FC Aarau

Wie steht es um die Zukunft des Aarauer Trainers Marco Schällibaum?

Der Vertrag von Marco Schällibaum beim FC Aarau läuft im Sommer aus – ob er verlängert wird ist noch offen.

Dean Fuss
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Unter Trainer Marco Schällibaum hat der FCA 18 Siege erreicht. Hinzu kommen 13 Unentschieden und 10 Niederlagen.

Unter Trainer Marco Schällibaum hat der FCA 18 Siege erreicht. Hinzu kommen 13 Unentschieden und 10 Niederlagen.

KEYSTONE/URS FLUEELER

Am Samstag ist es genau 461 Tage her, seit der FC Aarau die Medienmitteilung mit dem Titel «Der FC Aarau verpflichtet Marco Schällibaum» verschickt hat. Das sind knapp 66 Wochen und etwas mehr als 15 Monate.

Tage, Wochen und Monate, in denen sich rund um den FC Aarau und die Challenge League viel getan hat: Der FCA wurde in dieser Zeit vom Schlusslicht der zweithöchsten Schweizer Spielklasse zum Team in den Top 4 mit Ambitionen.

Weil aber im vergangenen Frühling der FC Zürich den Gang in die Challenge League antreten musste, der FC Wil von seinen türkischen Investoren immer wieder massiv alimentiert wurde und Neuchâtel Xamax seine starke Form auch im Jahr nach dem Aufstieg weiter auf den Platz brachte, mussten allfällige Aufstiegsambitionen im Stadion Brügglifeld in der laufenden Saison – aufgrund der finanziell übermächtigen Konkurrenz nicht überraschend – bald begraben werden.

Eine Premiere beim FC Aarau

Der FC Aarau stattet Nachwuchsspieler Marco Corradi mit einem Profitvertrag aus. Der 17-jährige Innenverteidiger spielte zuletzt beim Team Aargau und erhält nun einen Vertrag bis im Sommer 2019. Das ist schweizweit eine Premiere: Denn damit hat der FCA als erster Klub der Swiss Football League (SFL) einen Spieler mit Jahrgang 2000 in sein Fanionteam aufgenommen, wie die SFL auf ihrer Website schreibt. Corradi ist nicht mit der Mannschaft nach Spanien gereist, weil er derzeit mit der U17-Nationalmannschaft im gleichzeitig stattfindenden Trainingslager in Tenero weilt. Und auch die zweite Aktualität rund um die Aarauer Mannschaft betrifft einen Innenverteidiger: Juan Pablo Garat musste gestern Nachmittag kurzfristig zum Arzt. Ergebnis: Der 33-jährige Argentinier hat sich eine Verstauchung des grossen Zehs am linken Fuss zugezogen und fällt deshalb für das Testspiel von heute Nachmittag gegen den FC Liefering (Anpfiff um 16.00 Uhr) aus.

«Wir wollen in die Top 3», sagte Schällibaum nach Abschluss der Hinrunde der vergangenen Saison. Mit demselben Ziel stieg man beim FC Aarau in die laufende Saison. Sowohl vergangene Saison, als auch nach Ablauf der Hälfte der aktuellen Spielzeit wurde dieses Ziel um einen Rang verpasst. «Diese Klassierung entspricht aktuell schlicht und einfach der Realität, das muss man auch so anerkennen», sagt Schällibaum.

Sein Wirken ist unbestritten

So oder so steht ausser Frage, dass Schällibaum in seinen 461 Tagen an der Seitenlinie beim FCA einiges bewirkt hat. In den insgesamt 41 Meisterschaftspartien unter seiner Leitung hat der FCA 18 Siege, 13 Unentschieden und 10 Niederlagen eingefahren. Wie bereits erwähnt, führte der 54-jährige Zürcher die Aarauer in der vergangenen Saison aus dem Abstiegssumpf auf den vierten Rang in der Schlusstabelle.

Er schaffte es damals, aus einem zwar mannschaftlich intakten aber mut- und saftlosen Gefüge ein Team mit Winner-Mentalität zu formen. Plötzlich gewann der FCA im vergangenen Frühling auch wieder einmal Spiele, die er genauso hätte verlieren können – unter Schällibaum wurden auch sogenannt «dreckige» Siege wieder möglich.

