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Absurdes, Witziges, Peinliches: Diese 13 Kuriositäten aus dem Sportjahr 2019 bleiben in Erinnerung

Auch 2019 hat der Sport neben grossen Titelgewinnen, siegreichen Meistern und überragenden Rekorden wieder viel Ungewöhnliches, Absurdes und Witziges geboten. Wir haben 13 Kuriositäten ausgewählt.

Turi Bucher
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Reden ist Silber, Essen ist Gold

Der ehemalige französische Fussball-Nationalspieler Franck Ribéry (36) brüskiert gleich zu Jahresbeginn nicht nur die Fussball-Feinschmecker: Ribéry isst in Dubai in einem Restaurant ein mit Blattgold verziertes Steak, das ihm der türkische Koch für mehrere hundert Franken serviert. Danach wird der damalige Bayern-München-Star in den sozialen Medien in Scheiben geschnitten und in die Pfanne gehauen. Die Ribéry-Rückpässe auf die empörten Gastrokritiker fallen ziemlich gepfeffert aus. «Ich schulde euch nichts ... ihr wart nur Kieselsteine in meinen Socken», soll der Flügeltrickser geantwortet haben, und das ist noch eine der weniger scharfen Ribéry-Reaktionen, welche im Januar hochgekocht wurden. Übrigens: An einer Verpflichtung von Ribéry, der unterdessen in Florenz bei der Fiorentina spielt, soll im letzten Sommer auch der FC Luzern interessiert gewesen sein. Gut möglich, dass dem Franzosen beim FCL das Menü zu karg und zu trocken gewesen wäre.

Gold, Silber, Bronze und grauer Blechkasten

Passiert war es schon im September 2018, richtig pu«Blick» wird es aber erst im Januar 2019: Ariella Kaeslin, ehemalige Luzerner Spitzenkunstturnerin, fuhr in St. Gallen mit dem Auto in einem Baustellenabschnitt statt den vorgeschriebenen 80 km/h ein Tempo von 124 km/h und wurde vom grauen Blechkasten «geblitzt». Für die Schweiz turnte die mittlerweile 32-Jährige einst Gold (EM 2009 in Mailand/Sprung), Silber (WM 2009 in London/Sprung) und Bronze (EM 2009/Mehrkampf sowie EM 2011 in Berlin/Sprung). «Ich will immer ein Vorbild sein, auch auf der Strasse. Dazu gehört, dass man die Konsequenzen aus seinen Fehlern tragen muss», sagt Kaeslin, nachdem sie viel zu schnell unterwegs gewesen war. Die «Kampfrichter» benoten die Gesetzesübertretung jedenfalls mit einem dreimonatigen Führerscheinentzug ab Mitte März 2019 sowie einer Geldbusse von 1150 Franken.

Trotz Trick: Rang 29 schmeichelt Reichelt nicht

Der Österreicher Ski-alpin-Profi Hannes Reichelt will es vor der WM-Abfahrt im schwedischen Are ganz clever machen. Gemäss Reglement erhält er als Zehnter des damals aktuellen Weltcupstands die Startnummer 1, muss also als erster Fahrer den Hang runter sausen. Doch Reichelt weiss: Das Wetter ist zur Zeit der frühen Starter nicht gut, wird für die späteren Fahrer besser. Also zaubert Reichelt einen Trick aus dem Ärmel. Das Reglement besagt nämlich auch: Wer die offizielle Startnummernvergabe schwänzt, muss sich beim Start hinter den ersten 45 einreihen. Was also tut Reichelt? Er schwänzt die Startnummervergabe, startet als 46., als das Wetter viel besser ist, und liegt bis zur ersten Zwischenzeit vier Hundertstelsekunden vor dem Führenden. Doch dann passiert es: Ein Fahrfehler, ein Bremser – Reichelt setzt seinen Trick gleich selber in den Schnee. Numerisches Fazit: Für den 39-Jährigen mit der Startnummer 46 gibt’s Rang 29.

