Abderhaldens Zweikampf

Marianne Abderhalden war für die WM-Abfahrt nicht gesetzt. Die Trainer entschieden nach dem Abschlusstraining ob die Toggenburgerin oder ihre Teamkollegin Priska Nufer starten darf.

Christof Krapf/Beaver Creek
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Bild: CHRISTOF KRAPF/BEAVER CREEK

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SKI ALPIN. Marianne Abderhalden kommt aus einer Familie, die sich Zweikämpfe gewohnt ist. Schliesslich ist sie die Schwester des dreifachen Schwingerkönigs Jörg sowie der Eidgenossen Beat und Urs. Die Toggenburgerin hat normalerweise mehr als eine Konkurrentin – gestern erlebte sie im Training zur WM-Abfahrt ihrerseits einen Zweikampf. Die 29-Jährige kämpfte gegen Priska Nufer um den letzten Schweizer Startplatz. Wegen starker Winde waren keine fairen Verhältnisse gegeben. Deshalb entschieden die Trainer, wer die heutige Abfahrt bestreiten wird. Das Trainerurteil stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Abderhalden fuhr allerdings im Training eine gute Sekunde schneller als ihre Teamkollegin.

«Dass eine Ausscheidung gefahren wird, hat mich überrascht. Vielleicht wollen die Trainer mich aus der Reserve locken», sagte Abderhalden. Die 22jährige Nufer wäre ursprünglich nur für den WM-Super-G vorgesehen gewesen – ihr Bestresultat in der Abfahrt ist in dieser Saison ein 38. Platz. Cheftrainer Hans Flatscher sagte: «Mariannes Resultate waren in dieser Saison nicht überzeugend. Sie hat die Selektionskriterien für die WM nicht erfüllt. Deshalb musste sie damit rechnen, dass es zu einer Ausscheidung kommt.» Die Toggenburgerin erreichte in dieser Saison einen achten Rang in Val d'Isère und rückte nur dank der Verletzung von Dominique Gisin ins WM-Kader. Am liebsten hätte Flatscher diese Situation den ganzen Winter. «Manche Athletinnen brauchen Druck, um eine starke Leistung abzurufen», sagte er.

«Angreifen wie im Rennen»

Abderhalden war der Ärger über den Entscheid der Coaches anzumerken. Ihre Konkurrentin Nufer sagte: «Im Konditionstraining hat mich Marianne nicht angeschaut. Ich kann das aber verstehen. Denn die Abfahrt wäre ihre einzige Startmöglichkeit an dieser WM.» Abderhalden dachte nicht daran, dass es ihr in Beaver Creek nicht zu einem Renneinsatz reiche könnte. «Wenn ich gut fahre, werde ich auch im Rennen dabei sein», sagte die St. Gallerin. «Ich werde im Training gleich angreifen wie in einem Rennen.»

WM-Super-G war kein Thema

Abderhalden erlebte, nachdem sie im vergangenen Winter ihren ersten Weltcupsieg gefeiert hatte, eine durchzogene Saison. Sie laborierte mit Knie- und Schulterproblemen und stürzte Mitte Januar in der Abfahrt von Cortina d'Ampezzo. «Ich habe in dieser Saison gelernt, auf meinen Körper zu hören», sagte Abderhalden. Die Blessuren des Sturzes von Cortina sowie die Schulterverletzung sind auskuriert. «Das Knie ist aber immer noch nicht gut.» Deshalb musste sie in diesem Winter regelmässig auf Schmerzmittel zurückgreifen. Wegen der Knieprobleme war es für Abderhalden auch kein Thema, im WM-Super-G an den Start zu gehen. «Das hätte nichts gebracht, weil mir die Sicherheit fehlt.» Ein Einsatz in der WM-Abfahrt würde ihr diese Sicherheit zurückgeben. Und Schliesslich ist eine Ausscheidung kein schlechtes Omen: Dominique Gisin musste vor ihrem Olympiasieg in Sotschi auch um ihren Start kämpfen.

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