Après-Ski

Der Medienstar kommt aus Haiti Die beliebtesten Geschichten an einer Ski-WM sind die Exoten-Geschichten. Andere Länder andere Sitten: Das gibt immer viel her. In Garmisch-Partenkirchen bestritten gestern Ghanaer, Iraner, Türken und Kasachen die Qualifikation für den Riesenslalom.

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Der Medienstar kommt aus Haiti

Die beliebtesten Geschichten an einer Ski-WM sind die Exoten-Geschichten. Andere Länder andere Sitten: Das gibt immer viel her. In Garmisch-Partenkirchen bestritten gestern Ghanaer, Iraner, Türken und Kasachen die Qualifikation für den Riesenslalom. Zum erstenmal überhaupt beteiligte sich auch ein Fahrer aus Haiti.

Jean-Pierre Roy ist 47jährig und bereits Grossvater. Unterdessen hat er in Garmisch-Partenkirchen einen grösseren Bekanntheitsgrad erreicht als mancher Weltcup-Fahrer. Die Medien scharen sich um ihn. Und weil das Interesse am Mann aus der Karibik so gross ist, organisierten er und sein Trainer kurzerhand eine Pressekonferenz. Roy sagte: «Mehr als ein Jahr nach dem Erdbeben sah ich das Elend, und ich dachte mir: <Ich muss etwas tun für dieses Land.>» Was aber bringt es seinen Landsleuten, wenn er an einer WM in Europa Ski fährt? Er wolle den Haitianern Hoffnung geben und aufzeigen, dass auch Unmögliches möglich werden kann. Im Alter von drei Jahren hat Roy mit seinen Eltern Haiti verlassen. Er wuchs in der Nähe von Paris auf, wo er noch immer lebt. Als es darum ging, seinen Verwandten nach dem Erdbeben zu helfen, kehrte er für einige Zeit nach Haiti zurück.

Roy steht an der Spitze des Haitianischen Skiverbandes, dem noch ein Cousin und eine Cousine von ihm angehören. Weitere Skirennfahrer hat das Land nicht. Den Skiverband gibt es erst seit vergangenem November.

Die gestrige Qualifikation auf der Horn-Strecke schloss Roy als 99. und damit letzter ab. Auf den Besten des Rennens verlor der Exot in den zwei Durchgängen fast 57 Sekunden. Für ihn und sein Land ist das nur eine Nebensache.

Patricia Loher

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