Joggen im Wald statt Sommerspiele in Tokio – der Thurgauer Schwimmer Aleksi Schmid muss weiter auf Olympia warten

Aleksi Schmid hat Olympianiveau, leben aber kann er von seinem Sport nicht.

Robin Bleiker
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Aleksi Schmid hat die nächsten vier Jahre bereits durchgeplant.

Aleksi Schmid hat die nächsten vier Jahre bereits durchgeplant.

Bild: Patrick B. Krämer/Keystone

Der aus Kreuzlingen stammende Athlet hat sich mit der Schweizer Staffel für Olympia qualifiziert. Wegen des Coronavirus müssen sich die Schwimmer jedoch gedulden, denn die Olympischen Spiele in Tokio wurden auf das Jahr 2021 verschoben.

Zurzeit kann der 23-Jährige, so wie die meisten Athleten, kaum mehr trainieren. Zu Hause Fitnessübungen absolvieren und joggen im Wald – mehr lässt die aktuelle Situation nicht zu. Ein Alltag, den Schmid so nicht kennt.

Schmid trainiert seit 15 Jahren intensiv im Schwimmsport. Der junge Athlet mit Olympiaambitionen, der an der Militär-WM im russischen Samara Bronze über 50 Meter Freistil gewann, hat das Trainings- und Wettkampfpensum eines Profisportlers. Er trainiert zehnmal pro Woche zwei Stunden im Wasser, dazu kommen drei Einheiten Krafttraining. Dennoch kann er nicht von seinem Sport leben. Im Gegenteil, es kostet ihn sogar Geld. Er sagt:

«Ich verdiene mit dem Schwimmen gar nichts. Ich mache nur Minus.»

Finanziert werde er in erster Linie von seinen Eltern. Der Thurgauer hat einen Sponsor, der ihn mit Schwimmausrüstung ausstattet und Trainingslager werden teilweise von seinem Schwimmclub übernommen. Als Finanzierungshilfe gibt es dazu das Projekt «I believe in you»: Damit können Athleten nicht sehr finanzstarker Sportarten mit kleinen Spenden unterstützt werden, ansonsten muss der Sport jedoch privat finanziert werden.

Schmid opfert einiges, um seine Ziele zu erreichen. Er ist öfter auf Reisen als so mancher Profisportler. Schmid lebt in Deutschland, weil er dort bei der Neckarsulmer Sport-Union ein Profiteam um sich hat, mit Athleten, mit denen er sich täglich messen kann. Für Familie und Freundin bleibt dabei nicht viel Zeit.

Schmid ist etwa 150 bis 200 Tage im Jahr unterwegs. Für Trainingslager und Wettkämpfe bereist er verschiedene Orte auf der ganzen Welt. Oft absolviert er mit seinem Team Höhentrainings, um sich unter den erschwerten Bedingungen mit weniger Sauerstoff für Wettkämpfe vorzubereiten. Dafür reisen die Athleten teilweise sehr weit, wie vergangenes Jahr, als sie in den USA trainierten.

Ziel Olympia 2021 und 2024

Schmid nimmt jährlich etwa an 15 Wettkämpfen teil, welche oft mit langen und komplizierten Reisen verbunden sind. So beispielsweise, als das Team für die WM 2019 in Südkorea vier Wochen vor Ort war, um sich an das Klima und die Zeit anzupassen.

Trotz der Opfer sei es auch ein Luxus, in seinem Alter schon so viele Orte gesehen zu haben, sagt Schmid. Der Schweizer arbeitet neben dem Sport als E-Commerce-Kaufmann bei einer kleinen Stuttgarter Firma, die Autoteile über Ebay und Amazon verkauft. Dieser Job ist optimal, da er nur seinen Computer benötigt und überall arbeiten kann, wo er einen Internetzugang hat.

Auch wenn er Teilzeit mit diesen Bürotätigkeiten beschäftigt ist, liegt sein Fokus für die kommenden vier Jahre nach wie vor auf dem Schwimmsport. Seine Paradedisziplin sind die 200 Meter Freistil. Obwohl die Olympischen Sommerspiele in Tokio auf nächstes Jahr verschoben wurden, bleiben die Ziele dieselben. Schmid will sich in der Staffel einen Platz sichern, um an Olympia teilnehmen zu können.

Dabei will er sich auch im Einzel qualifizieren, fokussiert sich aber vor allem auf den Team-Wettkampf.

«Die Staffel ist cool, weil man im Team schwimmt. Man schwimmt für die Schweiz und nicht für sich alleine.»

Nach den Olympischen Spielen 2021 finden diese wieder 2024 in Paris statt. Die nächsten vier Jahre hat Schmid bereits durchgeplant mit dem Ziel, in Tokio und in Paris gute Leistungen abzuliefern und die Schweiz zu vertreten. Wegen des Coronavirus können jedoch auch die Schwimmprofis momentan nicht trainieren. Wie es nun weitergeht und ab wann die Athleten wieder ins Wasser dürfen, ist ungewiss.