Abschiedsparade für Oakland

Das Basketballteam der Golden State Warriors ist NBA-Meister. Für Oakland könnte dies der letzte Titel für lange Zeit gewesen sein. Denn nebst den Warriors drohen auch die Football- und die Baseballteams die Stadt zu verlassen.

Christof Krapf
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Der Jubel über den ersten NBA-Titel seit 40 Jahren könnte Oakland im Hals stecken bleiben. Mit dem Triumph des Basketballteams Golden State Warriors ist eine 26 Jahre lange Durststrecke zu Ende gegangen. Die Chance besteht, dass dieser Triumph der letzte für die Stadt sein wird. Wartezeiten waren Oaklands Sportzuschauer schon immer gewohnt. Seit dem Triumph der Oakland Athletics in den Baseball-World-Series 1989 hatte kein Sportteam aus der kalifornischen Stadt mit 400 000 Einwohnern unweit von San Francisco mehr einen Titel gewonnen.

Oakland ist aktuell mit den Warriors im Basketball, den Athletics im Baseball und den Raiders im Football in drei der vier grossen nordamerikanischen Ligen vertreten. Bei allen drei Teams laufen Projekte, die Stadt in nächster Zeit zu verlassen. Grund dafür ist das Geld. Die Sportstätten, in denen die drei Equipen ihre Spiele austragen, wurden vor 50 Jahren gebaut und seitdem nur geringfügig renoviert. Konkurrenzfähig sind das Coliseum der Footballer und Baseballer sowie die Oracle Arena der Basketballer, die mitten in einem Industriegebiet liegen, schon lange nicht mehr.

Geld für Polizisten statt Stadien

Fehlt eine moderne Spielstätte, wird von den Teambesitzern der Ruf nach staatlichen Geldern laut. Die Stadt solle gefälligst ein neues Stadion bauen oder sich zumindest daran beteiligen – schliesslich mache ein Sportteam beste Werbung für seine Heimatstadt. Oakland fehlt für solche Projekte aber das Geld. Anders als Berkeley im Norden mit seiner Eliteuniversität und San Francisco im Westen, ist es industriell geprägt. Das merkt jeder, der die zehn Kilometer von San Francisco nach Oakland fährt. Kaum hat der Zug den Tunnel unter der San Francisco Bay verlassen, blickt man auf heruntergekommene Quartiere, Industriegebäude und Hafenkräne. Die Wirtschaftskrise hat die Stadt hart getroffen; die Kriminalität ist hoch: Nur in Detroit und St. Louis werden mehr Gewaltverbrechen verübt als in Oakland. Angesichts der Probleme ihrer Stadt will Bürgermeisterin Libby Schaaf die knappen Finanzen nicht für ein Stadion ausgeben. «Das Geld setzen wir für Polizisten, Parks und Bibliotheken ein», sagte sie jüngst dem «San Francisco Chronicle».

Der finanzielle Ligaerhalt

Sprudeln die Steuerdollars nicht, bereiten die Teams den Wegzug vor. Das ist in den USA normal. Die Mannschaften gehören Eigentümern, die Gewinn erwirtschaften wollen. Die Besitzer sind Franchisenehmer – wie bei einer Fastfood-Kette. Von den Ligen erhalten sie die Erlaubnis, in ihrer Region ein Team anzubieten. Die NFL, NBA und MLB sind geschlossene Gesellschaften – Auf- und Abstiege gibt es nicht. Rentiert ein Standort nicht mehr, sinken TV-Quoten und Werbeerträge, dann droht der Weggang der Franchise. Und die Anhänger bangen um ihre Teams, als ginge es um den Ligaerhalt; in den USA ist dieser finanzieller Natur. Regionale Verankerung spielt keine Rolle.

Die Chance ist gross, dass die Warriors bald in San Francisco spielen werden. Die Athletics zieht es nach San José. Und die Raiders planen gemeinsam mit den San Diego Chargers in Los Angeles ein gigantisches Footballstadion, das über eine Milliarde Dollar kosten wird. Das sind Dimensionen, mit denen Oakland nicht mithalten kann. Die Zeichen stehen auf Abschied. Warriors-Besitzer Peter Gruber wurde nach dem Meistertitel gefragt, ob die traditionelle Siegerparade noch in Oakland oder schon in San Francisco stattfinden werde. Er reagierte ungehalten. Die Parade finde natürlich in Oakland statt – sie wird auch eine Abschiedsfeier sein.