Anfang einer neuen Liebe

Erstmals seit über 20 Jahren wird in Rapperswil-Jona wieder NLB-Eishockey gespielt. Beim 4:3-Sieg gegen Ajoie stimmt der Absteiger sein Publikum fröhlich wie lange nicht mehr.

Matthias Hafen/Rapperswil-Jona
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EISHOCKEY. Noch kein halbes Jahr ist vergangen, seit die Rapperswiler von ihrem Heimpublikum lautstark ausgepfiffen wurden. Die Zuschauer wollten damals nicht mehr mit ansehen, wie ihr Team in der NLA zu einem Haufen Verlierer verkam. Siege waren in der Diners Club Arena zur Seltenheit geworden.

Seither ist nicht nur der Abstieg Tatsache geworden, es wurde auch die Führung ausgewechselt und mit ihr praktisch das gesamte Kader. Keine Frage: Rapperswil-Jona steht in der NLB vor einem Neuanfang – aber einem verheissungsvollen.

Schon heute kann gesagt werden, dass gestern, am 11. September 2015, die Wende in der jüngeren Clubgeschichte eingeleitet wurde. Diese Mannschaft ist kein Verliererteam mehr. Zwar mussten die St. Galler in ihrem ersten NLB-Spiel seit dem 22. März 1994 hartes Brot essen. Und die Begegnungen mit Olten, La Chaux-de-Fonds oder Langenthal dürften der Equipe von Trainer Jeff Tomlinson noch mehr abverlangen als die gestrige mit Ajoie. Um den 4:3-Erfolg musste Rapperswil-Jona nur in der allerletzten Sekunde zittern. Der vermeintliche Ausgleichstreffer der Jurassier wurde von den Referees jedoch aberkannt.

Wehmütiger Blick zum Totomat

Die Diners Club Arena, das wohl schönste Stadion der NLB, war zum Saisonstart nicht besonders gut gefüllt. Immerhin wollten sich 2975 Zuschauer ein Bild vom neuen Rapperswil-Jona machen. Und viel besser besetzt waren die Schalensitze in den letzten NLA-Jahren auch nicht. Entscheidender für den Club am oberen Zürichsee dürfte aber sein, dass es gestern zwischen Publikum und Mannschaft wieder gefunkt hat.

Zwar waren die Blicke der Zuschauer Richtung NLA-Totomat ziemlich wehmütig, und der eine oder andere wird sich gewünscht haben, man möge immer noch in der Elite des Schweizer Eishockeys mitspielen. Doch hat die Realität das Rapperswiler Publikum längst erreicht – auch die Fankurve. Mit dem übergrossen Banner «Egal welli Liiga, mir sind din 7. Maa» setzte sie ein deutliches Zeichen des Supports.

Neuer Stern am Himmel

Dass die Zuschauer wieder Gefallen an Rapperswil-Jona finden, hat viel mit dem gestrigen Auftritt der Mannschaft zu tun. Michael Hügli, eine Neuverpflichtung von Zugs Elite-Junioren, hat vielleicht keinen grossen Namen. Wie sich der 19-Jährige aber für sein Team ins Zeug legte, war beeindruckender als jeder Weltmeister, den die Rapperswiler je in ihrem Kader hatten. Mit zwei Treffern war Hügli massgeblich am gestrigen Auftaktsieg gegen Ajoie beteiligt.

Dass die St. Galler ihr Business eine Liga tiefer ernster denn je nehmen, war an vielen Orten zu sehen – am deutlichsten an der Eisqualität. «Wir hätten viel weniger Aufwand, wenn wir die Sichtbarkeit der Werbeflächen verringern würden», sagte Eismeister Ernst Berger. «Aber wir sind der Meinung, dass die Sponsoren in der Nationalliga B die gleiche Qualität verdient haben.» Genau so funktioniert das neue Rapperswil-Jona.