Amateurin schreibt Geschichte

Fabienne Humm ist an der Frauen-WM beim 10:1-Sieg der Schweiz gegen Ecuador nur eine von zwei Spielerinnen, die noch in der heimischen Liga spielen. Dennoch stellt die 28-Jährige den Rekord für den schnellsten WM-Hattrick auf.

Seraina Degen/Edmonton
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FUSSBALL. Fabienne Humm erlebt ungewöhnliche Zeiten. Sie, die normalerweise morgens um sechs Uhr aufsteht, kann nun während der WM länger liegen bleiben. Sie, die neben dem Fussball als Logistikerin arbeitet, hat nun den Tagesablauf eines Profis. Sie, die sonst in der NLA vor 200 Zuschauern spielt, läuft nun vor Tausenden Anhängern auf. Etwas aber macht Humm trotz der geänderten Umstände immer noch gleich: Sie erzielt Tore am Laufmeter.

Im zweiten WM-Gruppenspiel gewann die Schweiz gegen Ecuador gleich mit 10:1 – drei Tore gingen auf das Konto der Stürmerin vom FC Zürich. Nur gerade 274 Sekunden benötigte die 28-Jährige kurz nach der Pause für ihre drei Treffer und schaffte damit Historisches. Es war dies der schnellste Hattrick in der Geschichte der Frauen-WM. Den bisherigen Bestwert hatte die Japanerin Mio Otani gehalten, die an der WM 2003 für ihre drei Tore acht Minuten benötigte.

«Mehr das Positive sehen»

Hemm ist keine Frau der grossen Worte – sie erklärt ihre Sicht der Dinge in einfachen Sätzen. Sie würde sich nie in den Vordergrund drängen, auch nicht nach ihrem Auftritt gegen Ecuador. Nebst Eseosa Aigbogun von Basel war Humm die einzige Schweizerin in der Startformation, die noch in der heimischen Liga engagiert ist. Deshalb sagt die Aargauerin über ihre Rolle im Nationalteam: «Ich bin schon wichtig, mehr aber nicht. Mit einer Lara Dickenmann oder Ana-Maria Crnogorcevic würde ich mich nie vergleichen.»

So bescheiden sie sich im Gespräch gibt, so kämpferisch und selbstbewusst tritt sie auf dem Rasen auf. «Das erste, was mir an Fabienne auffiel war, dass sie in jeden Zweikampf geht», sagt Teamkollegin Dickenmann. Für Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist Fabienne Humm eine «ehrgeizige und flexible Spielerin». Manchmal sei sie noch zu kritisch mit sich. «Sie dürfte mehr das Positive sehen», so die Nationaltrainerin.

Unbezahlter Urlaub für WM

Im Gegensatz zu Dickenmann ist Humm kein Profi, sondern arbeitet als Logistikerin. Wenn ihre Arbeitskollegen den Feierabend geniessen, geht es für sie ins Training. Es sind lange Tage, welche die gelernte Kauffrau zu bewältigen hat. Seit vergangenem Januar hat die fünffache Schweizer Meisterin ihr Arbeitspensum immerhin auf 80 Prozent reduziert: «Ich brauchte die Zeit für zusätzliches Training und mehr Regeneration.» Ferien gönnte sie sich letztmals vor zwei Jahren. Die vier Wochen, die sie zugute hat, verbraucht sie für Einsätze mit dem Nationalteam. Wenn sie mit ihrem Club im Trainingslager oder in der Champions League unterwegs ist, muss sie unbezahlte Ferien nehmen.

Für die WM hat sie zusätzliche zwei Monate unbezahlten Urlaub genommen. Mit Auftritten wie gegen Ecuador macht Humm aber auf sich aufmerksam. Bereits vor einem Jahr hatte sie Angebote für einen Profivertrag im Ausland, die sie aber abgelehnt hat. «Es müsste alles stimmen. Ich will meinen Job und den FC Zürich nicht Hals über Kopf verlassen.» Zu viele Gedanken über die Zukunft macht sie sich momentan nicht. Denn schon morgen trifft die Schweiz im letzten Gruppenspiel auf Kamerun und kann in den Achtelfinal einziehen.