Alle gegen die Berner

Gegen 300 000 Zuschauer werden am Wochenende zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Burgdorf erwartet. Im Sägemehl dreht sich alles um die Frage, welcher Schwinger den Berner Favoriten ihr Heimspiel verderben könnte.

Christof Krapf/Burgdorf
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SCHWINGEN. Burgdorf ist bereit. Bis zu 300 000 Besucher werden zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest erwartet. 52 000 Zuschauer finden in der Arena Platz, für die anderen stehen Public Viewing und das Festgelände zur Verfügung. Am Eingang prangt ein grosses Schild: «Willkommen daheim im Emmental». Burgdorf gibt sich gastfreundlich und hat sich gerüstet: 23 000 Kilogramm Fleisch und Würste, 210 000 Liter Bier und 6000 Liter Schnaps stehen für die Besucher aus der ganzen Schweiz parat.

Ob den Bernern ihre Gastfreundschaft im Sägemehl verdankt wird, ist allerdings fraglich. Der Berner Verband stellt vor Heimpublikum in Burgdorf eine starke Equipe. Egal wer sich morgen nachmittag zum neuen Schwingerkönig krönen lassen darf: Sein Weg wird über die Berner geführt haben. Die Chancen sind aber gross, dass sich einer aus dem Gastgeberkanton durchsetzt. Denn dieser stellt mit Titelverteidiger Kilian Wenger, Christian Stucki und dem Dominator der vergangenen Saison, Matthias Sempach, gleich drei der am meisten genannten Königsanwärter. Zudem ist mit dem Sieger des Emmentalischen, Simon Anderegg, und dem formstarken Matthias Siegenthaler auch die zweite Garde gut besetzt. Sollte ein Berner in Burgdorf siegen, wäre es der erste Heimsieg an einem Eidgenössischen seit 18 Jahren. 1995 hatte sich der Innerrhoder Thomas Sutter in Chur im Schlussgang gegen den Schwyzer Eugen Hasler durchgesetzt.

Hasler forderte eine Allianz

Eben dieser Hasler – er galt als einer der stärksten Schwinger seiner Zeit, wurde aber nie König – meldete sich im Vorfeld von Burgdorf zu Wort. Die anderen Teilverbände müssten eine Allianz bilden, um die Dominanz der Berner zu brechen, sagte Hasler, der heute technischer Leiter des Innerschweizer Verbandes ist. Mathias Bleiker, in gleicher Funktion bei den Nordostschweizern tätig, hält von Absprachen vor dem Fest nicht viel. «Die Einteilung ergibt sich von selbst. Sollten nach einigen Gängen drei Berner in Führung liegen, ist es logisch, dass diese die härtesten Gegner zugeteilt bekommen», sagt Bleiker. Er wird in Burgdorf zusammen mit den technischen Leitern der anderen Verbände für die Einteilung verantwortlich sein.

Bleiker sagt auch, dass der Sport «im Sägemehl und nicht im Einteilungsbüro gemacht wird». Gelegenheit einen der Berner Favoriten bereits im Anschwingen – also im Sägemehl – zurückzubinden, hat der Toggenburger Arnold Forrer. Der König von Nyon 2001 trifft im Anschwingen auf Titelverteidiger Wenger. Die einzigen noch aktiven Könige schwingen erst zum zweitenmal gegeneinander. 2011 im Anschwingen zum Unspunnenfest behielt Forrer das bessere Ende für sich.

Bless der Stimmungsschwinger

Als zweiter Nordostschweizer Vertreter mit Ambitionen auf einen Spitzenplatz startet der Ausserrhoder Michael Bless heute gegen den Innerschweizer Andi Imhof. Der 26jährige Bless holte 2010 in Frauenfeld mit Rang 5b seinen ersten Eidgenössischen Kranz, siegte in diesem Jahr am Thurgauer Kantonalen und erreichte am Nordostschweizer Rang zwei. Bless gilt als Stimmungschwinger. Findet er heute gleich von Beginn weg ins Fest und hat er seine Nervosität unter Kontrolle, ist für den ehemaligen Leichtathleten viel möglich. In jedem Fall werden er und Forrer alles daransetzen, den Berner Gastgebern das Heimspiel so unangenehm wie möglich zu machen.