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Hitze bringt Tennisspieler im Arthur-Ashe-Stadion an den Rand des Kollapses

Heiss, heisser und noch viel heisser: Tennis als Extremsport – an den US Open geraten Federer, Williams und Co. so richtig ins Schwitzen
Jörg Allmeroth, New York
Novak Djokovic mit einem «Ice-Bag» auf den Schultern.Bild: Jason Szenes/Keystone (New York, 28. August 2018)

Novak Djokovic mit einem «Ice-Bag» auf den Schultern.Bild: Jason Szenes/Keystone (New York, 28. August 2018)

Es war Mitte des zweiten Satzes, in der glühenden Hitze des Ar­thur-Ashe-Stadions, als Novak Djokovic den Ballkindern eine ungewöhnliche Bitte übermittelte. Man solle einen Eimer in der Nähe seiner Sitzbank aufstellen, so Djokovic, «falls ich mich demnächst übergeben muss». Wie ein Verirrter in der Wüste sah Djokovic in jenem Moment aus, das Gesicht krebsrot und ausgemergelt, der Blick leer, stier nach vorne ­gerichtet. «Ich war nur noch im Überlebensmodus», sagte der Wimbledon-Champion, der 13-malige Grand-Slam-Sieger, hinterher. Irgendwie schlug sich Djokovic in der Grand-Slam-Hölle noch zu einem Vier-Satz-Sieg gegen den Ungarn Marton Fucsovics durch, zwischendrin schluckte er auch Pillen, um seinen Kreislauf zu stabilisieren: «Es war schockierend. Ich habe nur noch gebetet, dass ich mich wieder besser fühlen kann.»

Ausgerechnet bei den US Open erlebt der Hitzesommer auch in den Vereinigten Staaten einen brutalen Höhepunkt. Beim letzten Grand-Slam-Turnier der Saison sind die Ausscheidungsspiele zum Extremsport geworden, selbst erfahrene Tourkräfte wie Angelique Kerber können sich nicht erinnern, «schon mal so etwas erlebt zu haben». Als die Wimbledon-Gewinnerin darauf angesprochen wurde, dass die Bedingungen sich noch verschärfen könnten, schüttelte sie leicht irritiert den Kopf: «Schlimmer geht’s gar nicht mehr.» Auf dem Grandstand-Platz spielten sich beim Match von Australian-Open-Siegerin Caroline Wozniacki gegen die Australierin Sam Stosur sogar dramatische Szenen ab: Wozniackis Mutter Anna musste völlig entkräftet, leicht desorientiert, vom Platz geführt werden, während ihre Tochter unten um den Sieg kämpfte. «Sie stand unmittelbar vor einem Kollaps», erklärte Wozniackis Trainervater Piotr.

Temperaturen von 38 Grad im Schatten, die auf den sonnenüberfluteten Courts bis zu 50 Grad und mehr hochschnellten, dazu extreme Luftfeuchtigkeit: Das ganze Billie-Jean-King-Tenniscenter glich einer Open-Air-Sauna. «Auf dem Court fühlte ich mich, als wenn ich sterben müsste», gab der Argentinier Leo Mayer zu Protokoll, einer von fünf Profis, die allein am Dienstag aufgeben mussten. Das Ganze sei ein «einziger Albtraum», erklärte die Französin Alize Cornet, die während ihrer Drei-Satz-Niederlage ebenfalls medizinisch behandelt werden musste.

Alle Spieler liessen sich während jeder Pause Ice-Bags um den Nacken legen. Tausende Fans flüchteten sich in jedes nur mögliche schattige Fleckchen, viele nahmen in der Mittags- und Nachmittagssonne zunächst gar nicht ihre Plätze ein.

Die Spieler lagen reihenweise auf dem Boden

Derart prekär war die Lage, dass sich der ausrichtende US-amerikanische Tennisverband (USTA) zu einer Notverfügung aufgerufen fühlte. Erstmals in der Geschichte des New Yorker Grand-Slam-Spektakels durften auch die männlichen Profispieler vor dem vierten Satz eine «Hitzepause» nehmen, für genau zehn Minuten. Bei den Frauen gibt es ohnehin im Regelwerk schon länger den Passus, der bei einer bestimmten Wetterlage – extreme Wärme und extreme Luftfeuchtigkeit – einen Matchstopp für zehn Minuten vor dem dritten Satz vorsieht. Die Spuren des Hitze-Chaos waren gleichwohl unübersehbar: «In den Umkleidekabinen lagen die Spieler reihenweise einfach am Boden. Total am Ende, total erschöpft», sagte der Italiener Stefano Travaglia, der seine Partie ebenfalls aufgeben musste, «es war kein Tag, um Leistungssport zu treiben.»

Ab sofort tickt die Aufschlag-Uhr

Die zweimalige Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova beschrieb ihren Einsatz gegen die Belgierin Yanina Wickmayer als «mörderisch. Wir alle haben die Vorhersagen gehört. Aber man kann sich überhaupt nicht vorstellen, was es bedeutet, an so einem Tag auf dem Court zu stehen.» Zu allem Überdruss tickt seit dem ersten Tag dieser US Open nun auch unbarmherzig die sogenannte Aufschlag-Uhr für die Profis. Binnen 25 Sekunden nach dem letzten gespielten Punkt muss nun der Aufschlag erfolgen, wer trödelt, bekommt Sanktionen zu spüren – ihm wird dann ein Service abgezogen. «Dieses Limit bei dieser Hitze einzufordern, ist fast unmenschlich», sagte die frühere Weltklassespielerin Pam Shriver. Doch die USTA liess über ihren Sprecher Chris Widmaier wissen, «dass sich an diesem Prozedere auf keinen Fall ­etwas ändern wird.» Auch die ­beweglichen ­Dächer über dem Centre Court und dem Armstrong-Stadion sollten nicht geschlossen werden, so Widmaier: «Wir wollen gleiche Bedingungen für alle Teilnehmer.»

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