Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Aegerter und der «Pferde-Komplex»

Geht es so weiter wie beim GP von Katalonien, dann hat Dominique Aegerter (27) nächste Saison keinen Platz mehr in der Moto2-WM. Der Berner kommt mit seiner neuen Maschine nicht zurecht.
Klaus Zaugg, Barcelona
Dominique Aegerter fuhr der Konkurrenz hinterher. «Wir sind alle ratlos», sagte er. (Bild: Eric Alonso/AP (Barcelona, 17. Juni 2018)

Dominique Aegerter fuhr der Konkurrenz hinterher. «Wir sind alle ratlos», sagte er. (Bild: Eric Alonso/AP (Barcelona, 17. Juni 2018)

So ratlos, lustlos und traurig wirkte Dominique Aegerter noch nie, seit er im Herbst 2006 in Estoril seinen ersten GP bestritten hat. Der sonst so charismatische junge Mann resigniert: ««Es geht einfach nichts mehr.» 20. ist er im Moto2-Rennen geworden. «Ich bin bloss hinterhergefahren, und Überholmanöver sind mir keine gelungen. Ich kann mich nicht an ein ähnlich schwaches Rennen erinnern.» Im Laufe der beiden Trainingstage ist er gleich dreimal gestürzt. Normalerweise fällt er während einer ganzen Saison nicht dreimal aus dem Sattel.

Der Töffhimmel ist über Aegerter eingestürzt. Zum ersten Mal ist er diese Saison nicht in die WM-Punkte (Top 15) gefahren. Selbst vor 14 Tagen, beim ersten Rennen nach seinem Trainingsunfall, reichte es wenigstens zum 12. Rang. Er räumt ein, dass er noch nicht ganz fit sei. Aber die Chancenlosigkeit habe nichts mit seiner körperlichen Verfassung zu tun. «Ich wäre auch sonst nicht weiter nach vorne gefahren.» Es geht um die Technik. Er kommt mit der neuen KTM nicht zurecht. So wie er einst auch mit der Suter, der Kalex am Ende nicht mehr klargekommen ist. Nun ist er ­wieder da, der verflixte «Pferde-Komplex», der sich wie ein roter Faden durch seine Karriere zieht. Einer seiner ehemaligen Cheftechniker hat es einmal so erklärt: «Wenn ich mit einem Fahrer über die Abstimmung der Maschine spreche, dann ist das so, wie wenn sich zwei Tierärzte über die Behandlung eines Pferdes unterhalten. Wenn ich aber mit Aegerter über die Abstimmung der Maschine rede, dann ist das so, wie wenn ein Tierarzt mit dem Pferd über die Behandlung spricht.»

Konkurrenz aus der Schweiz

So viel Talent, so viel Mut, so viel Leidenschaft – aber einfach keine Beziehung zur Maschine. Logisch also, dass Aegerter sagt: «Ich spüre einfach die Maschine nicht.» Eine Maschine, die so schlecht nicht sein kann. Miguel Oliveira ist mit dem österreichischen Motorrad in Barcelona auf den 2. Platz gerauscht, und vier KTM klassierten sich in den Top Ten.

In der zweiten Saison ist Aegerter mit dem Team von Jochen Kiefer am Limit. «Wir haben zu wenig Geld. Ich muss immer wieder aus eigener Tasche technische Extras bezahlen und verdiene gar nichts mehr.» Trotzdem geht es technisch nicht vorwärts. «Wir haben am Freitag auf einem recht guten Niveau das erste Training begonnen. Dann haben wir nur noch rückwärtsgeschraubt. Wir sind alle ratlos.» Letzten Herbst ist Stefan Kiefer, die Seele des Unternehmens, an einem Herzversagen gestorben. Sein Bruder Jochen, eigentlich ein Techniker, führt nun das Team. Eine Aufgabe, die ihn überfordert.

Was tun? Aegerters Manager Robert Siegrist wollte diese Saison das Team administrativ führen und managen. Aber aus familiären und beruflichen Gründen kann der vielbeschäftigte Anwalt aus Zürich diese Aufgabe nun doch nicht übernehmen. Aegerter ist praktisch auf sich allein gestellt. Statt sich ganz auf das Fahren zu konzentrieren, muss er sich nun auch um seine Zukunftsplanung kümmern. Er hat in Barcelona auch bei Daniel M. Epp Rat gesucht. Aber der Manager von Tom Lüthi sagt: «Ich kann ihm nicht helfen.» Epp hat selber genug zu tun: Lüthi ist gestern erneut gestürzt (siehe Box). Dominique Aegerters Bruder Kevin versucht inzwischen, Kontakte zu anderen Teams zu knüpfen. Aber mit dieser Aufgabe ist er überfordert, zumal er noch andere Verpflichtungen hat: Soeben hat er als Trainer das Team von YF United in Huttwil von der 5. in die 4. Liga geführt. Dem Bruder in der Not ein Team in der zweitwichtigsten Töff-WM suchen und ein Fussballteam aufrüsten – das alles ist ein bisschen viel.

Aegerter muss für nächste Saison ein Team finden, mit dem er die Moto2-WM bestreiten kann – und hat Konkurrenz aus der Schweiz. Epp schliesst nicht aus, dass Lüthi nächste Saison in die Moto2-WM zurückkehrt. Jesko Raffin dominiert die Moto2-EM. Er sagt: «Mein Ziel ist die Rückkehr in die Moto2-WM. Ganz klar. Entweder schaffe ich das oder ich gebe meine Karriere auf.» Für diese Saison hatte er keine Zulassung zur Moto2-WM erhalten. Mit ein Grund: Für die spanischen GP-Vermarkter (Dorna) genügt ein Schweizer in der Moto2-WM. Sie werden kaum drei Schweizer zulassen. Bei der aktuellen Konstellation hätte Aegerter 2019 keinen Platz mehr in der Moto2-WM.

Montmeló (ESP). MotoGP (24 Runden à 4,627 km/111,048 km): 1. Lorenzo (ESP), Ducati, 40:13,566 (165,6 km/h). 2. Marc Marquez (ESP), Honda, 4,479 Sekunden zurück. 3. Rossi (ITA), Yamaha, 6,098. 4. Crutchlow (GBR), Honda, 9,805. 5. Pedrosa (ESP), Honda, 10,640. – Ferner: 14. drei Runden zurück: Morbidelli (ITA), Honda. – Gestürzt u. a.: Lüthi (SUI), Honda. – WM-Stand (7/19): 1. Marquez 115. 2. Rossi 88. 3. Viñales 77. Ferner: 7. Lorenzo 66. 16. Morbidelli 19. Moto2 (22 Rd/101,794 km): 1. Quartararo (FRA), Speed Up, 38:22,059. 2. Oliveira (POR), KTM, 2,492. 3. Alex Marquez (ESP), Kalex, 3,485. – Ferner: 20. Aegerter (SUI), KTM, 29,217. – WM-Stand (7/19): 1. Bagnaia (ITA), Kalex, 119. 2. Oliveira 118. 3. Marquez 94. – Ferner: 15. Aegerter 20. Moto3 (21 Rd/97,167 km): 1. Bastianini (ITA), Honda, 38:36,883 (150,9 km/h). 2. Bezzecchi (ITA), KTM, 0,167. 3. Rodrigro (ARG), KTM, 0,170. – WM-Stand (7/19): 1. Bezzecchi 103. 2. Di Giannantonio (ITA), Honda, 84. 3. Martin (ESP), Honda, 80.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.