Bild: Jean-Christophe Bott / Keystone (Are, 7. Februar 2019)

Sauerkraut statt Trainerjob für Depardieu beim FC Sion

Alle Jahre wieder ... taucht Christian Constantin (62), der Präsident des FC Sion, in diesem Kuriositätenkabinett auf. Bei der traditionellen Gala der Sittener im Februar präsentiert Constantin zum 110-jährigen Bestehen des Vereins den französischen Schauspieler Gérard Depardieu (70) auf der Fest-Bühne. Allerdings nicht als neuen Trainer, sondern als Überraschungsgast. Im Jahr zuvor war Constantin selber die Überraschung gewesen, und zwar als Elvis Presley verkleidet. Depardieu wird es in Martigny sicher genossen haben: Sieben Tonnen Sauerkraut und über 4000 Gläser Champagner standen unter anderem für die rund 7500 Gala-Gäste bereit. Ach ja, Constantin wechselte seit der diesjährigen Party in Martigny 3x den Trainer: Auf Murat Yakin folgten Christian Zermatten, Stéphane Henchoz und wieder Christian Zermatten.

Von Wasser- und anderen Flaschen

Dumm gelaufen: Der englische Fussballer Danny Drinkwater (29) verursacht im April in Manchester einen Autounfall und wird wegen Alkohol am Steuer gebüsst – und das mit diesem Namen! Der ehemalige Chelsea-Mittelfeldspieler und heutige Burnley-Profi hat daraus offenbar nichts gelernt und nicht zur Wasserflasche gewechselt. Im September gerät Drinkwater nämlich in Manchester vor dem Club «Chinawhite» in eine Schlägerei, weil er in angektrunkenem Zustand einem Kollegen die Freundin ausspannen will. «Sie wird heute Abend mit mir nach Hause gehen», soll der dreifache englische Nationalspieler seinem Freund gesagt haben. Vor der Disco warten dann sechs Männer, die allerdings nicht «Oh Danny Boy ...» singen, sondern Drinkwater verprügeln. Gut gemeiner Rat: Machen Sie mal Ihrem Namen alle Ehre, Mr. Drinkwater.

Bild: Tim Keeton / EPA

«Ich finde meinen Reisepass nicht»

Alle Jahre wieder versucht Terry McHugh (56), der ehemalige Top-Speerwerfer, ein attraktives Teilnehmerfeld für das beliebte Luzerner Leichtahtletik-Meeting zu organisieren. Und alle Jahre wieder muss er die eine oder andere Absage verkraften. Hier ein paar Müsterchen aus Hughes’ Absagen-Akte: «Ich habe keine Zeit, muss trainieren» – «Ich finde meinen Reisepass nicht» – «Ich bin zur Zeit zu schwer für einen Wettkampf» – «Ich bin zur Zeit unterwegs wie eine Schnecke» – «Der Coach hat ‘Nein’ gesagt». Dafür bekommt Hughes im Sommer die Zusage vom Schweizer Publikumsliebling Alex Wilson für gleich beide Sprintstrecken. Den 100-m-Lauf bricht Wilson dann aber schon nach drei Metern ab. Er sei der Meinung gewesen, es habe einen Fehlstart gegeben, begründete er später seinen lukrativen Kurzeinsatz.

Alex Wilson (zweiter von rechts) gibt auf.

Alex Wilson (zweiter von rechts) gibt auf. 

