Rad

Wie Silvan Dillier Marc Hirschi zum WM-Triumph verhelfen will

Der Schneisinger Radprofi Silvan Dillier nimmt wider Erwarten an der Rad-WM teil – und soll dem Schweizer Shooting-Star Marc Hirschi zum WM-Titel verhelfen. Das Rezept: Spass haben und sich vom Erwartungsdruck nicht beirren lassen.

Marcel Kuchta
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Silvan Dillier steht nun doch an der WM am Start.

Silvan Dillier steht nun doch an der WM am Start.

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Dass es in diesem, ganz speziellen Jahr erstens anders kommt, und zweitens als man denkt, hat Silvan Dillier in den vergangenen Wochen und Monaten zur Genüge erfahren müssen. Und so ist es denn auch keine Überraschung, dass der Schneisinger am kommenden Sonntag beim WM-Strassenrennen in Imola am Start stehen wird – obwohl alles ganz anders geplant gewesen ist.

Hügel statt Berge - und schon ist Dillier dabei

Wir erinnern uns: Ursprünglich hätten die Strassenrad-Titelkämpfe in diesem Jahr in Martigny über die Bühne gehen sollen. Der Parcours dort: Schwierig, auf Bergfahrer zugeschnitten. Bekanntlich wurde auch dieser Anlass ein Opfer der Corona-Pandemie. Die Organisatoren zogen sich zurück, die Italiener sprangen ein und übernahmen kurzerhand die Veranstaltung. So kommt es, dass Silvan Dillier nun doch zum WM-Aufgebot von Swiss Cycling gehört. Denn seine Qualitäten sind – im Gegensatz zu den Bergen – auf dem Parcours, welcher unter anderem über die bekannte Rennstrecke führt, zugeschnitten. Es ist eine hügeliger Rundkurs für Klassiker- und Eintagesrennen-Spezialisten. Und da gehört der 30-Jährige definitiv dazu. Es erstaunt jedenfalls nicht, spielt der Schneisinger in den Planspielen von Nationaltrainer Marcello Albasini eine wichtige Rolle.

Marc Hirschi bei der Siegerehrung auf den Champs-Elysées in Paris, wo er als kämpferischster Fahrer der diesjährigen Tour de France geehert wurde

Marc Hirschi bei der Siegerehrung auf den Champs-Elysées in Paris, wo er als kämpferischster Fahrer der diesjährigen Tour de France geehert wurde

KEYSTONE/AP/Christophe Ena

Doch der Aargauer geht nicht mit der Ambition ins Rennen, selber am Ende zuoberst auf dem Podest zu stehen. Die Mission ist heuer klar: Die Schweiz hat mit Shooting-Star Marc Hirschi ein ganz heisses Eisen im Feuer im Kampf um das begehrte Regenbogen-Trikot. Der 22-Jährige hat zuletzt an der Tour de France, wo er als kämpferischster Fahrer des Pelotons ausgezeichnet wurde und einen Etappensieg feiern durfte, bewiesen, dass er das Zeugs dazu hat, auch am kommenden Sonntag ganz an die Spitze zu fahren.

"Möchte gerne dabei sein, wenn Marc den Titel holt"

Eine Ausgangslage, die natürlich auch Silvan Dillier extrem motiviert. «Ohne ihn unter Druck setzen zu wollen. Aber ich möchte gerne dabei sein und mit erleben, wie Marc Hirschi Weltmeister wird», sagt der Routinier augenzwinkernd und fügt an: «Im Ernst: er hat eine mega starke Tour de France gezeigt. Jetzt hoffe ich, dass Marc seine Form bis zum WM-Rennen konservieren kann. Wenn ihm das gelingt, dann ist alles möglich.» Wichtig sei auch, so Dillier, dass «er sich mental und vor allem physisch von den Strapazen erholen kann.»

Die Voraussetzungen für einen Exploit Hirschis und damit vielleicht sogar den ersten WM-Titel seit Oscar Camenzind 1998 sind also sehr gut. Was braucht es aber, um das heisse WM-Eisen so lange wie möglich schmieden zu können? Dillier: «Wir müssen uns bewusst sein, was wir als Team und als Mannschaft erreichen können, aber wir dürfen uns trotz allem nicht unter Druck setzen lassen. Wichtig ist, dass wir mit dem nötigen Spass ans Werk gehen. Wir müssen Lust haben, zusammen etwas Grosses zu erreichen und uns nicht um irgendwelche Erwartungshaltungen kümmern. Umso grösser ist die Chance, dass wir unsere Leistung abliefern. Ich hoffe, auch Marc schafft es, mit dieser Einstellung ins Rennen zu gehen.»

Die Erfahrungen des Jahres 2020 haben Silvan Dillier gelehrt, ständig mit Unwägbarkeiten zu rechnen. Für einmal dürfte es nach seinem Geschmack aber auch mal so kommen, wie erhofft. Mit einem Schweizer Weltmeistertitel.