Ammann fliegt wieder aufs Podest

Simon Ammann erreicht in Innsbruck mit Rang drei bereits seinen zweiten Podestplatz an der laufenden Vierschanzentournée. Der Tagessieger Richard Freitag und der Tournée-Leader Stefan Kraft liegen ausser Reichweite.

Urs Huwyler/Innsbruck
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SKI NORDISCH. Nicht überraschend muss Simon Ammann nach einem dramatisch verlaufenen dritten Tournéespringen in Innsbruck weiter auf den ersten Sieg in Österreich warten. Er stand zwar gemeinsam mit dem Japaner Noriaki Kasai hinter Engelberg-Sieger Richard Freitag und Leader Stefan Kraft auf dem Podest, doch dem 33-Jährigen glückte beim 44. Anlauf auf einen Triumph in Österreich der Befreiungsschlag erneut nicht. «Zufrieden kann ich nicht sein. Nach dem ersten Sprung lag Rang eins mit zehn Punkten Rückstand bereits ausser Reichweite», gestand Ammann.

Eine solche Befreiung gelang indes den Deutschen dank Freitag. Im 50. Springen nach der Ära Sven Hannawald stand einer aus der Mannschaft von Trainer Werner Schuster zuoberst auf dem Podest. «Im Skispringen kann es schnell gehen und alles sieht anders aus», versuchte Schuster vor Innsbruck die Ruhe zu bewahren. Nun stoppte mit Freitag ausgerechnet jener Springer die Negativspirale, der in Sotschi nicht zum Olympia-Goldquartett gehört hatte.

Materialdiskussion hält an

Noch nicht vom Tisch sind vor dem letzten Springen in Bischofshofen die Anzugs-Diskussionen. Der Norweger Anders Jacobsen war in Garmisch nach Ansicht der Schweizer nicht regelkonform vor Ammann zum Sieg geflogen. «Die Sache ist mir unangenehm», gestand Disziplinenchef Berni Schödler. Es sei eine Geschichte aufgebauscht worden, die keine derartige Aufmerksamkeit verdiene. Von Betrug könne keine Rede sein. «Es gibt ein Reglement, das es einzuhalten gilt. Im Falle des Anzugs von Jacobsen gab es Unstimmigkeiten.» Dies sei überprüft worden, sagt Schödler.

Trainer Martin Künzle wollte sich nicht festlegen, wie viele Meter der Norweger mit dem Ziehen am Anzug bis zu den Fingern und die dadurch grössere Flugfläche unter den Armen gewonnen habe. «Das lässt sich nicht sagen. Es geht ums Prinzip», betonte der Chefcoach. «Jacobsen hat das gewusst.» Der norwegische Trainer Alexander Stöckl sieht dies anders: «Ich nehme die ganze Sache mit Humor. Der Anzug ist ohne Beanstandung kontrolliert worden. Also ist er in Ordnung.»

Österreicher vor Gesamtsieg

Österreichs Chef Heinz Kuttin sieht die Diskussion im Zusammenhang: «Jede Nation versucht, das Reglement auszureizen, um sich legal kleine Vorteile zu verschaffen. Auch wir tüfteln weiter. Vielleicht sind wir derzeit in einzelnen Bereichen sogar einen Schritt voraus.» Konkreter wurde Kuttin nicht. Die Konkurrenz soll es selbst herausfinden.

Der Gesamtsieg wird seiner Equipe nicht zu nehmen sein. Kraft dürfte sich das Leadertrikot kaum noch ausziehen lassen – auch nicht von Michael Hayböck, der in Innsbruck Schanzenrekord sprang. 23 Punkte oder 13 Meter Vorsprung müssten reichen. «Die Situation ist neu für mich. Momentan stimmt das Selbstvertrauen. Wie es allerdings mit der Nervosität sein wird, wenn ich auf dem Balken sitze, vermag ich nicht zu sagen.» Der Tournéeverlauf habe gezeigt, dass viel passieren könne, versuchte der erst 21-Jährige auf die Bremse zu treten. Er wäre auch mit dem zweiten Tagesrang hinter Ammann zufrieden.