Bild: Pius Amrein (Luzern, 9. Juli 2019)

Journalist ermöglicht in Luzern Kambundjis WM-Bronze

Bleiben wir gleich beim Spitzen Leichtathletik Meeting in Luzern. Und zwar bei jenem Journalisten, der an seinem Medienarbeitsplatz den Laptop mit Strom versorgen will, die Elektrobuchse aber bereits von einem anderen Kabel besetzt vorfindet. Was tun? Das dicke Kabel führt irgendwie ins Nirgendwo, sieht aber trotzdem ziemlich wichtig aus. «Oh, den Stecker sollten Sie nicht ziehen», antwortet der zuständige Medienchef auf die entsprechende Nachfrage und liefert gleich auch noch die Begründung mit: «Das ist nämlich der Stecker für die Zeitmessung ...» So läuft die Schweizer Topsprinterin Mujinga Kambundji (27) über 200 m die 22,90 Sekunden, welche zugleich ihr Ticket für die WM in Doha bedeuten, schliesslich unter regulären Bedingungen.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 9. Juli 2019)

Und legt in Luzern sozusagen den Grundstein für die später sensationell ersprintete WM-Bronzemedaille in Katar.

Bild: Jean-Christophe Bott (Doha, 6. Oktober 2019)

Ein Mönch, der Fussball und Partys nicht mag

Netflix, das ist 2019 auch bei den Sportlern ein Freizeit-Zauberwort. Zum Beispiel die spanische Serie «Haus des Geldes». Es geht um eine Bande von Bankräubern und einen Überfall auf die Spanische Zentralbank. Plötzlich steht da der Geistliche João im Bild und sagt, er möge keine Partys und Fussball auch nicht. Kennen wir diesen Geistlichen nicht? Ja, es ist Brasiliens Fussball-Superstar Neymar (27) in Mönchskutte. Dessen zwei Gastauftritte in der Netflix-Serie wurden zwar vorübergehend aus den Episoden geschnitten, weil ein brasilianisches Model Neymar der Vergewaltigung beschuldigt hatte. Unterdessen sind die Folgen aber wieder mit dem göttlichen Kicker im Programm.

Pleiten, Pech und Pannen – Präsident entschuldigt sich

Geht’s noch peinlicher? Vor dem Fussball-EM-Qualifikationsspiel zwischen Frankreich und Albanien wird in Paris beziehungsweise im Stade de France zu Saint-Denis statt der albanischen Landeshymne fälschlicherweise jene von Andorra abgespielt. Während die Fussballer aus Albanien ihre Köpfe schütteln, tun die albanischen Fans in den Zuschauerrängen ziemlich markant ihren Unmut kund. Aber: Ja, es geht noch peinlicher! Dem musikalischen Foul folgt nämlich noch eine verbales, als sich der Stadionspeaker entschuldigt und die Zuschauer auffordert, «die Nationalhymne von Armenien zu respektieren».

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drückte hinterher Algeriens ... pardon, Albaniens Ministerpräsident Edi Rama gegenüber seine aufrichtige Entschuldigung für den Fauxpas aus.

Disqualifiziert, zerbrochen und verzweifelt

Nochmals zurück zur Leichtathletik-WM in Katar. Im Vorlauf über 5000 m ist Jonathan Busby von der Karibikinsel Aruba rund 300 m vor dem Ziel derart entkräftet, dass er vom Konkurrenten Braima Suncar Dabo aus Guinea-Bissau gestützt und im Schritttempo bis ins Ziel geschleppt werden muss. Dabo zeigt sogar soviel Fairplay, dass er Busby vor sich über die Ziellinie schiebt. Beide laufen sie persönliche Bestzeit. Busby nützt das allerdings wenig: Er wird disqualifiziert, weil er gemäss Regel 144.3 unerlaubte Hilfe in Anspruch genommen hat.

Im Stich gelassen wird dafür die schwedische Stabhochspringerin Angelica Bengtsson (26), und zwar von ihrem Sportgerät. Der Stab bricht beim Sprungversuch über 4,80 m, Bengtsson stürzt neben die Matte. Obwohl es Bengtsons dritter Versuch ist, entscheidet das Wettkampfgericht, dass die Schwedin einen weiteren Versuch zu Gute hat. Weil Bengtsson in der entstandenen Hektik aber ihren Ersatzstab nicht findet, kommt ihr die Französin Ninon Guillon-Romarin zu Hilfe. Mit deren Stab, der nicht als unerlaubte Hilfe gewertet wird, schafft Bengtsson die Höhe: Persönliche Bestleistung und schwedischer Landesrekord.

