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Analyse der nordischen Ski-WM: Gemischte Gefühle zum Schluss

Die nordische Ski-WM in Seefeld ist zu Ende. Was bleibt, ist das Wissen um die norwegische Dominanz – und die neuerliche Debatte nach dem jüngsten Dopingskandal. Die Schweizer Bilanz fällt zudem dürftig aus – Swiss Ski muss über die Bücher gehen.
Rainer Sommerhalder, Seefeld
Hinter Dario Cologna (vorne) klafft bei den Schweizer Langläufern ein riesiges Leistungsloch. (Bild: Matthias Schrader/KEY)

Hinter Dario Cologna (vorne) klafft bei den Schweizer Langläufern ein riesiges Leistungsloch. (Bild: Matthias Schrader/KEY)

Können 25 000 norwegische Fans falsch liegen? Für sie sind die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften der Nabel der Sportwelt. Aber nicht nur auf den Strassen Seefelds wirkt die Dominanz der fahnengeschmückten Norweger inzwischen erdrückend. Auch sportlich sorgen die Skandinavier für gähnende Leere beim Rest der Welt. 13 von 22 möglichen Titeln ergattert, 25 Medaillen und damit 16 mehr als die zweiterfolgreichste Nation gewonnen.

Und dabei kriseln die norwegischen Skispringer. Was ist schlimmer für die Unterhaltung, als wenn die Sieger bereits vor dem Start feststehen. So erlebt bei den Distanzrennen der Langläuferinnen, wo die von einer Dopingsperre zurückgekehrte Therese Johaug alles in Grund und Boden lief. Norwegen kann nichts dafür, dass es im nordischen Skisport derart überlegen ist. Aber es tut dem Sport damit keinen Gefallen.

Ist der Dopingskandal eine gute oder schlechte Sache?

So pervers es tönen mag: Nicht einmal der Dopingskandal vermag grösseren Schaden anzurichten. An den beiden Tagen nach der spektakulären Polizeirazzia in Seefeld feierte die WM ihren grössten Zuschauer-Aufmarsch. Der Langlauf erlebt in Zeiten von bildlich festgehaltenen Bluttransfusionen und medienwirksamen Inhaftierungen einen Effekt wie schon der Radsport. Die Anhänger säumen die Wege ihrer Helden zu Ruhm und Ehre unverändert zahlreich. Apropos Dopingskandal.

Soll das, was wir die letzten Tage in Seefeld erlebt haben, nun pessimistisch oder optimistisch stimmen? Für die einen stehen die Erkenntnisse im Vordergrund, dass es im Spitzensport ohne illegales Nachhelfen nicht geht. Dass Dopingkontrollen offensichtlich nichts bringen. Und dass die Selbstreinigungskräfte des Sports ohne massives Eingreifen von Polizei und Justiz in keiner Weise funktionieren. Andere weisen darauf hin, dass die neuen Antidoping-Gesetze den Sport sauberer machen.

Dass man im Gegensatz zu früher nicht einfach nur einen betrügenden Athleten überführt, sondern dank koordinierten Ermittlungen von zivilen und sportlichen Behörden viele Hintermänner und ganze Netzwerke aushebeln kann. Und dass die Doper wegen der verstärkten Wirksamkeit der Massnahmen immer grössere Risiken auf sich nehmen müssen, etwa Bluttransfusionen auf Autobahn-Parkplätzen oder gar am Morgen des Wettkampfs.

Peier holt als einziger Schweizer eine Medaille

Auch bei der Bilanz des Schweizer Teams stellt sich gleichsam die Frage nach dem halbvollen oder halbleeren Glas. Dank Skispringer Killian Peier feiert man eine Medaille mehr, als bei der letzten WM 2017 in Lahti und als dass aufgrund der Performance in dieser Saison von den Nordischen erwartet werden durfte. Und dank Peier wurde bei den Fliegern gerade noch rechtzeitig zum bevorstehenden Rücktritt von Überfigur Simon Ammann eine Nachfolgeregelung aufgegleist.

Mit Nadine Fähndrich kann eine junge Langläuferin neu auf WM-Niveau in die Weltklasse vorstossen. Und dank Dario Cologna taucht die Schweiz auch bei den Männern im vordersten Teil der Ranglisten auf. Also alles in bester Ordnung? Mitnichten. Die Schweizer Nordischen haben in Seefeld in der Summe einen Rückschritt erlebt. Im Skispringen und beim Frauen-Langlauf ist man in Zukunft noch mehr von Einzelmasken abhängig als in jüngster Vergangenheit.

Es fehlt an Breite

Wehe, wenn Peier oder Fähndrich verletzt ausfallen. Und bei den Männern muss man Dario Cologna beinahe schon beknien, seine Karriere bis zu den Winterspielen 2022 in Peking fortzusetzen. Nicht unbedingt, weil man von ihm weitere WM-Titel oder Olympiasiege erwarten sollte. Sondern, weil hinter dem 32-Jährigen ein so grosses Leistungsloch klafft wie seit Jahren nicht mehr.

Die Schweizer Langläufer werden nie mit den dominierenden Norwegern und Russen Schritt halten. So blieb Cologna am Abschlusstag der WM auch wegen der Teamtaktik dieser beiden Nationen im Rennen über 50 km ohne Medaillenchance. Aber der Anspruch von Swiss-Ski muss lauten, auf Augenhöhe etwa mit den Franzosen zu sein.

Die junge Garde stagniert

Schliesslich betreibt der Verband einen ungleich grösseren finanziellen Aufwand als der Nachbar. Doch dieser ist uns zuletzt enteilt. Was bringt ein aufgerüstetes, topmodernes Leistungszentrum in Davos, wenn der Effekt ausbleibt. Die junge Garde stagniert seit zwei Jahren. Es ist Zeit, über die Bücher zu gehen, vielleicht auch personelle Konsequenzen zu ziehen. Die Betreuung muss mit der Qualität der Infrastruktur korrespondieren. Sonst droht dem Nordischen Skisport in der Schweiz das Verschwinden in der Nebensächlichkeit.

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