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Primoz Roglic – der Adler der Pyrenäen

Primoz Roglic gewinnt die letzte Pyrenäenetappe und stürmt aufs Podium der Tour de France. Der gelernte Skispringer düpiert die Konkurrenz in der Abfahrt. Den Gesamtführenden kann er aber nicht gefährden.
Tom Mustroph, Laruns
Primoz Roglic setzt den Telemark, eine Skisprunggeste. (Bild: Kim Ludbrook/Keystone (Laruns, 27. Juli 2018))

Primoz Roglic setzt den Telemark, eine Skisprunggeste. (Bild: Kim Ludbrook/Keystone (Laruns, 27. Juli 2018))

Der Skispringer aus den slowenischen Bergen setzte auch in den Pyrenäen einen perfekten Telemark. Als Primoz Roglic in Laruns aufs Siegertreppchen ge­rufen wurde, vollführte er zur Freude der Zuschauer eine Skisprunggeste. Das war keine Pistolero-Geste wie einst beim Möchtegern-Cowboy Contador. Nein, Roglic wusste, was er tat. Viele Jahre trainierte er Skispringen, wurde sogar Juniorenweltmeister im Team. Dann aber stagnierte die Entwicklung. Eine Knieverletzung kam hinzu – und der junge Sportler machte sein Reha-Gerät zum neuen Wettkampf-Vehikel.

Zu Beginn seiner Velo-Karriere galt er als Kletterer, eroberte bei der Aserbaidschan-Tour die Gipfel des Kaukasus. Dann stellte man fest, dass er auch ein Zeitfahrer ist. 2016 gewann er ein Zeitfahren beim Giro d’Italia – und das, obwohl ihm nach 10 km der Wattmesser aus der Halterung gesprungen war. Keine Daten, Fahrt nur nach Gefühl. Und er siegte.

Attacken scheinen vorerst fruchtlos

In gleicher Manier trumpfte er jetzt an der Tour auf. Am letzten Gipfel der Frankreich-Rundfahrt attackierte er mehrfach, riss auch einmal eine Lücke, hatte gar schon Chris Froome in den Seilen. Der alte Champion fing sich noch einmal, schloss im Windschatten des phänomenalen Tour-Debütanten Egan Bernal zur Gruppe um das gelbe Trikot auf.

Roglic’ Attacken schienen fruchtlos. Die ganze Vorbereitung auch. Die Tempoarbeit vom Teamkollegen Robert Gesink am vorletzten Gipfel, dem Col des Borderes. «Ich hätte natürlich Sky weiter die Arbeit machen lassen können. Sie hatten ja noch genug Männer. Ich dachte mir aber: Lieber packe ich meine ganze Kraft in eine Beschleunigung. Da müssen die anderen leiden. Und es konnte als Plattform für einen Angriff unserer Klassementfahrer dienen», meinte Gesink.

Die anderen Klassementfahrer – das war neben Roglic noch der Sechstplatzierte Steven Kruijswijk. Der Holländer attackierte auch früh, setzte sich etwa 20 Sekunden ab, wurde dann aber vom Favoritenpeloton wieder eingefangen. Immerhin, Team LottoNL Jumbo hatte es versucht. «Wenn ich vorn im Klassement gewesen wäre, hätte ich ja früher attackiert», übte Gesink leichte Kritik an seinen Teamkollegen. Aber die Vormachtstellung von Sky war an diesem Tage gebrochen. Froome war erschüttert, und auch Edelhelfer Bernal war zermürbt. «Wir haben gezeigt, wie es gehen kann. Bei dieser Tour reichte unsere Feuerkraft nicht aus, um es an mehreren Tagen zu schaffen. Aber wir lernen», konstatierte Gesink.

Für den Mann in Gelb waren aber auch die famosen Anstrengungen des niederländischen Rennstalls nicht furchterregend. Geraint Thomas sprintete hinter dem Slowenen sogar noch auf Etappenplatz 2, sei es, um Bonussekunden vor dem heutigen Zeitfahren zu holen, sei es als neuerliche Demonstration seiner Stärke. Der Waliser liegt 2:05 Minuten vor Dumoulin, 2:24 vor Roglic und 2:37 vor Froome.

Vorwurf des Windschattenfahrens

Die Medaillengewinner des WM-Zeitfahrens von 2017 fahren jetzt also das Podium der Tour aus. Einer wird vom Treppchen entfernt bleiben, ausser Thomas unterläuft am vorletzten Wettkampftag noch ein enormer Patzer.

Eine kleine Kontroverse versuchte noch Dumoulin zu entfachen. «Roglic ist mir auf dem einzigen Flachstück der Abfahrt davongefahren. Es ist so lächerlich. Er nutzte dabei den Windschatten eines Motorrads», meinte der Niederländer. Selbst wenn es so war, wenn Roglic so weg kam – unterwegs baute er seinen Vorsprung mit seinen auf Ski ge­lernten Abfahrtsfähigkeiten aus. «Wenn wir zum Training in die Berge fahren, sehe ich ihn in der ersten halben Stunde niemals, wenn der Kurs mit einer Abfahrt beginnt», meinte Dumoulins Landsmann Gesink lachend. Der Hochgeschwindigkeitssportler Roglic ist definitiv eine Belebung dieser Tour und zu Recht auf dem Podium.

105. Tour de France. 19. Etappe, Lourdes – Laruns (200,5 km): 1. Roglic (SLO) 5:28:17. 2. Thomas (GBR) 0:19 zurück. 3. Bardet (FRA). 4. Martin (IRL). 5. Majka (POL). 6. Dumoulin (NED). 7. Landa (ESP). 8. Froome (GBR), alle gleiche Zeit. 9. Kruijswijk (NED) 0:31. 10. Sakarin (RUS), gleiche Zeit. Ferner: 13. Bernal (COL) 1:47. 19. Quintana (COL) 7:09. 20. Fuglsang (DEN) 7:18. 28. Valverde (ESP) 14:38. 36. Alaphilippe (FRA) 18:28. 43. Dillier (SUI) 31:41. 44. Schär (SUI) 31:43. 51. Küng (SUI) 31:55. 60. Frank (SUI), gleiche Zeit. 143. Sagan (SVK) 38:23. – 146 Fahrer gestartet, 145 klassiert.

Gesamtklassement: 1. Thomas 79:49:31. 2. Dumoulin 2:05. 3. Roglic 2:24. 4. Froome 2:37. 5. Kruijswijk 4:37. 6. Landa 4:40. 7. Bardet 5:15. 8. Martin 6:39. 9. Quintana 10:26. 10. Sakarin 11:49. Ferner: 12. Fuglsang 16:36. 14. Valverde 25:50. 15. Bernal 26:08. 33. Alaphilippe 1:24:10. 52. Frank 2:03:24. 54. Küng 2:06:02. 70. Sagan 2:31:11. 82. Dillier 2:47:54. 88. Schär 2:57:07.

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