Radprofi Reto Hollenstein trifft den  Milliardär und Teambesitzer

Reto Hollenstein fährt auch 2020 in der World Tour. Nächste Woche sieht er in Israel erstmals seinen neuen Geldgeber.

Daniel Good
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Reto Hollenstein an der Schweizer Zeitfahren-Meisterschaft in Weinfelden, wo er Bronze holte. (Urs Flüeler/Keystone)

Reto Hollenstein an der Schweizer Zeitfahren-Meisterschaft in Weinfelden, wo er Bronze holte. (Urs Flüeler/Keystone)

Es ist ein aussergewöhnliches Projekt. Wahrscheinlich eines mit Nachhaltigkeit. Das erhofft sich jedenfalls Reto Hollenstein. Die kommende Saison bestreitet der 34-jährige Thurgauer mit der Israel Cycling Academy. Diese Mannschaft ist neu in der World Tour, der höchsten Kategorie im Profiradsport. Der Geldgeber ist der Milliardär Sylvan Adams, ein israelisch-kanadischer Doppelbürger und leidenschaftlicher Radsportler.

Reise nach Israel

In der kommenden Woche sehen sich der erfolgreiche Unternehmer Adams und der Radsportdomestik Hollenstein zum ersten Mal. In Israel treffen sich die Mannschaft und die Betreuer. Da will auch der Hauptgeldgeber dabei sein. «Gut ist, dass Adams mit Begeisterung Velo fährt», sagt Hollenstein. «Ich gehe deshalb davon aus, dass die Israel Cycling Academy ein Projekt ist, das viele Jahre Bestand hat. Es gab auch schon andere Millionäre im professionellen Radsport. Wenn diese ­genug hatten, brach in der Regel alles zusammen.»

Ein zweites Kind und keinen Vertrag

Hollenstein weiss, wovon er spricht. Schon zweimal war er Opfer des Rückzugs eines Geldgebers, der dem Radsport abrupt den Rücken kehrte. Auch in diesem Jahr musste sich der zweifache Familienvater überlegen, wie es weitergehen soll. Er hatte für 2020 zwar noch einen Vertrag mit der Sportgruppe Katjuscha, aber schon im Vorfeld der Tour de Suisse im Juni war Hollenstein bewusst, dass es schwierig werden könnte.

«Bis zum Ende der Tour de France hofften wir, dass ein neuer Sponsor einspringen würde. Mir waren gleichzeitig die Hände gebunden, weil ich immer noch unter Vertrag stand und keine Optionen prüfen konnte. Zudem bin ich kein Superstar. Das war keine einfache Situation für mich.»

Ein guter Rennfahrer

Am 22. August war Hollenstein 34-jährig geworden. Ende August kam das zweite Kind zur Welt. Die Ungewissheit zog sich dahin. Ende September begann sich endlich abzuzeichnen, dass es mit der Israel Cycling Academy klappen könnte. Denn Hollenstein ist ein guter Rennfahrer. Keiner mit herausragenden Resultaten, aber einer mit grossen Qualitäten als Helfer. «Ich bin sehr zufrieden, dass ich nun eine weitere Wertschätzung erhalten habe für die jahrelange Arbeit im Dienst der Leader.»

Einer von sieben

Zur World Tour gehören in der nächsten Saison 19 Mannschaften. Hollensteins neuer Rennstall hat die Lizenz seiner diesjährigen Equipe übernommen. «Sieben Fahrer wechseln von Katjuscha nach Israel. Ich bin überzeugt, dass ich wegen meines Leistungsausweises berücksichtigt wurde. Und nicht, weil ich noch einen Vertrag mit Katjuscha hatte.» Hollenstein erhielt beim Team von Sylvan Adams einen Einjahreskontrakt zu den gleichen Bedingungen wie bei Katjuscha, für das er seit Anfang 2017 fuhr.

Der fast zwei Meter grosse Hollenstein bestreitet 2020 seine sechste Saison in der World Tour. Es soll nicht die letzte sein. «Ich bin überzeugt, dass ich mich im kommenden Jahr bei der Israel Cycling Academy für mehr empfehlen kann. Ich habe schon vor, noch einige Saisons auf höchstem Niveau zu fahren.» Mit Patrick Schelling ist 2020 ein zweiter Ostschweizer für die ­israelische Equipe lizenziert.

Nur eine Gewissheit: Die Flugtickets sind gebucht

Welche Rennen Hollenstein im nächsten Jahr bestreitet, steht noch nicht fest. «Ich weiss einzig, dass ich für nächste Woche Flugtickets für die Reise nach ­Israel habe», sagt er. Der Weg ist frei für den Antrittsbesuch beim Milliardär.

Der israelisch-kanadische Unternehmer Sylvan Adams. (Abir Sultan/EPA)

Der israelisch-kanadische Unternehmer Sylvan Adams. (Abir Sultan/EPA)

Sylvan Adams will den Radsport in Israel so populär machen wie in den Niederlanden – mit der Hilfe Hollensteins und der Israel Cycling Academy.