67 Punkte hat der FC Aarau seit Oktober 2015 unter Trainer Marco Schällibaum in insgesamt 41 Meisterschaftspartien (inklusive der beiden später aus der Wertung genommenen Rückrunden-Partien 2015/16 gegen den FC Biel) gesammelt.

«Als er uns übernommen hat, befanden wir uns in einer sehr schlechten Phase. Dank ihm sind wir daraus wieder herausgekommen. Dass wir danach einen riesen Lauf hatten, ist in erster Linie ihm zu verdanken», sagt Captain Sandro Burki rückblickend. Es ist dieser Teil von Schällibaums Amtszeit, der sehr erfolgreich lief.

Gröbere Rückschläge musste er erst in der Hinrunde der aktuellen Saison hinnehmen. Vor allem der Monat Oktober war in dieser Hinsicht ein dunkles Kapitel: Durch die drei Niederlagen in Genf (0:1), gegen Wil (0:1) und in Chiasso (1:3) in Folge verlor der FCA den Anschluss an die Spitze definitiv.

Das vermochte auch das Unentschieden gegen Winterthur (1:1) zum Monatsende nicht mehr zu verhindern. Ausgangspunkt für die Misere war ausgerechnet das im Klubumfeld zum ersten grossen Saison-Highlight auserkorene Heimspiel gegen den FCZ (1:1), als der FCA den Sieg in der Nachspielzeit noch äusserst unglücklich aus der Hand gab. Da waren aber auch noch die Unbeherrschtheiten einzelner Akteure – nicht weniger als vier direkte Platzverweise und eine Ampelkarte stehen beim FCA allein in der Hinrunde zu Buche.

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Marco Corradi wurde per sofort ins Aarauer Fanionteam aufgenommen
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Keystone

«Über meine gesamte Amtszeit in Aarau gesehen bin ich zufrieden mit meiner Bilanz», erklärt Schällibaum seine Sicht der Dinge. «Ich arbeite sehr gerne beim FC Aarau und fühle mich hier sehr wohl.» Trotzdem hat die Klubführung bisher darauf verzichtet, den im kommenden Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern. «Wir warten jetzt erst einmal ab. Wenn wir so weit sind, werden wir uns entscheiden und das dann auch kommunizieren», sagt Sportchef Raimondo Ponte. Mehr ist ihm zu diesem Zeitpunkt nicht zu entlocken.

Schällibaum bleibt gelassen

Schällibaum lässt sich von diesem Umstand nicht nervös machen: «Ich weiss, was ich hier geleistet habe und wo wir stehen. Natürlich hatten wir im Herbst ein Tief, man darf aber auch unser grosses Verletzungspech nicht vergessen. Das hat uns immer wieder die Stabilität gekostet – und wir haben auf die Rückschläge reagiert», sagt er.

«Und ja, die roten Karten waren ein Problem, aber das haben wir besprochen. Auch ich habe mich am Spielfeldrand gemässigt. Trotz allem: Jetzt ist die Klubführung am Zug. Und egal wie der Entscheid ausfällt, ich werde jeden Tag mein Bestes für das Wohl des FCA geben. Ich bleibe in jedem Fall professionell.»

Starke Worte von Schällibaum. Und trotz Ungewissheit über seine Zukunft beim FCA beweist er deren Umsetzung Tag für Tag auf dem Trainingsplatz: Selbst am Freitag, als er aufgrund von akuter Heiserkeit zeitweise kaum mehr als ein Krächzen herausbrachte, dirigierte er die Übungen im Training in gewohnter Manier über den gesamten Platz.

Captain Burki indes ist voll des Lobes für den Trainer: «Die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr gut. Wir Spieler schätzen ihn sehr. Er ist sicher ein harter Trainer, der aber trotzdem nahe beim Team ist. Er hat eine gute, menschliche Art, die bei uns gut ankommt.»

Stellt sich die Frage, wie lange dem noch so ist. Nach aktuellem Stand ist es schliesslich auch immer noch möglich, dass Schällibaums aktive Amtszeit an der Seitenlinie des FCA am 3. Juni 2017 nach 594 Tagen endet – auf diesen Tag ist die Derniere der Saison 2016/17 mit dem Heimspiel gegen Xamax angesetzt.