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Die russische Eishockey-Liga steht im Schatten der Nordamerikaner

In dieser Woche finden in Zürich Spiele der russisch geprägten Eishockeyliga KHL statt. Seit der Gründung 2008 hinkt sie den Ansprüchen hinterher. Denn Russland ist anders. Deshalb wird die KHL wohl immer im Schatten der NHL stehen.
Daniel Good
Der frühere NHL-Star Pawel Dazjuk (am Puck) bringt im Zürcher Hallenstadion die Verteidigung von Dinamo Riga in Bedrängnis. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Der frühere NHL-Star Pawel Dazjuk (am Puck) bringt im Zürcher Hallenstadion die Verteidigung von Dinamo Riga in Bedrängnis. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Russen sind vor gut zehn Jahren angetreten, um mit der KHL die nordamerikanische NHL zu konkurrenzieren. Auf dem Eis sind die Osteuropäer den Kanadiern längst ebenbürtig. Im Kommerziellen aber haben die Amerikaner die Nase um Längen vorne.

Der beste Beweis dafür ist Alexander Owetschkin. Der stärkste russische Spieler steht seit 2005 in der NHL im Einsatz, nicht in der KHL. Der mittlerweile 35-jährige Flügelstürmer gewann im Frühling mit den Washington Capitals den Stanley-Cup, die wichtigste Trophäe im Eishockey. Owetschkin verdient mehr als zehn Millionen Dollar.

Der aktuelle Titelträger und Rekordmeister in der KHL heisst Bars Kasan. Das Team erhielt nach dem Finalsieg gegen ZSKA Moskau den Gagarin-Pokal, benannt nach dem sowjetischen Kosmonauten Juri. Die offizielle Währung in der KHL ist der Rubel. Im August trat Bars Kasan in der Saisonvorbereitung gegen Davos an und gewann in Riga 4:2.

Als die Solothurner anklopften

Die KHL, die Abkürzung für Kontinental Hockey League, ist bekannter für Vorfälle der skurrilen Art als für Prosperität. Einst war sogar ein Schweizer Club im Gespräch als Mitglied der KHL. Aber nicht etwa der SC Bern oder die ZCS Lions, sondern Huttwil.

Als «Helvetics» oder «Falcons» wären die Solothurner, die auch heute in der 1. Liga spielen, in der KHL angetreten. Im Dezember 2011 vermeldeten die Russen offiziell, dass Huttwil ab der Saison 2014/15 an der KHL teilnehmen werde. So weit kam es aber nicht. Die Flughöhe der Huttwiler Falken (Falcons) genügte doch nicht.

Als der Schweizer "Muh" sagen musste

Ein Schweizer spielte schon in der KHL. Der Goalie Martin Gerber, Stanley-Cup-Gewinner 2006, schloss sich 2009 dem Moskauer Vorortsclub Atlant Mytischtschi an. Auf dem Eis war es ein unglückliches Jahr für den Emmentaler. Er wurde schwer verletzt. Nach einem Zusammenprall blieb Gerber im Dezember 2009 mit einer Halswirbelverletzung auf dem Eis liegen.

Auch der Alltag in Russland war tückisch. Wenn Gerber Rindfleisch kaufen wollte, sagte er in der Metzgerei «Muh» und machte mit den Fingern Hörner nach. Er wechselte wieder nach Kanada zu den Edmonton Oilers. In Mytischtschi gingen wegen finanzieller Probleme 2015 die KHL-Lichter aus.

Häufiger in der Luft als auf dem Eis

Während in der NHL immer mehr Clubs spielen, ging die Anzahl der Teilnehmer an der KHL in den vergangenen Jahren zurück. In der Saison 2016/17 waren 29 Clubs mit von der Partie, in diesem Winter sind nur noch 25 Mannschaften dabei.

Von Bratislava bis Wladiwostok gibt es zehn Zeitzonen. Die Mannschaften sind häufiger in der Luft als auf dem Eis. Im September 2011 kam bei einem Flugzeugabsturz fast das ganze Team des Spitzenclubs Lokomotive Jaroslawl ums Leben.

Die Organisation, die hinter der KHL steht, tut viel, um das Produkt zu vermarkten. Mittlerweile spielen Clubs aus sieben Ländern in der russisch geprägten Meisterschaft. 19 Mannschaften kommen aus Russland, je eine aus Kasachstan, Finnland, Lettland, der Slowakei, Weissrussland und China. Jokerit Helsinki, das einzige Team aus Westeuropa, stiess 2014 dazu. Kunlun Red Star, die Equipe aus Peking, wurde 2016 aufgenommen. Die Expansion nach Tschechien und Kroatien scheiterte hingegen.

Russische Charmeoffensiven

In der KHL wird gut bezahlt. Manch ausländischer Topstar aus der Schweizer NLA wechselte wegen des Geldes gen Osten. Zum Beispiel der Finne Tommi Santala, der Kloten im Dezember 2016 Richtung Magnitogorsk verliess. Aber schon im folgenden Sommer war er zurück in der Schweiz.

Das Leben im grossen russischen Reich kann unwirtlich sein. Und ob der versprochene Lohn auch immer überwiesen wird, ist ungewiss. Die Clubbesitzer in der KHL sind meistens Oligarchen, die Niederlagen gar nicht schätzen.

Die zweite Station

Die KHL kommt mit der Hoffnung in die Schweiz, Fuss zu fassen im finanzkräftigen Mitteleuropa. Das war schon die Idee mit Huttwil. Unbescheiden nennen die Osteuropäer die beiden Partien dieser Wochen im Zürcher Hallenstadion «KHL World Games». Zürich ist die zweite Station der russischen Charmeoffensive in Mitteleuropa. Vor einem Monat trat das slowakische Team Slovan Bratislava in Wien zweimal gegen Riga an.

Pannen während der Nationalhymne

Mannschaften aus der KHL spielten schon in der Schweiz. St. Petersburg gewann 2010 in Davos den Spengler-Cup. Das Team aus der Zarenstadt stellt aktuell die teuerste Mannschaft in Europa. Mit Pawel Dazjuk spielt sogar ein russischer Superstar für St. Petersburg. Der Olympiasieger, Weltmeister und zweifache Stanley-Cup-Gewinner erzielte am Montagabend in Zürich auf magistrale Weise das wegweisende 2:1 für St. Petersburg, das sich schliesslich gegen Riga 3:1 durchsetzte.

Gut 4000 Zuschauer verloren sich ins Hallenstadion. Es war ein offizielles KHL-Meisterschaftsspiel. Während des Singens der russischen Nationalhymne streikte das Mikrofon mehrmals. Aber die vielen russischen Zuschauer sangen kräftig mit in der Oerliker Arena und überbrückten die Panne.

Die Tür steht offen

Der Zürcher Matchwinner Dazjuk wurde im Juli 40-jährig. 2016 zog es ihn aus Detroit zurück in die Heimat. Alexander Owetschkin hat also noch drei Jahre Zeit, um einen Wechsel in die KHL vorzubereiten. Die Türen stehen auf alle Fälle sperrangelweit offen.

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