Adieu statt auf Wiedersehen

Das Fernsehen sendete noch schwarz-weiss, als Hans Juckers Stimme erstmals am TV erschien. Er war 19jährig, als er sich beim Schweizer Fernsehen bewarb, nun wird er am Sonntag am Springturnier in Zürich letztmals eine Sportveranstaltung kommentieren.

Drucken
Teilen

Das Fernsehen sendete noch schwarz-weiss, als Hans Juckers Stimme erstmals am TV erschien. Er war 19jährig, als er sich beim Schweizer Fernsehen bewarb, nun wird er am Sonntag am Springturnier in Zürich letztmals eine Sportveranstaltung kommentieren. Dazwischen liegen mehr als 10 000 Stunden oder umgerechnet 416 Tage auf Sendung. Er durchlebte den technischen Fortschritt des Fernsehens, schreibt selber aber immer noch von Hand und auf seiner Hermes 3000. Einen Computer besitzt der 65-Jährige nicht.

Vor allem aber prägte der Säuliämtler während 46 Jahren die Sportberichterstattung des Schweizer Fernsehens. Mit seiner markanten Stimme und seinen unkonventionellen Sprüchen erreichte Jucker Kultstatus.

Zu seinem 40-Jahr-Jubiläum sendete das Schweizer Fernsehen vor sechs Jahren einen Zusammenschnitt mit den besten Aussagen des Kommentators. Auf der Videoplattform YouTube wurde der Clip über 600 000mal aufgerufen. «Die dumme huere Ruederer. Do schnorrsch und schnorrsch und schnorrsch, und nochana fahrt er eifach dervo», war Juckers Kommentar zum siebten Fehlstart beim olympischen Kanu-Final 1988 in Seoul. Insgesamt zwölfmal war der Zürcher an Olympischen Spielen als Kommentator vor Ort.

(Quelle: youtube.com)

Von Minigolf bis Billard

Jucker war Generalist. Er begleitete vor allem in seiner Anfangszeit viele verschiedene Sportarten. Er wurde dort eingesetzt, wo gerade jemand gebraucht wurde.

«So musste ich auch Minigolf oder Dreibahn-Billard kommentieren, obwohl ich selber auch keine Ahnung davon hatte», sagte der Zürcher einst.

Sein Steckenpferd aber waren Vierbeiner und Drahtesel. Jahrzehntelang war er jeweils im Sommer in den Schweizer Wohnzimmern präsent, als er die grossen Radrundfahrten Tour de France, Giro d'Italia und Vuelta begleitete. Vergangenen Sommer hat er Abschied von der Tour de Suisse genommen. Er kommentierte die Schweizer Rundfahrt zum 45.

und letzten Mal. Vor gut zwei Wochen, am 11. Januar, feierte der Säuliämtler seinen 65. Geburtstag und wird deshalb vom Schweizer Fernsehen pensioniert.

«Chömed no die Schissponies»

Seinen letzten Arbeitseinsatz hat er am Sonntag am CSI Zürich beim Weltcup-Springen. Beim internationalen Turnier war er seit der ersten Austragung in der offenen Rennbahn in Oerlikon als Platzspeaker dabei.

Später kommentierte er die Springen für das Fernsehen an der Seite von Experte Paul Weier und musste dabei auch mal Zeit überbrücken: «Du Pesche, i weiss nid, ob mer no Ziit hend, jetzt chömed zersch die Schissponies.» Mit dieser Aussage hatte Jucker sogar die Lacher der Pferdefreunde auf sicher. Zum Reitsport kam er aber ebenfalls zufällig.

Der frühere Gemeindeschreiber und Treuhänder wurde von seinem Chef 1976 erstmals an den CSIO in Luzern geschickt, obwohl er vom Springen keine Ahnung hatte. Mittlerweile gehört er jedoch an den grossen Pferdesportveranstaltungen der Schweiz zum Inventar.

Auch wenn Jucker vom Bildschirm verschwindet, weg von der Bildfläche ist er deswegen noch lange nicht. Er führt weiter sein Pub in Affoltern und an den Springturnieren in St. Gallen und Zürich wird er weiter als Platzspeaker zu hören sein.

Am Sonntag aber wird er am Fernsehen «Adieu» statt «auf Wiedersehen» sagen. (rab)

Aktuelle Nachrichten