Für ein ungewollt komödiantisches, Slapstick-artiges Drama sorgen in Katar die chinesischen 4x100 m Staffelsprinterinnen. Die Übergabe des Stabs von der vorletzten Läuferin Lingwei Kong an die letzte Sprinterin Maqi Ge wird total vermasselt, missglückt rundum. Die beiden Chinesinnen rennen daraufhin in die Übergabezone zurück, verlieren die Orientierung komplett und irren verzweifelt herum. Kommentar des ARD-Livereporters: «So etwas hat es noch nie gegeben.» 

Penalty verursacht, verwarnt – aber keine Sekunde gespielt

Wenn das nicht kurios ist: In einem Spiel der 2. Fussball-Bundesliga zwischen Kiel und Bochum produziert der Kieler Spieler Michael Eberwein (23) einen Penalty gegen sein Team und kassiert obendrein eine gelbe Karte, ohne je eine Sekunde für seinen Verein gespielt zu haben. Wie bitte? Eberwein läuft sich nämlich hinter der Torlinie warm, als ein Schuss eines Bochumers in Richtung Linie neben das Tor kullert. Eberwein stoppt die Kugel cool mit dem Fuss, aber ... eben bevor der Ball im ganzen Umfang die Linie überquert. Das Regelbuch sagt dazu: Eingriff eines Auswechselspielers ins Spiel im Strafraum – Elfmeter und Verwarnung! Hätten Sie’s gewusst? Damit hat Eberwein immerhin etwas Historisches vollbracht. Er ist Penaltyverursacher und gelb-bestraft, ohne zuvor überhaupt in der 2. deutschen Liga gespielt zu haben.

Die Fünfsatz-Frage des italienischen Journalisten

Er ist der bunteste Vogel, der Zampano unter den Tennisjournalisten: Ubaldo Scanagatta, der auf seiner Webseite «Ubitennis» über den Wanderzirkus berichtet. Der 70-jährige Italiener sorgt auch in diesem Jahr wieder für Aufsehen und Unterhaltung. So nickt er beim Australian Open während der Pressekonferenz von Rafael Nadal zwischendurch ein. «Heute ist es wohl nicht so interessant», amüsiert sich der Spanier. Auch Roger Federer presst schon mal ein «Oh, nein!» heraus, wenn er den unbequemen Fragesteller im Pressesaal entdeckt.

Am US Open von New York richtet Scanagatta an Nadal eine Frage, die 42 Sekunden dauert. Nadal stützt während gefühlten fünf Tennis-Sätzen den Kopf in die Hände und antwortet schliesslich: «Wenn Du mir die Chance gibst, zu antworten, wäre das fantastisch. Es ist, als ob du die Frage stellst und gleich selbst antwortest.»

Mehr als nur ein Tritt ans Schienbein

Die Reihe der Skandalmeldungen um Nike ist lang. Nun sorgte der Sportartikelkonzern auch in der Schweiz für einen Eklat – ohne eigenes Verschulden allerdings. Kurios: Dem Luzerner Spitzenschwinger Sven Schurtenberger (28) wurde am Eidgenössischen Schwingfest in Zug zum Verhängnis, dass sein Beinkleid verrutschte und dadurch das Nike-Logo auf den Schienbeinschonern sichtbar wurde. Die Verbandsregeln sind strikt: Die komplette Bekleidung muss beim Wettkampf werbefrei sein. Die Strafe ist drastisch, mehr als nur ein Tritt ans Schienbein: Schurtenberger wird gesperrt, darf 2020 an keinem grossen Schwingfest teilnehmen. Am 10. Dezember dann das vorweihnächtliches Geschenk für Schurtenberger: Die Sperre wird aufgehoben, der Buttisholzer muss lediglich eine Busse bezahlen.