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Andy Murray und Serena Williams sind das Feministen-Doppel von Wimbledon

Hüftpatient Andy Murray probt in Wimbledon mit Serena Williams sein Comeback im Einzel. Eine Hüftoperation, bei der dem Schotten eine Metallplatte eingesetzt wurde, hat Unerhofftes bewirkt.
Simon Häring, Wimbledon
Andy Murray im Doppel-Einsatz von Wimbledon. (Bild: Andy Rain/EPA, London, 4. Juli 2019)

Andy Murray im Doppel-Einsatz von Wimbledon. (Bild: Andy Rain/EPA, London, 4. Juli 2019)

Als Andy Murray Anfang Jahr unter Tränen ankündigte, dass er seine Karriere wegen anhaltender Hüftprobleme spätestens im Sommer in Wimbledon beenden werde, da überraschte das kaum mehr jemanden. Die Kollegen hatten nette Grussbotschaften vorbereitet. Roger Federer, Rafael Nadal, oder Novak Djokovic – sie alle gratulierten dem Schotten für eine aussergewöhnliche Karriere. Eine Karriere, in der Murray drei Grand-Slam-­Titel gewann, darunter zweimal in Wimbledon (2013 und 2016) und für 41 Wochen die Nummer 1 der Welt war.

Das ist bemerkenswert in einer Ära, in der mit Roger Federer (20), Rafael Nadal (18) und Novak Djokovic (15) jene drei Spieler mit den meisten Grand-Slam-Titeln aktiv sind.

Murray hat sich für Rechte der Frauen eingesetzt

In das Loblied stimmten aber vor allem auch die Frauen ein, für deren Rechte sich Andy Murray immer eingesetzt hatte. 2014 machte er mit der homosexuellen Amelie Mauresmo als erster männlicher Topspieler eine Frau zu seiner Trainerin. Das löste teils heftige Reaktionen aus. Es gab Kollegen, die ihm vorwarfen, es handle sich nur um eine PR-Aktion. Einer schrieb: «Ich liebe das Spiel, das du mit den Medien spielst, Andy. Vielleicht solltest du ihnen sagen, dass du dir überlegst, mit einem Hund zu arbeiten.» Doch Murray verteidigte die Französin gegen jegliche Kritik.

Was er zu hören bekommen habe, sei an Absurdität nicht zu überbieten gewesen, blickte Murray später zurück. «Wenn ich mit einem Mann als Trainer verliere, bin ich schuld. Als ich mit ihr arbeitete, war es immer ihr Fehler.» Die Erfahrungen, die er in dieser Zeit machte, formten Murray, ein Scheidungskind, aufgewachsen ohne Vater, unter den Fittichen der renommierten, oft als verbissen porträtierten Judy Murray, und mit dem älteren Bruder Jamie, der als Doppel-Spieler zur Weltspitze gehört. Sie hat aus Murray einen Feministen gemacht.

In einem Essay prangerte er Sexismus in Gesellschaft und Sport an. «Ich setze mich dafür ein, dass eine Frau gleich behandelt wird wie ein Mann. Wenn mich das zum Feministen macht, dann sage ich mit Stolz: Ja, ich bin ein Feminist!», schrieb Murray. Ende 2018 wurde mit der Norwegerin Ada Hegerberg erstmals eine Frau mit einem Ballon d’Or als beste Fussballerin der Welt ausgezeichnet. Der DJ Martin Solveig fragte die Siegerin, ob sie twerken könne – und sorgte damit für Entrüstung. «Ein weiteres Beispiel für den lächerlichen Sexismus, der im Sport noch immer existiert», kritisierte Murray. «Ich kam dank meiner Mutter zum Tennis und war immer von grossen Frauen umgeben. Es fällt mir leichter, mich ihnen gegenüber zu öffnen», sagte er.

Im Frühling unterzog sich Murray einer Hüftoperation, bei der ihm eine Metallplatte eingesetzt wurde. Geleitet von der Hoffnung, künftig schmerzfrei mit seinen Kindern spielen zu können. Doch es kam viel besser. Vor drei Wochen gewann er in Queen’s mit Feliciano Lopez beim Comeback das Doppel. Murray sagt, er habe keine Schmerzen. In Wimbledon bestreitet er mit dem Franzosen Pierre-Hugues Herbert das Doppel. Und weil die Lust auf Tennis nach dem Leiden besonders gross ist, tritt Murray auch noch im gemischten Doppel an. Seine Partnerin ist die Amerikanerin Serena Williams, auch sie eine selbst ernannte Feministin.

Die US-Amerikanerin Serena Williams spielt im Mixed-Doppel mit Andy Murray. (Bild: Getty Images, London, 2. Juli 2019)

Die US-Amerikanerin Serena Williams spielt im Mixed-Doppel mit Andy Murray. (Bild: Getty Images, London, 2. Juli 2019)

Die einmalige Gelegenheit mit Serena Williams

Murray sagt, mit Williams im Doppel zu spielen, sei eine einmalige Chance. Denn das Doppel ist für ihn nur der Testlauf für die Rückkehr im Einzel. Im Erfolgsfall bestreitet er in beiden Doppelkonkurrenzen in elf Tagen zwölf Spiele. «Auf dem Papier scheinen sie unschlagbar zu sein», sagt Murrays Mutter Judy. «Aber im Mixed kann alles passieren.» Und sie gibt ihrem Sohn ein Erfolgsrezept mit auf den Weg: «Der Schlüssel ist es, dafür zu sorgen, dass die Lady glücklich bleibt. Ich würde Andy raten: Lass Serena den Boss spielen.» Murray dürfte das indes etwas anders sehen. Sie und er – die Feministin und der Feminist – werden sich auf Augenhöhe begegnen. Als Gleichberechtigte.

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