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Andrea Ellenberger erlebt einen märchenhaften Winter

Die Hergiswilerin Andrea Ellenberger erlebt eine verrückte Saison. Ohne Kaderzugehörigkeit von Swiss Ski schaffte sie es bis zu WM-Gold im Teamevent. Am Donnerstag bestreitet sie den Riesenslalom.
Claudio Zanini, Åre
Lachen statt leiden: Andrea Ellenberger aus Hergiswil.Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Sölden, 25. Oktober 2018)

Lachen statt leiden: Andrea Ellenberger aus Hergiswil.Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Sölden, 25. Oktober 2018)

Andrea Ellenberger steht am Dienstagabend im Medienzen­trum. Drei Tage zuvor war sie in Åre angekommen, jetzt trägt sie eine Goldmedaille um den Hals. Die sonst so eloquente Nidwaldnerin, die einen Bachelor in Psychologie hat, schüttelt den Kopf. Ihr fehlen sonst nie die Worte.

Es ist ein märchenhafter Winter, den die 25-Jährige erlebt. Sie ist gestartet mit bescheidenen Zielen. An der Ski-WM teilzunehmen, war keines davon. Eine gesamte Weltcupsaison zu fahren, ebenfalls nicht. Sie hätte sich sogar aus dem Fenster gelehnt, wenn sie gesagt hätte, sie wolle die Selektion für ein Swiss-Ski-Kader schaffen. Nein, Ellenberger wollte einfach gesund sein, sie wollte wieder Ski fahren können. Mehr nicht.

«Vielleicht braucht es auch Wahnsinn»

Die jüngere Verletzungsgeschichte von Ellenberger beginnt im ­Januar 2016. Sie riss sich zum zweiten Mal in der Karriere das Kreuzband. Als Swiss Ski die Selektionen für die nächste Saison bekannt gab, wurde Ellenberger nicht mehr berücksichtigt. Man warf sie raus, die Leistungen genügten nicht. Kein Kaderstatus, ein Kreuzbandriss und chronische Rückenschmerzen. Dass es Leute gab, die Ellenberger in diesem Moment nahelegten, es mit dem Rennsport für immer bleiben zu lassen, ist nachvollziehbar. Doch sie wollte weitermachen. «Irgendetwas hat mich angetrieben», sagt Ellenberger. «Vielleicht brauchte es auch ein bisschen Wahnsinn.»

Gravierender als der Kreuzbandriss waren aber die Schmerzen im Rücken. Die Beschwerden waren seit sechs Jahren durchgehend da. Nicht nur beim Skifahren, auch im Alltag. Eine umfangreiche Rückenoperation wurde nötig. Eine kaputte Bandscheibe wurde komplett entfernt, ein Wirbel musste versteift werden. Ob sie nach diesem Eingriff wieder Skirennen fahren könne, konnte ihr niemand garantieren.

Die Rückenoperation im Frühling 2017 erzielte die gewünschte Wirkung. Die Schmerzen gehörten der Vergangenheit an. Ellenberger ging es gar so gut, dass sie im Februar 2018 wieder an Wettkämpfen teilnahm. Sie hatte nun ihr eigenes Team, buchte Hotels und Reisen selbst. Unterstützung bekam sie vor allem auch von ihrem Freund Silvan Epp, der Speedtrainer im Frauen-Weltcupteam war.

Es kam die Vorbereitung auf diese Saison, und Ellenberger entschied, nach Argentinien zu fliegen, wo auch Swiss Ski im Sommer trainiert. Dort konnte sie auf sich aufmerksam machen. Zwei Rennen gewann sie, einmal wurde sie Zweite. Ellenberger durfte fortan mit der Schweizer Europacup-Gruppe mittrainieren. Schon viele gute Schritte vorwärts waren ihr gelungen. Doch es kam noch besser. Sie wurde für den Weltcupauftakt in Sölden aufgeboten. Zu einem Swiss-Ski-Kader gehörte sie immer noch nicht.

Eine Piste, die ihr liegt

«Plötzlich wurde eine gesamte Weltcupsaison daraus», sagt sie. Sechsmal stand sie in diesem Winter am Start im Riesenslalom. Zweimal schaffte sie es in die Punkteränge. Mitte Januar der 11. Rang in Kronplatz, so gut war sie in ihrer gesamten Karriere noch nie. Die eigenen Erwartungen wurden um ein Vielfaches übertroffen. Doch das war noch nicht alles. Sie wurde für die WM selektioniert. «Von der WM habe ich nicht einmal geträumt», sagt sie.

Ellenberger gehörte einst zur gleichen Trainingsgruppe wie Wendy Holdener und Michelle Gisin, sie haben alle Jahrgang 1993. Es sei nicht einfach gewesen, mitzuverfolgen, wie die anderen beiden auf direktem Weg in die Weltspitze fuhren. «Doch ich habe gelernt, mich mit ihnen zu freuen.»

In Åre wird Ellenberger gefragt, was sie über die Piste wisse, wohl würde sie diese gar nicht kennen. Eine Frage, die vor allem auch zeigt, wie Ellenberger aus der öffentlichen Wahrnehmung entschwunden ist. Debütiert hatte sie 2012 im Weltcup. Zwar folgten nur vier Weltcupeinsätze bis zu diesem Winter. Aber Ellenberger stand 2014 bereits in Åre am Start, bestritt zwei Riesenslaloms. «Es ist ein Hang, der mir gut liegt, ein Top-15-Platz wäre genial», sagt sie. Am Dienstag kam sie beim Teamwettbewerb nicht zum Einsatz. Darum wird sie am Donnerstag im Riesenslalom ihre WM-Premiere erleben. Egal wie das Ergebnis ausfallen wird: Eine Gewinnerin ist sie jetzt schon. Die Teamgoldmedaille steht symbolisch dafür.

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