taumelte durch den Tabellenkeller – aber Kovac sorgte dafür, dass sie nicht umkippte. Er rettete den Club in der Barrage, führte ihn danach auf Rang elf und heuer auf den achten Platz. Dazu erreichte er mit der Mannschaft zweimal in Folge den Cupfinal.

Eine Bilanz, die normalerweise dazu führt, dass auf dem Vereinsgelände die Bagger anrücken – und die baulichen Grundlagen für ein stattliches Denkmal schaffen. Zum Glück waren sie nicht schnell genug. Denn spätestens am 13. April wäre ein Zerstörungstrupp angerückt, wahrscheinlich angeführt von Sport-Vorstand Fredi Bobic. An diesem Tag verkündete Kovac seinen Wechsel zum FC Bayern.

Schnelle Entscheidung von Kovac

Nun ist es nicht so, dass der Eintracht-Fan als solcher gar kein Verständnis für diese Entscheidung aufbringen würde. Trotz teilweise leicht verzerrter Selbstwahrnehmung (gefühlter Spitzenclub!) weiss er in seinem tiefsten Inneren, dass die Münchner schon nochmal ein anderes Kaliber sind. Was viele Anhänger auf die Palme brachte, war, dass sie die Erklärung von Kovac, nun ja, etwas unglücklich fanden. Der verkündete mit heiligem Ernst in der Stimme, die Bayern hätten sich am Tag ­zuvor recht spontan und unerwartet gemeldet. Ob er Trainer in München werden wolle. Er, Kovac, habe das bejaht – Fall ­erledigt. Auch der ehemalige ­Nationalspieler und heutige TV-Ex­perte Christoph Metzelder staunte nicht schlecht und befand: «Ich kann es nicht glauben. Selbst in der Kreisliga lotet man so etwas aus. Normal gibt es mehrere Gespräche vorher.»

Dass der Deal ausserdem schon ein paar Stunden später von den Medien verkündet wurde, brachte auch Bobic auf die Palme. Der Sport-Vorstand zürnte in Richtung der bayrischen Hoch­finanz: «Es gab keine Kontakt­aufnahme mit uns, sondern alle Details sind direkt in die Öffentlichkeit gelangt. Das sind Dinge, die ich so unter Kollegen in der Bundesliga noch nicht erlebt habe.»

Ein Scherz von Müller

Und es ist schon ein ausser­ordentlich lustiger Einfall des Fussball-Gotts, dass es nun ­heute im Cupfinal ausgerechnet gegen diese Bayern geht. Dort trifft ­Kovac auch auf seinen zukünf­tigen Vorgänger Jupp Heynckes. Der 73-Jährige wird letztmals in seiner langen und erfolgreichen Karriere auf der Bank sitzen. Die Fussstapfen, die er hinterlässt, sind riesig. Die Fans lieben ihn, die Verantwortlichen lieben ihn – und die Spieler lieben ihn sowieso. Sie haben ihm zum Abschied eine Collage überreicht, bestehend aus gemeinsamen Fotos und persönlichen Widmungen. Offensiv-Phänomen Thomas Müller beispielsweise schrieb in Anspielung auf Heynckes’ regelmässiges Einspringen als Interimscoach: «Danke Trainer – wir sehen uns im Oktober!»

Es war ein Scherz. Wahrscheinlich.

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