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ACHTELFINAL: Der Anti-Federer

Roger Federers heutiger Gegner Benoît Paire ist so etwas wie eine Antithese zum Schweizer. Kleine Skandälchen begleiten die Karriere des rebellischen Franzosen. Und mit der Diplomatie hat er’s nicht immer.
Ralf Streule, Basel

Ralf Streule, Basel

Elf Siege hat Roger Federer in ­Basel seit 2014 aneinandergereiht. Der nächste Spieler, der das Schaulaufen des Baselbieters zu stoppen versucht, ist der Franzose Benoît Paire. Man könnte nun auf Paires Negativbilanz von 0:4 gegen Federer hinweisen, auf die Satzbilanz von 0:9. Auf das Verhältnis von 1:94, was die ATP-Turniersiege anbelangt. Interessanter aber scheint etwas anderes zu sein. Müsste man nämlich in der erweiterten Weltspitze einen Mann suchen, der sich in möglichst vielen Bereichen von Federer unterscheidet, käme man vielleicht schnell auf ihn: Benoît Paire, 28 Jahre alt, Wohnadresse in Genf, derzeit die Weltnummer 40, zu seinen besten Zeiten ­Anfang 2016 die Nummer 18.

Beginnen könnte man bei Äusserlichkeiten. Paire ist ein «Stengel» – «la tige», wie er in seiner Heimat auch genannt wird. Knapp zwei Meter gross, mit 80 Kilogramm aber etwas leichter als Federer. Dann sind da die sehr gegensätzlichen spielerischen Stärken und Schwächen. Paire werkelt seit Jahren an seiner Vorhand, zählt dafür die (zweihändige) Backhand zu seinen grössten Waffen. Im Gegensatz also zu Federer, der seit jeher als grosser Vorhandkönig gilt und die (einhändige) Backhand erst im Herbst seiner Karriere richtig zum Blühen brachte.

Rebellischer Bart gegen glatt rasierte Wangen

Tatsächlich ist es aber wohl das Temperament, welches die beiden am ehesten unterscheidet. Hier der besonnene Federer, der kaum mehr als ein «Chumm jetzt!» durch die Halle ruft. Dort der feurige Paire, der auch mal den Gegner verbal eindeckt. Oder mit Physiognomischem gesprochen: Hier glatt rasierte Wangen, dort ein rebellischer Bart. Während Federer für seine Besonnenheit geliebt wird, muss sich Paire auf sozialen Medien zuweilen negative Kommentare gefallen lassen zu seinem Auftreten auf dem Platz. Immer wieder ist von emotionalen Entgleisungen oder Schlägerwürfen die Rede. «Ich bin ein emotionaler Spieler», pflegt Paire zu sagen. Und auch einer, der im Spiel zu schnell die Ruhe verliert, wie Beobachter sagen. Darunter leide sein eigentlich sehr starkes Spiel.

Was er in guten Momenten kann, zeigte Paire bei Siegen gegen seinen Freund Stan Wawrinka oder gegen Kei Nishikori, oder auch bei seinem einzigen ATP-Turniersieg in Bastad 2015. Nach einer Verletzung war er in jenem Jahr als Rückkehrer der Saison von der ATP geehrt worden. Eine einschneidende Episode passierte 2016 an den Olympischen Spielen, als Paire kurzfristig für den verletzten Richard Gasquet eingesetzt wurde. Paire wurde nach seiner Zweitrundenniederlage aus dem französischen Team ausgeschlossen. Vorgeworfen wurde ihm, dem Team zu oft fern geblieben zu sein trotz gegenteiliger Weisung. Undiplomatisch gab er danach zu Protokoll, froh zu sein, das Team verlassen zu können. Eine leise Entschuldigung kam erst viel später.

Lieber also geht Paire seinen eigenen Weg. Wie es sich für ein «Enfant terrible» – wie ihn die Zeitung «L’Equipe» zuweilen nennt – gehört. Eigene Wege soll er auch bei der Ernährung gehen: Gesüsste Limo auf dem Tennisplatz, ein Burger nach Spielen. Paire kümmert sich wenig um ­Regeln. Und handelt sich damit bei einigen auch Sympathien ein. Wohl nicht bei denen, die Federer verehren.

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