FC Wohlen

Wohlen-Trainer Gabriele vor dem Derby: «Der Trainerjob in Aarau reizt mich»

Francesco Gabriele kehrt ins Brügglifeld zurück und hat dort die Chance, Fussballgeschichte zu schreiben. Das Derby wird um 15.00 Uhr angepfiffen.

Ruedi Kuhn
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Francesco Gabriele blickt dem Challenge-League-Derby gegen Aarau gespannt entgegen.

Francesco Gabriele blickt dem Challenge-League-Derby gegen Aarau gespannt entgegen.

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Kennen Sie sich im Aargauer Fussball aus? Wenn ja, können Sie die folgende Frage mit Sicherheit beantworten: Welcher Trainer hat in seiner Karriere jeweils während einer längeren Zeitspanne die drei Aargauer Top-Vereine FC Aarau, FC Wohlen und FC Baden trainiert?

Es ist Ryszard Komornicki. Der Pole war einer der erfolgreichsten Trainer des FC Aarau und wurde in den Saisons 2007/08 und 2008/09 jeweils Fünfter. In der Super League versteht sich! Seine Laufbahn als Übungsleiter lancierte er beim FC Wohlen. Ende der 1990er-Jahre war er der erste Profitrainer der Freiämter. Und in der Saison 2011/12 rettete er Wohlen dank einem fulminanten Schlussspurt vor dem Abstieg aus der Challenge League. Für die sportlichen Leistungen des FC Baden war Komornicki in der Saison 2006/07 verantwortlich.

Ryszard Komornicki war der erste Profitrainer des FC Wohlen.

Ryszard Komornicki war der erste Profitrainer des FC Wohlen.

Keystone

Aber was hat das alles mit Francesco Gabriele zu tun? Ganz einfach: Nach sechsjähriger Tätigkeit in der Nachwuchsabteilung des Team Aargau lancierte Gabriele seine Trainerlaufbahn 2012 beim Erstligisten FC Baden. Nach dem überraschenden Abgang von Martin Rueda zu Wil im Spätsommer dieses Jahres übernahm Gabriele die sportliche Verantwortung des FC Wohlen. Nach Anfangsschwierigkeiten startete er mit dem vermeintlichen Abstiegskandidaten durch: Gabrieles Bilanz mit vier Auswärtssiegen gegen Schaffhausen, Chiasso, Xamax und Wil und einem Heimerfolg gegen Winterthur kann sich sehen lassen.

Gabriele ist zweifellos gerne Trainer des FC Wohlen. Aber wer ihn kennt, der weiss, dass er noch lieber Trainer des FC Aarau wäre. «Nach den Tätigkeiten in Baden und in Wohlen würde sich für mich beim FC Aarau ein Kreis schliessen», sagt Gabriele. «Ich habe Ziele. Ich habe sogar Visionen. Der Trainerjob in Aarau reizt mich. Wenn ich in Wohlen erfolgreich bin, kann alles schnell gehen. Läuft es optimal, bekomme ich vielleicht sogar die Chance, einen Klub im Ausland zu trainieren. Ich wäre auf dem Weg nach oben durchaus bereit, die Komfortzone in der Schweiz zu verlassen. Aber», fügt Gabriele hinzu, «das ist Zukunftsmusik. Momentan setze ich meine ganze Kraft für den FC Wohlen ein. Es geht um den Ligaerhalt, nur um den Ligaerhalt.»

Um seine hohen Ziele zu erreichen, muss Gabriele Werbung in eigener Sache machen. Diese Möglichkeit bietet sich dem 39-jährigen Solothurner am Sonntagnachmittag. Es ist Derbyzeit! Gabriele trifft mit seinem FC Wohlen auf den FC Aarau. Und nach dem 2:1-Erfolg beim Ligakrösus Wil vor gut einer Woche sind die Chancen der Freiämter auf den ersten Sieg im 14. Duell der Kantonsrivalen intakt.

«Statistiken und Bilanzen sind schön und gut», sagt Gabriele. «Aber im Fussball hat man immer eine Chance. Es gibt sicherlich Gründe, warum der FC Wohlen in 13 Anläufen gegen Aarau nicht gewinnen konnte. Irgendwann wird diese Serie jedoch reissen. Es ist logisch, dass ich den Sieg will. Ich gebe zu, dass ich Emotionen habe. Aber es geht in erster Linie um drei Punkte und nicht darum, den FC Aarau zu schlagen.»

Das Brügglifeld als Zuhause

Der sportliche Erfolg ist der eine Aspekt, die Erinnerung an seine frühere Arbeitsstätte Brügglifeld der andere: Gabriele arbeitete vom Sommer 2006 bis im Sommer 2012 im Brügglifeld. Alles begann mit einem Anruf von Jürg Widmer, dem Mann also, der vor zehn Jahren zusammen mit Ruedi Schaub das Team Aargau ins Leben gerufen hat.

Schaub und Widmer waren damals auf der Suche nach zwei Profitrainern für die neue Nachwuchsabteilung zum Wohl des FC Aarau, Wohlen und Baden. Und mit Gabriele und Ranko Jakovljevic wurden zwei Trainer angestellt, die jahrelang hervorragende Arbeit zum Wohl vieler Aargauer Talente geleistet haben.

Gabriele kennt das Brügglifeld also wie kaum ein anderer. Er hat eine spezielle Beziehung zum alt-ehrwürdigen Stadion. Im Laufe der Zeit wurde die Sportstätte für ihn zu einem zweiten Zuhause. «Das Brügglifeld hat Charme», sagt Gabriele. «Die Ambiance ist einzigartig. Speziell sind vor allem die alte Tribüne und der Umstand, dass die Zuschauer sehr nahe am Spielfeld sind. Für mich macht es einen grossen Unterschied, ob ich als Trainer oder als Zuschauer im Stadion bin. Als Trainer bin ich aufs Sportliche fokussiert, als Zuschauer kommen melancholische Gefühle auf.» Heute Sonntag ist Gabriele Trainer. Nur Trainer.