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ABGANG: "Mr. Otmar" schmeisst hin

Nach dem Verpassen der Finalrunde knallt's beim St.Galler Traditions-Handballverein TSV St.Otmar. Der Präsident verlängert mit dem Interimstrainer, der Sportchef und Geschäftsführer hatte andere Pläne. Nun verlässt er den Club resigniert - nach über 50 Jahren.
Daniel Good/Fritz Bischoff
Dominique Gmür zieht seinen auf Ende Saison geplanten Rücktritt vor. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Dominique Gmür zieht seinen auf Ende Saison geplanten Rücktritt vor. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Eine der Folgen der nicht allseits goutierten Vertragsverlängerung ist der sofortige Rücktritt von Dominique Gmür als Sportchef und Geschäftsführer. «Ich bin müde und ausgelaugt. Und ich kann nicht hinter den jüngsten Personaldispositionen stehen. Deshalb ziehe ich meine Konsequenzen», sagt der 66-jährige Gmür, der sich mehr als ein halbes Jahrhundert lang mit Leib und Seele für St. Otmar eingesetzt hat. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, dass Gmür erst Ende Saison zurücktritt. Gmür wurde im Mediencommuniqué St.Otmars mit drei Zeilen verabschiedet.
Sportlich befindet sich St.Otmar in einer ungemütlichen Situation. Zum zweiten Mal in Folge verpasste der siebenfache Schweizer Handballmeister die Qualifikation für die NLA-Finalrunde. Finanziell ist der Verein gesund, aber grosse Sprünge sind laut Clubpräsident Hans Wey nicht möglich. «Wir müssten jemanden haben, der das Portemonnaie zückt.» Die erste Mannschaft St.Otmars kostet etwa 1,25 Millionen Franken.

Der ehemalige Spieler Vedran Banic ist seit September als Nachfolger des freigestellten Predrag Borkovic Interimstrainer St.Otmars. Aber auch dem Kroaten gelang es nicht, die St. Galler unter die besten sechs NLA-Mannschaften zu führen. In der letzten Runde scheiterte St.Otmar auswärts mit 21:25 an Suhr Aarau und muss die Meisterschaft in der Abstiegsrunde fortsetzten.

Annäherung an den Gossauer Trainer

Nun ist der 34-jährige Banic bis Ende der Saison 2018/19 Cheftrainer. Eigentlich wollte St.Otmar nur bis Ende Saison mit Banic weiter arbeiten. Banic beharrte aber auf einer längerfristigen Lösung. Präsident Wey sagt: «St.Otmar braucht Stabilität. Banic ist nicht schuld am Fall in die Abstiegsrunde. Und er kann es mit den Jungen.»

Es gab im Vorstand St.Otmars allerdings auch schon eine andere Meinung. Im November traf sich Sportchef Gmür mit Rolf Erdin. Erdin ist Trainer des NLA-Clubs Fortitudo Gossau. Seit seinem Amtsantritt Anfang 2012 hält er den finanziell nicht auf Rosen gebetteten Club in der NLA. Als Spieler war der heute 40-Jährige Captain St.Otmars. Erdin, der Ende Saison in Gossau abtritt, war interessiert. Er machte sich Gedanken und scharte eine Gruppe mit dem Brühler Frauentrainer Werner Bösch um sich. Er konstatierte einigen Nachholbedarf. «Um weiter zu kommen, braucht es professionellere Strukturen. St.Otmar hat längst nicht mehr einen so guten Ruf wie früher», sagt Erdin.

Vom Vorwurf der Eigenmächtigkeit

Erstes Gebot in Erdins Überlegungen war das Gedeihen des Handballs in der Ostschweiz. «So wie jetzt kann es nicht mehr lange weitergehen», sagt er. «Die Vereine müssen besser zusammenarbeiten. Insbesondere auf der Stufe nach den U19-Mannschaften.» Erdin ist ein respektierter Mann im Schweizer Handball. Er hätte deshalb da und dort ein Türöffner sein können.

Bösch ist ein hochkompetenter Fachmann, der die Brühler Frauen dieses Jahr zum 30. Meistertitel führte. Er hat allerdings noch einen Vertrag mit Brühl, der im Sommer verlängert wurde. Die Mitteilung des LC Brühl an die Medien, dass der Erfolgstrainer bis 2019 an den Club gebunden sei, erfolgte allerdings erst im November.

Die Lösung Erdin/Bösch halten viele bei St.Otmar für besser als jene mit Banic. Wey wollte aber nicht einlenken und beharrte auf dem Kroaten. «Eigenmächtig», wie zu hören ist. Deshalb überlegen sich einige Vorstandmitglieder, ob sie sich Gmür anschliessen wollen. Der Präsident hielt es dem Vernehmen nach auch nicht für opportun, wegen Bösch das gute Verhältnis mit dem LC Brühl zu trüben. Womit er allerdings die Interessen des Frauenvereins höher stellt als jene von St.Otmar.

Für den Moment ist das Thema St.Otmar für Erdin gegessen. Er wurde hingehalten, als es nach ersten Gesprächen mit Wey zu klären galt, wie es weiter gehen sollte. Dann wurde ihm angeboten, Sportchef zu werden. Erdin lehnte ab. «Schliesslich haben wir über das Amt als Trainer gesprochen», sagt er.

Renommierclub

St.Otmar ist siebenfacher Schweizer Handballmeister, zuletzt 2001. Im Mai 2016 standen die Ostschweizer im Cupfinal, ein Jahr zuvor im Playoff-Final. Der Höhepunkt in der Clubgeschichte war 1982 der Einzug ins Endspiel des Meistercups (heute Champions League). (dg)

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