Analyse zum Weiterkommen von YB
Die Young Boys überstehen den Ritt auf der Rasierklinge unbeschadet

Mit viel Dusel kommen die Berner nach einer schwachen Leistung zu einem 2:1-Sieg gegen den CFR Cluj und zur Qualifikation für die Sechzehntelfinals in der Europa League. Gegen wen YB am 18. und 25. Februar 2021 anzutreten hat, wird am Montag ausgelost.

Markus Brütsch
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Die Szene des Spiels: Cluj-Goalie Cristian Balgradean faustet vor YB-Verteidiger Cédric Zesiger den Ball weg.

Die Szene des Spiels: Cluj-Goalie Cristian Balgradean faustet vor YB-Verteidiger Cédric Zesiger den Ball weg.

Keystone

Vielleicht wird ein Bild oder gar eine Büste von Benoît Bastien dereinst mal einen Platz im YB-Museum erhalten. Je nachdem, wie weit der Weg die Gelb-Schwarzen in der Europa League im kommenden Jahr noch führt.

Bastien war gestern der Schiedsrichter des Spiels zwischen den Young Boys und Cluj und hatte massgeblichen Anteil daran, dass die Berner bei ihrer siebten Teilnahme an einer Gruppenphase in diesem Wettbewerb zum dritten Mal nach 2010 und 2014 den Aufstieg in die Sechzehntelfinals schafften. Als Zweitplatzierte hinter der AS Roma.

Nachdem die Gäste kurz vor Schluss 1:0 in Führung gegangen waren, schien das Out von YB perfekt. Dass der Schütze minim im Offside gestanden war, konnte dem Schiedsrichterteam nicht angelastet werden. Höchstens der Uefa, weil diese es nicht für nötig hält, in der Europa League einen VAR einzusetzen.

Dass dies in einem Wettbewerb, wo es um Millionen geht, zwingend der Fall sein müsste, zeigte sich dann wenig später, als Gäste-Keeper Cristian Balgradean einen Flankenball wegfaustete und dabei ganz leicht den Kopf von YB-Verteidiger Cédric Zesiger streifte. Zum Entsetzen der Rumänen und zum Erstaunen aller anderen im Wankdorf entschied Bastien auf Penalty und schickte Balgradean vom Platz. Zwei krasse Fehlentscheide. Jean-Pierre Nsame behielt kühles Blut und traf in der 92. Minute zum 1:1 – sein Team damit in die K.-o.-Phase schiessend. Dass er danach für ein taktisches Foul ebenfalls die Rote Karte sah wie der frustrierte Cluj-Spieler Damjan Dokovic, war darauf zurückzuführen, dass Bastien das Spiel völlig entglitten war. Das 2:1, das Gian-Luca Gaudino noch schoss, verkam fast zur Randnotiz, war aber ein Hohn angesichts der Leistungen.

Schwache Leistung der Young Boys

Drei Tage nach der Vertragsverlängerung mit Trainer Gerardo Seoane hatten die Berner damit aber ein erstes Saisonziel, das europäische Überwintern, erreicht. Bald wird niemand mehr nach dem Wie fragen. Dass sie den Ritt auf der Rasierklinge unbeschadet überstanden, hat indes viel mit Glück und Zufall zu tun und gebietet es, auf eine Lobrede oder tiefschürfende Analyse zu verzichten.

Was sich indes sagen lässt: Die Young Boys waren gestern ihrer Aufgabe mental nicht gewachsen. Wie schon beim Playoff-Spiel um die Champions League gegen Mydtjylland (0:3) erreichten sie ihr Rendement zu keinem Zeitpunkt.

YB hat nun rund zehn Millionen Euro an Prämien eingestrichen und kann 2021 noch etwas für das überaus dürftige Uefa-Ranking der Schweiz tun. Die Auslosung der Sechzehntelfinals erfolgt am Montag. Nach dem frühen Europacupout des FC Basel, des FC St. Gallen und von Servette sowie dem gestern so schwachen YB-Abend ist dem Schweizer Klubfussball kein gutes Herbstzeugnis auszustellen: Note 3.

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