Amriswil will wieder Turbo zünden

Morgen Samstag (17.30 Uhr) beginnt in der Tellenfeldhalle mit der Playoff-Finalserie die letzte Phase der Schweizer Volleyball-Meisterschaft. Vor dem ersten von maximal fünf Spielen sind die Rollen verteilt: Titelverteidiger Amriswil ist der Goliath, Chênois Genf der David.

Markus Rutishauser
Drucken
Teilen
Den starken Amriswiler Block (hier mit Marco Bär und Christian Willi) zu überwinden wird eine besondere Herausforderung für die Genfer sein. (Bild: Mario Gaccioli)

Den starken Amriswiler Block (hier mit Marco Bär und Christian Willi) zu überwinden wird eine besondere Herausforderung für die Genfer sein. (Bild: Mario Gaccioli)

volleyball. Viele Experten prognostizieren pragmatisch: «Kann Amriswil seine Form der letzten Wochen mitnehmen, dann wird die Finalserie bereits nach drei Begegnungen entschieden sein!»

Tatsächlich war der Weg von Passeur Marco Bär und seinen Mitstreitern beeindruckend. Seit Januar legte das Team von Erfolgstrainer Johan Verstappen, der von Dario Bettello und Jürg Messerli optimal unterstützt wird, eine Siegesserie hin, der kein Gegner auch nur annähernd gewachsen war.

Zwar gaben die Oberthurgauer fast in jedem Spiel einen Satz ab, doch verstanden sie es jeweils sofort zu reagieren und einen Gang höher zu schalteten. Und über diesen «Turbo» verfügte bisher nur Amriswil.

Dahinter viel Dramatik

Gerade in der Finalrunde der besten fünf Mannschaften war die Überlegenheit der Oberthurgauer greifbar. Sie marschierten ohne einen Punktverlust auf beeindruckende Art und Weise in den Playoff-Final.

Dahinter lieferten sich die übrigen vier Teams ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen um das zweite Finalticket, das erst auf dem Zielstrich entschieden wurde. Chênois, Näfels, Lausanne und auch Lugano wiesen nach 8 Runden allesamt sechs Punkte auf. Die Genfer schafften den Finaleinzug nur dank des besseren Satzverhältnisses (16:16) gegenüber dem unglücklichen Näfels (15:16), welches das Finalticket in Lausanne in Griffweite hatte, am Ende aber mit 2:3 den kürzeren zog und deshalb scheiterte.

Späte Revanche?

Vor vier Jahren standen sich Amriswil und Chênois schon einmal im Playoff-Final gegenüber. Damals gewannen die Calvinstädter dank grosser finanzieller Möglichkeiten und einer stark besetzten Mannschaft letztmals den Meistertitel; es war der 5. ihrer Clubgeschichte. Und bei Amriswil sorgte die erstmalige Finalqualifikation für Aufbruchstimmung. Fortan näherten sich die Thurgauer Schritt um Schritt dem erstmaligen Titelgewinn an. Im 5. Final in Serie, dem ersten unter Johan Verstappen, reichte es dann zur langersehnten Meisterschaft.

Unter dem erfolgshungrigen Holländer erhielt der Landclub professionelle Strukturen. Erstmals konnten sich alle Leistungsträger ganz auf ihren Sport konzentrieren. Seit 2009 schaut die Schweizer Volleyballszene nach Amriswil und nicht mehr umgekehrt.

Wiedersehen mit Cuko

Sich auf den Lorbeeren ausruhen entspricht aber keinesfalls der Mentalität des Erfolgsmenschen Verstappen.

Zusammen mit dem Vorstand unter Präsident Dominik Joos will Volley Amriswil nicht nur seine Vorherrschaft auf nationaler Ebene zementieren, sondern parallel international Stufe um Stufe erklimmen. Auch wenn die Oberthurgauer sowohl leistungsmässig wie vor allem finanziell noch weit weg von Europas Spitzenklasse entfernt ist, eine Steigerung war auch in dieser Saison unverkennbar.

Deshalb ist es nur konsequent, dass Amriswil die erfolgreiche Titelverteidigung zur «Pflichtaufgabe» erklärt hat. Dass der finale Gegner dabei Chênois heisst, hatte nicht unbedingt erwartet werden dürfen. Näfels und Lausanne waren im Vorfeld stärker eingestuft worden. Aber die Genfer um Spielertrainer Dritan Cuko (35), der von 2001 bis 2006 selbst das Amriswiler Tricot überstreifte, erfrischten trotz grosser finanzieller Probleme mit attraktivem Volleyball. Deshalb ist Chênois ein würdiger Finalgegner.

Fancar am 3. April

Volley Amriswil organisiert am 3. April eine Fanreise zum 2. Finalspiel nach Genf (Anpfiff 18 Uhr). Reservation und weitere Infos unter info@volleyamriswil.ch oder Telefon 071 410 14 39.

Aktuelle Nachrichten