Als «Täfelibueb» oder Helfer

Arnold Forrer hat sich am Sonntagmorgen am Schwägalp-Schwinget die Schulter verletzt - er kann nicht mehr an den Wettkämpfen teilnehmen. Das Bergfest auf der Schwägalp wird in diesem Jahr erst zum 16. Mal ausgetragen.

Christof Krapf
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Findet wie dieses Jahr kein eidgenössischer Anlass statt, ist der Schwägalp-Schwinget für die Nordostschweizer der Saisonhöhepunkt. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Findet wie dieses Jahr kein eidgenössischer Anlass statt, ist der Schwägalp-Schwinget für die Nordostschweizer der Saisonhöhepunkt. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Der Säntis der sich mächtig über dem Schwingplatz erhebt, die Naturarena mit über 10000 Zuschauern: Für die meisten Schwinger aus den Ostschweizer Kantonen ist der Schwägalp-Schwinget der Saisonhöhepunkt. Ein Toggenburger, ein Appenzeller und ein Thurgauer erzählen von ihrem persönlichen Bezug zur Schwägalp.

Arnold Forrer (Bild: Ralph Ribi)

Arnold Forrer (Bild: Ralph Ribi)

Arnold Forrer
Den Rekordsieger zieht es bereits am Tag vor dem Schwägalp-Schwinget auf den Pass zwischen Appenzellerland und Toggenburg. Arnold Forrer hilft jeweils beim Aufbau der Absperrzäune rund um den Schwingplatz. «Das ist zu einem festen Ritual geworden», sagt der 36jährige Schwingerkönig. dieses jahr ist für ihn der Einsatz auf der Schwägalp nur kurz: Arnold Forrer hat sich am Sonntagmorgen an der Schulter verletzt. Obwohl Forrer an einer Adduktorenzerrung laboriert, ist er auch dieses Jahr als Helfer dabei, bevor er tags darauf in die Zwilchhosen steigt. Der Toggenburger, der von seiner Haustür in wenigen Minuten zum Schwingplatz fährt, ist seit dem ersten Fest im Jahr 2000 dabei. Die Kulisse beeindruckt ihn trotzdem immer aufs neue. «Es ist unbeschreiblich. Der Säntis, der sich erhebt und die Tausenden von Zuschauern. Das ist schon speziell.» Neun Kränze und vier Festsiege hat Forrer auf der Schwägalp geholt – manche bezeichnen den Schwingplatz am Fuss des Säntis deshalb als sein «Wohnzimmer». Besonders gut erinnert sich der Toggenburger an seinen ersten Sieg auf der Schwägalp. 2001 griff er im Schlussgang mit seinem Clubkollegen Jörg Abderhalden zusammen. König Abderhalden reichte ein Gestellter; Forrer musste gewinnen. Die Zeit verstrich, erst zwei Sekunden vor Schluss bodigte Forrer seinen Kontrahenten. «Das war der Hammer. 2001 erlebte ich auf der Schwägalp eines der besten Feste meiner Karriere.» Noch besser kam es für ihn damals einen Monat später: In Nyon wurde Forrer Schwingerkönig – nach einem gestellten Schlussgang gegen Abderhalden.

Raphael Zwyssig (Bild: ky/Urs Flüeler)

Raphael Zwyssig (Bild: ky/Urs Flüeler)

Raphael Zwyssig
Als im Jahr 2000 das erste Bergfest auf der Schwägalp ausgetragen wurde, war Raphael Zwyssig ein 13jähriger Jungschwinger. Der Ausserrhoder verkaufte zwischen den Gängen Ranglisten und betätigte sich als «Täfelibueb». Letztere zeigen den Zuschauern mittels Einstellen der Startnummern und Drehen der Tafel an, wer im Ring gerade mit wem zusammen greift. «Für uns war damals ein riesiges Erlebnis, so hautnah an unseren Vorbildern zu sein», sagt Zwyssig. Damals drückte der Sieger des diesjährigen Appenzeller Kantonalen den Ostschweizer Schwingerkönigen Thomas Sutter und Jörg Abderhalden die Daumen und bat die beiden um Autogramme. Schon damals träumte Zwyssig davon, auf der Schwägalp einmal selber im Sägemehl zu stehen. Der Traum wurde 2008 wahr. Seinen ersten Kranz holte der heute 28-Jährige vor zwei Jahren. Diese Auszeichnung peilt er auch in diesem Jahr an. «Erstes Ziel ist aber, am Abend gesund heimzukommen.» Wie Forrer schwärmt auch Zwyssig von der Bergkulisse auf der Schwägalp und den Zuschauern, von denen er viele persönlich kennt. «Ich fühle mich in der Nähe des Säntis wohl und mache auch die Wanderung von der Schwägalp hinauf zum Gipfel gerne.» Die Kulisse motiviere und gebe ihm zusätzliche Energie. «Hoffentlich auch dieses Jahr», so Zwyssig.

Stefan Burkhalter (Bild: Urs Jaudas)

Stefan Burkhalter (Bild: Urs Jaudas)

Stefan Burkhalter
Liebe auf den ersten Blick war es nicht zwischen Stefan Burkhalter und der Schwägalp. «Einmal erreichte ich nicht einmal den sechsten Gang, sondern musste wegen zu wenigen Punkten vorzeitig unter die Dusche», sagt der Thurgauer. Wann dies genau war, weiss der heute 41-Jährige nicht mehr genau. Burkhalters Liebe zur Schwägalp wurde 2006 entfacht: Punktgleich mit Jörg Abderhalden und Adrian Laimbacher wurde er Sieger. Dass er den Triumph teilen musste, hat den Eidgenossen nicht gestört. Wohl auch deshalb, weil er 2010 erneut triumphierte – diesmal alleine. Vier Kranzfeste hat Burkhalter in seiner Karriere für sich entschieden – zwei davon auf der Schwägalp. Dass dort ein spezielles Fest stattfindet, spürt der Thurgauer bereits am Morgen. «Ich fahre motivierter und nervöser auf die Schwägalp als an andere Feste.» Je näher er der Passhöhe und dem Schwingplatz kommt, desto grösser wird bei ihm die Spannung.

Der Moment, wenn er die Arena mit den über 10 000 Zuschauern betritt, ist für ihn unbeschreiblich. «Ich bin zwar seit über 20 Jahren im Schwingen dabei. Trotzdem steigt auch bei mir der Puls jedesmal an.» Burkhalter ist der älteste aktive Eidgenosse und der älteste Teilnehmer am Schwägalp-Schwinget. Dass mit ihm auch mit über 40 Jahren noch zu rechnen ist, hat der Homburger im vergangenen Jahr bewiesen: Burkhalter fehlte nur ein Viertelpunkt zum Schlussgang; als Dritter war er bester Nordostschweizer. «Dieses Jahr will ich einen Kranz holen.» Die Siegerehrung will er unbedingt erleben: «Wenn man als einheimischer Kranzgewinner durch die beiden riesigen Festzelte gehen darf, ist das ein Gänsehaut-Moment.»