Alonso zeigt Red Bull die Hörner

Sebastian Vettel wird im Formel-1-GP von Silverstone durch einen missglückten Boxenstop ausgebremst. Ferrari-Pilot Fernando Alonso nutzt dies aus und siegt wie einst Froilan Gonzales vor 60 Jahren für den italienischen Rennstall.

Peter Lattmann/Silverstone
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Durchbricht die Dominanz von Red Bull-Renault: Fernando Alonso triumphiert nach dem Rennen in Silverstone. (Bild: epa/Valdrin Xhemaj)

Durchbricht die Dominanz von Red Bull-Renault: Fernando Alonso triumphiert nach dem Rennen in Silverstone. (Bild: epa/Valdrin Xhemaj)

Automobil. Am Schauplatz des ersten Grand-Prix-Erfolges vor genau 60 Jahren ist Ferrari auf die Siegesstrasse zurückgekehrt. Die umstrittene Anpassung des Motorenmanagements während der Saison hat der Formel 1 einen neuen Sieger beschert, doch der Grund für Fernando Alonsos Triumph vor einer Rekordkulisse von 122 000 Zuschauern in Silverstone war ein anderer: Am Red-Bull-Renault des bis zu diesem Zeitpunkt klar führenden Sebastian Vettel klemmte beim zweiten Reifenwechsel das linke Hinterrad und diese Chance liess sich der bei extrem schwierigen Verhältnissen fehlerlose Spanier nicht entgehen. Am 14. Juli 1951 hatte der Argentinier Froilan Gonzales gleichen Orts als erster Ferrari-Fahrer überhaupt einen Formel-1-WM-Lauf gewonnen und genau mit diesem Ferrari 375 durfte der Spanier zwei Stunden vor dem 261. Grand-Prix-Sieg der Italiener, dem ersten seit Korea 2010, einige Demonstrationsrunden drehen.

Teamorder bei Red Bull

Grosse Auswirkungen auf den WM-Stand hat das Erfolgserlebnis von Ferrari aber nicht. Da Sebastian Vettel den zweiten Platz gegen seinen zuletzt mächtig Druck machenden Teamkollegen Mark Webber verteidigen durfte – der entsprechende Funkspruch entsprach gar nicht der vielgepriesenen Freiheit bei Red Bull –, liegt der Deutsche jetzt schon 80 Punkte vor dem Australier. Alonso als Dritter hat 92 Punkte weniger und das McLaren-Duo schon 95.

Misstöne bei McLaren

Der Traum vom Heimsieg war für McLaren nur ein kurzer: Jenson Button parkierte seinen Wagen in der Boxenausfahrt, weil das rechte Vorderrad nicht richtig befestigt war. Der immer heftiger gegen seine Truppe keifende Lewis Hamilton kämpfte sich zwar spektakulär vom zehnten auf den zweiten Platz vor, sah sich aber schon früh zum Benzinsparen gezwungen und konnte sich zuletzt Felipe Massa im zweiten Ferrari nur knapp vom Leibe halten.

Sauber trotz Pech stark

Sauber war sogar schneller als Mercedes. Kamui Kobayashi realisierte als Achter sein bisher bestes Qualifying, sah sich aber wegen eines Öllecks zur Aufgabe gezwungen. Sergio Perez erzielte mit dem siebten Schlussrang sein bestes Resultat. Der erste Boxenstop Kobayashis hat für den Schweizer Rennstall Folgen. Die Rennkommission der FIA taxierte die Wegfahrt des Japaners, bei der es fast zur Kollision mit Pastor Maldonado gekommen wäre, als gefährliche Aktion und büsste Sauber mit 20 000 Euro.