Ammann fehlt die Konstanz

Für Simon Ammann ist der Gesamtsieg in der Vierschanzentournee nach zwei Springen ausser Reichweite. Auch dank eines Materialvorteils ist der Norweger Anders Jacobsen die Nummer eins.

Urs Huwyler/Garmisch
Merken
Drucken
Teilen
Nur Rang 42 in Garmisch: Olympiasieger Simon Ammann blickt fragend in die Welt. (Bild: ap/Kerstin Joensson)

Nur Rang 42 in Garmisch: Olympiasieger Simon Ammann blickt fragend in die Welt. (Bild: ap/Kerstin Joensson)

SKI NORDISCH. Bei Halbzeit der 61. Tournée dürfen weder die Österreicher noch Deutschen die Leaderrolle für sich beanspruchen, sondern die Norweger überzeugen durch die stärkste Mannschaft. Ein mit dem Schuh verbundener Plastikkeil – vergleichbar mit einem Schienbeinschoner – verleiht den Skandinaviern mehr Kraft beim Absprung, der wegen der engen Anzüge an Bedeutung gewonnen hat. «Nach internen Tests dürfte das System bis zu drei Metern bringen. Mehr sagen wir nicht», lassen sich Leader Anders Jacobsen (Sieger 2007) und seine Kollegen nicht in die Schuhe blicken.

Die Aufregung ist vor allem bei den Österreichern spürbar. «Die Norweger haben eine Lücke gefunden. Es ist alles regelkonform», gibt FIS-Kontrolleur Sepp Gratzer Entwarnung. «Die lockere, erfolgsorientierte Stimmung im Team ist entscheidend. Wir spornen uns an», sagt Jacobsen nach den Siegen in Oberstdorf und Garmisch. «Das Kollektiv macht uns stark.» Jacobsen, Tom Hilde als Dritter, Anders Bardal als Sechster sowie Rune Velta und Anders Fannemel auf den Rängen 13 und 17 lassen unter Trainer Alex Stöckl, der wie Deutschlands Chef Werner Schuster am Skigymnasium Stams tätig war, die Österreicher vergessen.

Vorteil Jacobsen

Gregor Schlierenzauer, der als einziger Österreicher noch Chancen auf den Tournéesieg hat, erlebt eine neue Situation. «Mit 13 Punkten Rückstand sind die Chancen für die Titelverteidigung intakt», sagt der Tiroler. «Er springt für sich. Es spielt keine Rolle, ob die Teamkollegen dabei sind», sagt sein Onkel und Manager Markus Prock. «Aber mitentscheidend wird die Stimmung im Team sein. Die Trainer sind gefordert.» Auch, weil Schlierenzauer nach dem ersten Durchgang führte und ihn Jacobsen mit einem Traumsprung auf 143 Meter von Position neun aus noch abfing.

Wie Jacobson würde auch Simon Ammann der Erfolg gegönnt. Doch der Olympiasieger kann die Gesamtwertung als 21. im Zwischenklassement abhaken. Die Versöhnung mit der Tournée findet auch 2013 nicht statt. In Engelberg sprach der Toggenburger von der Höchststrafe, als er den Finaldurchgang verpasst hatte, in Garmisch von einem «jämmerlichen Sprung». Das Schuh-System der Norweger wird bei den Schweizern zum Thema.

Nicht überraschend kassierte Ammann im K. o.-Vergleich mit dem Polen Kamil Stoch eine Niederlage, doch vom Verlierer wurde die Qualifikation über die Punktzahl erwartet. 124 Meter reichten auf einer seiner Lieblingsschanzen – Sieger 2010 und Weiten-Rekordhalter seit 2010 – jedoch nicht. Er wurde lediglich 42., Teamkollege Gregor Deschwanden kam mit 130 Metern auf Rang 34. und war damit bester Schweizer. Beim Siebten Stoch und dessen Teamkollegen soll ein neuer Anzug zusätzliche Meter bringen. Eine weitere Materialdiskussion scheint im Anzug zu sein.

Zu wenig Beschleunigung

Wie beim Heimauftritt in Engelberg war bei Ammann ein schlechter Sprung für die Verunsicherung verantwortlich. In Garmisch stürzte er nach dem überzeugenden Auftritt in Oberstdorf, wo er im Wettbewerb auf Rang sechs landete, in der Qualifikation ab. «Die Konstanz und Sicherheit fehlen», musste er sich eingestehen. «Die Beschleunigung in der Luft klappt nicht.» Der oft zu späte Absprung verhindert die ideale Flugphase. Als Ziel bleibt an der Tournée ein Podestplatz in einem Einzelspringen – morgen in Innsbruck oder am 6. Januar in Bischofshofen.