Alle hören auf Monsteins Stimme

Seit zehn Jahren kommentiert Markus Monstein die Frauenfelder Pferderennen und ist sozusagen der Chef auf der Bahn. Auch am Pfingstmontag wird er Gänsehaut bekommen, wenn das Publikum in den Rennen voll mitgeht.

Nicole D'orazio
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Markus Monstein hat von der Speaker-Kabine aus die ganze Frauenfelder Rennbahn im Blick. (Bild: Nana do Carmo)

Markus Monstein hat von der Speaker-Kabine aus die ganze Frauenfelder Rennbahn im Blick. (Bild: Nana do Carmo)

turf. Markus Monstein hat auf der Pferderennbahn Frauenfeld den besten Platz. Hoch über der Tribüne, gleich unter dem Dach befindet sich die Speaker-Kabine, von wo er die Galopp- und Trabrennen auf der Grossen Allmend kommentiert. Während der Rennen hat Monstein das Kommando. Alle hören gespannt auf seine Stimme, denn von blossem Auge sind die Pferde auf der Gegenseite oder in den weiten Bögen nicht auseinander zu halten. Auch für den Kommentator selber ist es nicht einfach, die Namen den Pferden richtig zuzuordnen. Die Startnummern sind auch per Feldstecher bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern oder mehr kaum zu erkennen. «Ich orientiere mich an den Farben der Besitzer», erklärt der 37-Jährige. Für einen Laien scheint dies unmöglich. Zu ähnlich sind die Stallfarben mit verschiedenen Mustern. Zudem starten in einem Galopprennen durchschnittlich zwischen sechs bis zwölf Pferde, bei Trabern sind es meistens 16. Und pro Tag stehen acht bis neun Rennen auf dem Programm.

Gute Vorbereitung nötig

Vor einem Sonntags-Renntag erscheint die Startliste mittwochs. Dann heisst es für den gebürtigen Maienfelder, sich Namen der Pferde und Reiter sowie die Farben der Dresses einzuprägen. «Natürlich passieren mir Fehler. Aber ich versuche dann, mir nichts anmerken zu lassen und mache einfach weiter», erzählt er mit einem Lachen. Zudem habe er für jedes Rennen einen kleinen Spickzettel vorbereitet.

An ein Missgeschick kann sich Monstein noch besonders gut erinnern. An seinem dritten Frauenfelder Renntag, am 24. Juni 2001, schrie er ein Pferd von Paul Zöllig zum Sieg, das erst drei Stunden später am Start war, jedoch ebenfalls dem Engwiler gehörte. «Die Zuschauer waren aber nicht verärgert, sondern amüsiert. Umso mehr, als das andere Pferd dann tatsächlich auch gewann.» Für den Kommentator ist es sowieso das Grösste und ein besonderer Nervenkitzel, wenn die Zuschauer voll mitgehen und im Zieleinlauf «ihr» Pferd anfeuern. «Da läuft es mir manchmal kalt den Rücken hinunter.»

Eigener Rennstall

Eine spezielle Situation ist für Monstein, wenn eines der Pferde seiner Stallgemeinschaft Allegra am Start ist, wie am Pfingstmontag die Stute La Bamba. «Vor einem Rennen mit Allegra-Beteiligung bin ich als Speaker weniger nervös wie als Zuschauer», sagt er. «Doch wenn unser Pferd vorne dabei ist, muss ich mich schon konzentrieren, damit die Emotionen nicht mit mir durchgehen.»

Der Pferderennsport ist Monsteins Leidenschaft. Schon als kleiner Junge war er in Maienfeld jeden Herbst an den Rennen. In der Folge hat er sich immer mehr fürs Wetten begeistert und auf seinem alten Atari-Computer eine eigene Datenbank erstellt. Und das mit Erfolg. Der Kundenberater einer Privatbank gehört heute zu den passioniertesten Wettern des Landes und liegt oft richtig. «Wetten ist für mich ein Hobby. Aber am Ende einer Saison sollte schon ein Plus herausschauen», meint er schmunzelnd.

In Delaquis' Fussstapfen

Zu seinem Job als Speaker ist Monstein eher zufällig gekommen. Der langjährige, erfolgreiche Speaker, Eric Delaquis, musste vor zehn Jahren aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten, und Christoph Müller, Präsident des Rennvereins Frauenfeld, suchte nach einem Ersatz. «Ich habe Müller damals in Maienfeld getroffen, wo ich eine Woche zuvor zum Plausch ein Rennen kommentieren durfte.» Daraufhin gab Müller ihm eine Chance. Er habe als Test zwei Rennfilme ab Band quasi live kommentieren müssen. Das gelang anscheinend gut. «Es war eine Ehre für mich, in Delaquis' Fussstapfen treten zu dürfen.»

An den ersten Renntagen sei er sehr nervös gewesen und hatte sich einen Kollegen als Hilfe in die Kabine geholt. Heute ist Monstein ein alter Hase und kommentiert nicht nur in Frauenfeld, sondern auch in Dielsdorf, Maienfeld, Arosa und Basel. «Die Frauenfelder Rennen sind für mich aber immer etwas Besonderes. Denn hier habe ich angefangen.» Auf den Pfingstmontag freut er sich besonders. «Denn bei schönem Wetter sind über 10 000 Zuschauer auf der Bahn. Das ist Adrenalin pur.»