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ALLEINHERRSCHER: «Manchmal bin ich ein Vulkan»

Angelo Renzetti führt den FC Lugano als Präsident und Sportchef. In St. Gallen erwartet er heute Abend um 19 Uhr mindestens einen Punkt. Das wäre auch für die Position von Trainer Pierluigi Tami gut.
Pascal Berger
Angelo Renzetti ist seit 2010 als Präsident des FC Lugano tätig. (Bild: Samuel Golay/KEY)

Angelo Renzetti ist seit 2010 als Präsident des FC Lugano tätig. (Bild: Samuel Golay/KEY)

Pascal Berger

Angelo Renzetti, worin besteht der Reiz, Präsident eines Super-League-Clubs zu sein?

Für mich ist die Leidenschaft für den Fussball der grösste Antrieb. Es ist die Lust, etwas zu schaffen, an dem viele Leute Freude haben. Und ich darf sagen: Wir haben schon viel erreicht, mehr als in unseren Möglichkeiten steht. Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Das Problem ist nur: Die Erwartungen steigen immer weiter. Und um sie erfüllen zu können, braucht es mehr Geld.

Aber solange Lugano an der Europa-League-Gruppenphase teilnehmen darf, werden Sie sicher ein glücklicher Clubchef sein, oder?

Normalerweise klappt eine Qualifikation nicht mit einem Budget von sieben Millionen Franken, wie wir es in der vergangenen Saison noch hatten. Aber um auf die Frage zu antworten: Ja, natürlich macht es mich glücklich und stolz, aber es gibt auch Sachen, die belastend sind.

Zum Beispiel?

Die sportliche Situation ist derzeit nicht angenehm, wir liegen am Tabellenende und wollen so schnell wie möglich da weg. Und schwierig ist auch die Situation mit dem Stadion. Wir müssen unsere Europa-League-Heimspiele in Luzern austragen, weil das Cornaredo die Anforderungen nicht erfüllt. Das bedeutet, dass unsere Fans weit reisen müssen, um die Mannschaft unterstützen zu können. Zudem wachsen mit der Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb die Ansprüche der Spieler.

Das heisst?

Sie wollen mehr verdienen. Wir mussten unser Budget nach oben anpassen, sind jetzt bei rund zehn Millionen Franken. Wegen der Dreifachbelastung war es nötig, ein grösseres Kader zusammenzustellen. Wir haben 26 Spieler.

Damit hat das Kader eine ansehnliche Breite. Aber verfügt es auch über genügend Substanz?

Die Qualität ist ganz bestimmt nicht schlecht. Allerdings haben viele Spieler noch zu wenig Erfahrung.

Sie stehen als Präsident in der Verantwortung und unter Druck. Erklärt das ihren Schwächeanfall nach dem Match bei Viktoria Pilsen?

Ich habe keine Angst, mich zu ­exponieren, es macht mir nichts aus, einen Club zu führen. Und was den Schwächeanfall betrifft: Das Problem war, dass ich gerade eine Diät mache. Dann kam dieses Spiel, in dem es nicht lief, wie ich mir das vorstelle. Es war etwas viel auf einmal. Aber es ist alles wieder bestens.

Trotzdem, Sie haben sich in Pilsen ziemlich aufgeregt über die taktische Ausrichtung des Trainers. Ist die Spielstrategie nicht Sache von Pierluigi Tami?

Ich wurde nach der Partie gefragt und sagte nur, dass ich es für falsch hielt, Bottani so defensiv aufzustellen. Ja, mich störte das.

Es störte Sie auch, dass Tami danach sagte, jeder im Verein solle seine Aufgabe machen. Er trainiere das Team, Sie sollten den Club führen...

Ich bin der Präsident, der den Spielern und dem Trainer Monat für Monat den Lohn überweist. Also habe ich schon noch das Recht zu sagen, was ich denke. Das hat für mich nichts mit Einmischen zu tun. Das habe ich Pierluigi erklärt. Und jetzt herrscht wieder Ruhe.

Wie nahe dran waren Sie, ihn zu entlassen?

Das ist kein Thema, weil ich sehe, wie gut das Trainerteam arbeitet. Ein Wechsel wäre keine intelligente Massnahme. Aber ja: Er muss schon Resultate liefern.

Von Ihnen heisst es, Sie könnten sehr impulsiv werden.

Wenn ich auf der Tribüne zuschaue, bin ich manchmal ein Vulkan. Beim Fussball bin ich emotional, als wäre ich selber auf dem Platz. Ich bin ein Präsident, der mitfiebert, mitleidet, keiner, der nüchtern dasitzt und am liebsten nur Zahlen studiert.

Sie könnten Aufgaben delegieren. Zum Beispiel an einen Sportchef.

Ich will und brauche keinen. Der FC Lugano ist einmal in Konkurs gegangen. Das darf nicht mehr passieren. Darum will ich alles unter Kontrolle haben.

Wie lange wollen Sie das noch tun?

Ich habe keinen Zeitplan. Ich habe gesagt: Wir schreiben immer noch weiter an der Geschichte. Wir sind in die Super League aufgestiegen, haben den Cupfinal erreicht, wir sind nun in der Gruppenphase der Europa League – und wir haben Lust, weitere Erfolge zu realisieren.

Nun geht es nach St. Gallen. Mit welchen Erwartungen?

Dass wir zumindest das Spiel und dadurch den Anschluss ans Mittelfeld der Tabelle nicht verlieren. Wir stehen derzeit zwar auf Rang zehn, aber die Meisterschaft ist in dieser Saison so ausgeglichen, dass der Kampf um den Ligaerhalt für einige Teams ziemlich happig werden könnte.

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