«Alles wird um einiges grösser»

Der Thurgauer Marcello Albasini ist Sportchef bei IAM Cycling. Die Schweizer Equipe bestritt bisher nur Rennen der zweithöchsten Kategorie oder musste für die Klassiker eingeladen werden. Nun hat sie die Lizenz für die World Tour erhalten. Die höchste Stufe wird herausfordernd.

Christian Brägger
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Herr Albasini, was gab den Ausschlag dafür, dass IAM Cycling die Lizenz für die World Tour erhielt?

Marcello Albasini: Da gab es mehrere Aspekte. Einer ist sicher der sportliche. Wir stockten im zweiten Jahr unseres Bestehens personell auf, und wir lieferten sehr gute Resultate. So hatten wir am Ende dieser Saison genügend Zähler, um punktemässig auf die hinteren der 18 World-Tour-Teams aufzuschliessen.

Ein Platz in der World Tour wurde nach der Fusion von Cannondale und Garmin frei. War der Schweizer Rennstall der einzige Anwärter, der diesen beerben konnte?

Albasini: Auch die Equipe Europcar war im Rennen. Als die Diskussion um den Zusammenschluss jener zwei Mannschaften aufkam, waren wir mit Europcar ungefähr gleichauf, das heisst in etwa 17. der Weltrangliste. Als die Fusion definitiv wurde und die Anfrage des Weltverbands kam, gab es für unseren Aufstieg keinen besseren Moment.

Das hat wohl alleine mit den drei grossen Landesrundfahrten ziemliche finanzielle Auswirkungen.

Albasini: Bisher betrug unser Budget in etwa zehn bis zwölf Millionen Franken. Neu werden wir zwei bis drei Millionen Franken mehr benötigen. Budget hin oder her, wir funktionieren sowieso so: Brauchen wir etwas, wovon wir überzeugt sind, dann kaufen wir es – und umgekehrt.

Es gibt sicher noch weitere Komponenten, die man beachten muss.

Albasini: Wir brauchen mehr Rennfahrer. 24 waren wir in dieser Saison, 29 werden wir im kommenden Jahr sein. Wir benötigen auch sonst mehr Personal: Zwei weitere Masseure, zwei Mechaniker, auch temporär kommen Leute hinzu. Zudem muss die Infrastruktur ausgebaut werden, ein dritter Bus und auch ein Lastwagen müssen her. Alles wird um einiges grösser.

Aber die Vorteile überwiegen, oder?

Albasini: Genau, und nicht nur, was das Sportliche anbelangt. Planungsmässig wissen wir endlich genau, wann wir wo fahren. Das kannten wir bisher nicht.

Die Vorbereitung bleibt gleich?

Albasini: Nicht ganz, nun dauert die Saison ja einen Monat länger. Die Profis, die im Januar die Tour Down Under in Australien bestreiten, fahren ab nächster Woche bereits ins Trainingslager.

Die Teamleader sind die selben?

Albasini: Ja. Mathias Franck ist unser Chef für die Rundfahrten, für die Klassiker ist es Sylvain Chavanel und Heinrich Haussler.

Und Ihr Sohn Michael?

Albasini: Ihm gefällt es in seinem australischen Team. Ich wüsste auch nicht, ob unsere Seite das Geld ausgeben wollte, um ihn aus seinem Vertrag loszukaufen. Sicherlich aber hätten wir mit Michael eine gewisse Garantie für gute Resultate. Und natürlich reizt ihn ein Schweizer Team.

Was wird aus Ihnen?

Albasini: Ich werde bei IAM bleiben. Aber einen Vertrag habe ich noch nicht unterzeichnet.