Challenge League

Zuschauer-Minusrekord: Noch nie kamen weniger Fans ans Aargauer Fussball-Derby

Die Spiele des FC Aarau und des FC Wohlen interessieren kaum noch. Diese Entwicklung zeigte sich nun auch am Kantonsderby: Gerade einmal 1119 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten das Spiel im Stadion.

Nicola Imfeld und Dean Fuss
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Aargauer Derby in den Niedermatten – und die Zuschauerränge (im Hintergrund) bleiben ungewohnt leer.

Aargauer Derby in den Niedermatten – und die Zuschauerränge (im Hintergrund) bleiben ungewohnt leer.

Freshfocus

Aargauer-Fussballderby zwischen Wohlen und Aarau. Es läuft die 70. Spielminute. Der Stadionspeaker meldet sich zu Wort: «Wir bedanken uns bei 1119 Zuschauerinnen und Zuschauern.» Ein Raunen geht durch die Niedermatten. Auf der Haupttribüne sagt ein Mann gut hörbar: «Unglaublich, das hat es wohl noch nie gegeben.»

FC Wohlen - FC Aarau, 27.11.2017
10 Bilder
Gilles Yapi und Pascal Thrier bedanken sich bei den Fans.
Igor Tadic (Wohlen) schiesst gegen Torhüter Steven Deana, Marco Thaler und Michael Perrier (Aarau) das Tor zum 1:1
Beide Teams kämpfen – Patrick Rossini gegen Alain Schultz.
Jubel bei Varol Tasar, Gilles Yapi, Paulinho, Patrick Rossini Ivan Audino und dem Torschuetzen zum 0:1 Gianluca Frontino.
Varol Tasar im Kampf um den Ball gegen Wohlens Sandro Foschini.
Aaraus Gianluca Frontino gegen Sandro Foschini.
Aaraus Igor Nganga gegen Aleksandar Cvetkovic und Torhüter Flamur Tahiraj.
Aaraus Gianluca Frontino schiesst gegen Wohlens Sead Hajrovic und Torhüter Flamur Tahiraj das Tor zum 0:1.

FC Wohlen - FC Aarau, 27.11.2017

Marc Schumacher/freshfocus

Der Herr hat recht. «AZ»-Recherchen zeigen: Mindestens seit dem Aufstieg des FC Aarau in die Nationalliga A im Jahr 1981 kamen immer mehr als 1500 Fans ans Kantonsderby! Statistiken von den 1970er-Jahren und früher sind nicht verfügbar. Es ist aber wahrscheinlich, dass es noch nie ein schlechter besuchtes Spiel zwischen den ewigen Rivalen FC Aarau und FC Wohlen gab.

Quittung für die kantonale Fussballkrise

Die enttäuschende Zuschauerzahl ist die Quittung für den sportlichen Misserfolg der Fussballvereine in den vergangenen Jahren. Vor allem die Anhänger des FC Aarau reisten jeweils mit einer grossen Fanbasis ins Freiamt. Am Montagabend war jedoch nur ein Grüppchen von rund 250 eingefleischten FCA-Fans im Stadion Niedermatten zugegen.

Natürlich waren die Vorzeichen nicht gerade attraktiv: Der Tabellenvorletzte (Wohlen) empfing den Tabellensiebten (Aarau) an einem kalten Montagabend. Und das Spiel wurde im Free-TV auf dem neuen Sender «Teleclub Zoom» übertragen.

«Wir waren von der tiefen Zuschauerzahl überhaupt nicht überrascht», sagt Serena Forgione auf Anfrage der «AZ». Die Leiterin der Geschäftsstelle des FC Wohlen ist für die Organisation der Heimspiele des Fanionteams zuständig. «Ein Montagabendspiel, das am TV übertragen wird, bei dieser Kälte... Schade, dass die Liga das Aargauer Derby bei uns im November und nicht im August oder September angesetzt hat. Da hätten wir sicher viel mehr Publikum anlocken können.»

Sinkende Zuschauerschnitte in Aarau und Wohlen

Doch dies alleine kann nicht als Erklärung für den enttäuschenden Fanaufmarsch herhalten. Der Zuschauerschwund im Aargauer Fussball ist faktisch belegbar. Seit vier Jahren sinkt der Zuschauerschnitt beim FC Aarau kontinuierlich. In der Saison 2013/14 sahen im Brügglifeld noch durchschnittlich 5413 Fans die Spiele. Jetzt kommen im Mittelwert noch 2707 Zuschauer aufs Brügglifeld – ein Minus von 50 Prozent!

Im Freiamt die gleiche Veränderung: Noch nie seit dem Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse im Jahr 2004 verfolgten im Mittelwert weniger Zuschauer die Heimspiele des FC Wohlen im Stadion wie heuer. Der Schnitt in der aktuellen Saison: 741 Zuschauer.

Auch der Fanaufmarsch in den Kantonsderbys unterstreicht diese Entwicklung: In der Saison 2016/17 waren die beiden Kantonderbys in Wohlen mit 2140 und 2085 Zuschauern deutlich besser besucht als am Montagabend (1119). Auch die erste Begegnung in dieser Saison zwischen Aarau und Wohlen im Brügglifeld mit 2972 Fans fiel im Vergleich zum ersten Aarauer Heimderby der vergangenen Spielzeit (3766 Zuschauer) ab.

Die Derby-Abrechnung mit den roten Zahlen

Noch liegen Forgione keine endgültigen Zahlen zur Partie vom Montagabend vor. Trotzdem: «Die vergangenen Derbys waren jeweils gelungene Events, aus denen wir mehr oder weniger mit einer schwarzen Null herauskamen», sagt die Leiterin der Wohler Geschäftsstelle. «Diesmal gehe ich davon aus, dass der Aufwand grösser war, als es der Ertrag sein wird. Alleine schon durch die Sicherheitskosten (Kantonspolizei, Interner Sicherheits- und Parkdienst) – und das, obwohl uns anhand der letztjährigen Erfahrungen alle involvierten Partner mit ihrem zurückhaltenden Aufgebot entgegen gekommen sind. Dafür sind wir sehr dankbar.»

Trotzdem muss davon ausgegangen werden, dass für den finanziell sowieso schon arg gebeutelten FC Wohlen die definitive Abrechnung des zweiten Kantonsderby der laufenden Saison mit einem Minusbetrag abgeschlossen werden wird. «In der vergangenen Saison konnten wir mit den Ticketeinnahmen an den Derbys jeweils die Sicherheitskosten für das Spiel zumindest decken. Auf das Spiel vom Montag trifft das sicherlich nicht zu – und das, noch ohne den Aufwand für alles andere zu berücksichtigen.»