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Ammanns Tüftler ist zurück

Mit der Rückkehr von Gerhard Hofer als Servicemann ins Schweizer Team ist bei der Konkurrenz die Verunsicherung gestiegen. Die Lockerheit von Simon Ammann ist für zusätzliche Nervosität bei den Gegnern verantwortlich.
Urs Huwyler/Innsbruck
Gerhard Hofer Servicemann bei Swiss Ski (Bild: Urs Huwyler)

Gerhard Hofer Servicemann bei Swiss Ski (Bild: Urs Huwyler)

SKI NORDISCH. Locker, entspannt und auf die Olympischen Spiele fokussiert bewegt sich Simon Ammann an der Vierschanzentournée. In den vergangenen Jahren war dies selten der Fall, schien er teilweise doch Brechstangen statt Ski angeschnallt zu haben. Zwar möchte der Toggenburger den Prestige-Wettkampf endlich gewinnen, aber die Tournée bleibt trotz der hohen sportlichen Bedeutung nur ein wichtiges Zwischenziel. Der Dritte der Zwischenwertung spricht – mit einem Lächeln – von schlechten Sprüngen, müden Beinen, obwohl er auf höchstem Niveau springt. Alles erinnert an Vancouver 2010. Auch im Servicebereich.

Gerhard «Gatsch» Hofer stand vor einem Jahr braungebrannt am Bergisel in Innsbruck unter den Zuschauern. Die Russen hatten ihm gekündigt, und er hatte nach einem Australien-Aufenthalt mit dem Skispringen abgeschlossen. 2010 verliess er Swiss Ski am Saisonende, um auf einer Alp im Salzburgerland «nachzudenken und Kühe zu zählen». Der Tüftler aus Leidenschaft fühlte sich nach fünf Jahren als Servicemann in Österreich und drei an der Seite von Ammann und Andreas Küttel ausgebrannt.

Offerten aus Österreich, Norwegen und der Schweiz schlug der visionäre Denker aus. Er zog im Mai 2010 als «Chef Entwicklung» und Co-Trainer zu den Finnen, 2011 nach einem Superangebot unter Trainer Richard Schallert zu den Russen. Seit einem Jahr ist Hofer im erweiterten Team Ammann zurück. Sein Nachfolger Fabian Ammann musste wegen Rückenproblemen nach Garmisch aussteigen. «Die Schweizer fragten mich in Innsbruck, ob ich einen Job suche. Ich habe kurz überlegt und zugesagt.»

Ammann mit Top-Speed

Der 32jährige gelernte Schreiner hatte die Landsleute an den Olympischen Spielen 2010 mit der gekrümmten Stabbindung derart verunsichert, dass sie vor lauter Diskutieren fast das Skispringen vergassen. Zudem behandelte er Ammanns Olympia-Ski bei den feuchten Verhältnissen in Whistler mit Langlaufwachs, obwohl ihm keine Testresultate vorlagen und er keinerlei Erfahrung mit dem Wachs besass. «Ich bin ein Praktiker», sagt der Clubkollege des Tournée-Leaders Thomas Diethart. Bei den Österreichern wurde ihm ein Wissenschafter zur Seite gestellt. Nichts für den 2003 zurückgetretenen ehemaligen Continentalcup-Springer. Er muss aus dem Bauch heraus arbeiten dürfen.

Wer Hofer, den in Innsbruck wohnenden «Bob Marley» unter den Serviceleuten, in der Mannschaft weiss, steht vor Grossanlässen unter Beobachtung. Die Verunsicherung bei der Konkurrenz wird an der Tournée spürbar. Derzeitiger Auslöser der Nervosität: Der einst für seine tiefe Anlaufgeschwindigkeit bekannte Ammann weist plötzlich Top-Speed auf. «Ich stelle die Ski», erzählt Hofer mit einem breiten Schmunzeln im Gesicht, «demonstrativ vor die Türe des Containers, damit die andern Nationen nicht nach Details suchen müssen.» Was für zusätzliche Verunsicherung sorgt.

Fragen um Material-Coup

Ob bei Hofer, Ammann, Trainer Martin Künzle oder Disziplinenchef Berni Schödler – die Fragen nach einem allfälligen Material-Coup für Sotschi häufen sich. «Hätten wir was, würden wird es zum jetzigen Zeitpunkt kaum öffentlich machen», lässt Hofer wissen. «Egal was entwickelt wird, springen muss der Athlet», schiebt er nach. «Wichtiger ist das gegenseitige Vertrauen. Intern herrscht Ruhe und diese wirkt sich positiv auf das Klima aus. Ich weiss, was Simon denkt, er weiss, dass ich das Optimum herauszuholen versuche.»

Zu 99 Prozent werden die Schweizer für Sotschi – wie allgemein erwartet – ein «Bömbeli» platzen lassen. Aufgrund der Reglemente dürfte es sich um ein Detail handeln, doch es könnte seine psychologische Wirkung nicht verfehlen. Über die Lockerheit von Ammann, der bei einem dritten Rang von müden Beinen spricht, wundern sich schon viele Beobachter. Alles Strategie? Schödler lacht. Künzle lacht. Ammann lacht. Hofer lacht. Die Konkurrenz lacht nicht. Und die Fanartikel-Verkäufer haben reagiert. Schweizer Fahnen und Kappen sind seit Oberstdorf nach vorne gerutscht.

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