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Am Freitag wird die Euro 2024 vergeben: Eine türkische Bewerbung mit Makel

Eine Bewerbung mit Makel Fussball  Heute vergibt die Uefa die EM 2024. Die Türken sehen sich entgegen aller Prognosen gegenüber den Deutschen im Vorteil. Doch die Nähe der Bewerbung zu Recep Tayyip Erdogan könnte zum Problem werden.
Marco Mader
Die Türkei will erstmals eine Fussball-Endrunde austragen. (Bild: AP)

Die Türkei will erstmals eine Fussball-Endrunde austragen. (Bild: AP)

(sid) Recep Tayyip Erdogan zeigt sich gerne als strahlender Sieger. Doch heute könnte der türkische Staatspräsident als Verlierer aus dem Flugzeug steigen – und das ausgerechnet in Berlin. Dann wird Erdogan in der Hauptstadt zum Staatsbesuch erwartet. Nur wenige Stunden, nachdem in Nyon über die Vergabe der Fussball-EM 2024 an Deutschland oder den Mitbewerber Türkei entschieden wurde. Die EM ist für Erdogan, der früher selbst ein talentierter Fussballer war, ein persönliches Prestigeobjekt. Mit seinen guten Verbindungen in die Baubranche hat er viele Stadien sanieren oder neu errichten lassen. Die Arenen – dieser angeblich «westliche» Begriff steht bei Erdogan übrigens auf dem Index – sind in Staatshand und sollen 2024 mietfrei genutzt werden können.

Das Motto der Türken: Miteinander teilen

Überhaupt verspricht Erdogan der Uefa Steuerfreiheit und rie­sige Gewinne. DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht mit Argwohn, dass die Mitbewerber «so ziemlich alles garantieren, was nicht niet- und nagelfest ist», wie er am Rande des Länderspiels in München Anfang September sagte. Zumal Uefa-Präsident Aleksander Ceferin den Aspekt der Verdienstmöglichkeit als «absolut entscheidend» für den Verband bezeichnete. Vorteil Türkei? Tatsächlich spricht einiges für den einzigen Kontrahenten der Deutschen. Die Bewerbung mit dem Herzen Istanbul und acht weiteren Städten unter dem Motto «Share together» – miteinander teilen – setzt neben den neuen Stadien auf leidenschaftliche Anhänger und den Faktor Gastfreundschaft. Nationaltrainer Mircea Lucescu sagte:

«Nach drei vergeblichen Anläufen 2008, 2012 und 2016 ist nun die Türkei an der Reihe, um die Bühne zu betreten»

Die Werbetrommel wird gerührt

Ausländische Spieler der heimischen Liga wie Samuel Eto’o, Robinho oder Emmanuel Adebayor machen sich für die Kampagne stark. Die Türkei habe «bewiesen, dass sie bereit ist für die EM. Jetzt sind wir dran», sagte Verbandspräsident Yildirim Demirören. Demirören, ein Vertrauter Erdogans, steht für die dunklere Seite der Bewerbung. Seine Holding hat die letzte unabhängige Mediengruppe Dogan Media Group übernommen und auf Linie gebracht. Der türkische Fussballverband unter der Leitung Demirörens wird von der Regierung unterstützt, Staatsunternehmen sind Sponsoren und sollen auch die EM 2024 finanzieren. Demirörens Stellvertreter, Servet Yardimci, Multimillionär und Chef der Bewerbung, war sich im Vorfeld der Entscheidung nicht zu schade, die Causa Mesut Özil für seine Zwecke zu benutzen. «Es ist eine internationale Geschichte geworden und sehr unglücklich», sagte er, «ich hoffe, das wirkt sich letztlich zu unseren Gunsten aus.»

Der Versuch des Stimmenkaufs

All dem steht die politische Grosswetterlage entgegen. Erdogans Machtausweitung, die Verhaftung Zehntausender Oppositioneller, die zunehmende Kluft zur Europäischen Union, die stark eingeschränkte Pressefreiheit – all das sieht auch die Uefa. Der Evaluierungsbericht nennt das «Fehlen eines Aktionsplans in Sachen Menschenrechte pro­blematisch». Präsident Ceferin möchte darüber nicht reden, betonte aber, der europäische Fussballverband habe diesen Punkt «natürlich im Auge». Dasselbe gilt auch für die versuchte Einflussnahme auf die stimmberechtigten Exekutivmitglieder. Dass diese zu einer Gala nach Istanbul geladen waren, ist laut Ceferin ein ungeheuerlicher Vorgang. Er sagte:

«Keiner sollte dort erscheinen, wir wollen keinen Schatten über dieser Vergabe.»

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